Der Vize-Europameister

… im Teamwettbewerb in Schwechat, Kalinikos KREANGA, kann sich auf seine überlegene Rückhand verlassen. Trotz seiner 41 Jahre sieht er sich noch nicht am Limit und ist von Verletzungen weitgehend verschont geblieben. „Auch zur Abwehr von Verletzungen lohnt es sich, nicht nur physisch, sondern auch mental auf der Höhe zu bleiben“. Nach 3 Saisons in Montpellier spielt er nun seit 9 Jahren bei Hennebont. „Ich habe mich noch nie einem Club so nahe gefühlt wie hier. Klar, im Fall eines Falles wäre ich Profi. Aber es fiele mir wirklich schwer, diesen Club zu verlassen. Hennebont ist wie eine Familie für mich.“

Mein ganzes Spielsystem lebt von meiner Rückhand

Seine Rückhand ist eine Marke für sich und weit effektiver als die der meisten seiner Gegner. „Ich möchte nicht behaupten, dass meine Rückhand an sich besser wäre als die anderer Spieler mit guter Rückhand. Aber bei den meisten dient sie taktisch lediglich zur Vorbereitung, um den Punkt schlussendlich mit der Vorhand zu machen“, stellt Kalinikos fest. „Bei mir ist das was anderes – ich mache auch den Punkt oft mit der Rückhand. Darauf ist mein ganzes Spielsystem ausgerichtet. Das unterscheidet  mich von anderen.“

Und wenn er gefragt würde, was er am liebsten von einem anderen Spieler hätte, würde er ohne zu zögern antworten: „ein besseres Aufschlag-Rückschlagspiel!“ Das ist auch, woran er momentan arbeitet.

Zu häufige Materialwechsel vermeiden

„Abgesehen von meinem Ersatzschläger, verwende ich immer den selben Schläger. Außer gegen einige Abwehrspieler, da nutze ich manchmal einen Belag mit kurzen Außennoppen“, gibt Kreanga zu.

Seine ersten Schritte

Mit fünfeinhalb Jahren beginnt er mit dem Turnen in einem Sportverein der Stadt Bistrița in Rumänien. Eineinhalb Jahre später probierte er  einen Tischtennisverein aus, nur einen Sprung weit von der elterlichen Wohnung. „Das erste Mal hat mich mein Vater begleitet. Er forderte mich auf, doch bitte nicht jedes Jahr die Sportart zu wechseln, sondern mich zu entscheiden.“, erinnert sich Kali. „Anfangs gefiel es mir gar nicht so sehr, aber nach zwei Jahren hatte mich der Virus gepackt.“

Heute hängt Kalinikos als Poster an vielen Wänden seiner Fans. Selbst jedoch hatte er zugegebenermaßen kein echtes Idol. „Ein Poster an der Wand hatte ich von niemandem. Aber alle Weltklasse-Spieler hatten mich stark interessiert und ich habe natürlich versucht, sie zu imitieren.“

„Mit 18 habe ich Rumänien verlassen, denn mit Ceausescu and der Macht gab es kaum Möglichkeiten für junge Tischtennisspieler sich auf hohem Level zu entwickeln. Also eine politische Entscheidung – junge Spieler werden sich an die Zeit kaum erinnern.“ Er wanderte aus, nach Griechenland , das er nie wieder verließ. „Als erstes hab ich dort für einen Club gespielt, dann Freunde gefunden, dann Unterstützung. Klar, dass ich heute gerne das griechische Trikot trage.“

Schwechat 2013: Erste Medaille im Teamwettbewerb

Neben den letzten fünf Olympischen Spielen nahm Kalinikos nahm Kalinikos KREANGA an vielen  Europa- und Weltmeisterschaften teil. Dennoch brauchte er zwanzig Jahre, um endlich eine Medaille im griechischen Trikot zu gewinnen. Zusammen unter anderem mit seinem Freund, Panagiotis GOINIS, gelang das Unmögliche – Silber in Schwechat 2013. „Diese Medaille ist für unser Land. Hätteich natürlich gerne schon früher gewonnen, aber besser spät als nie.“, lacht der Grieche. „Zwei, drei Möglichkeiten dazu gab es schon früher in Viertelfinalen bei Europameisterschaften und bei den Weltmeisterschaften 1997 in Manchester, wo wir dann Sechster wurden.“

Was macht ihn stolz?

Überlegt. Stolz sei er darauf,  2011 ältester Spieler (jetzt 39 Jahre) der Europe Top 12 gewesen zu sein. Und natürlich auf die Bronzemedaille bei den Weltmeisterschaften 2003 – auch wenn damals natürlich Werner Schlager die ganze Aufmerksamkeit bekommen hätte. „Ich hatte mich ja selber unglaublich für Werner gefreut und für mich war es ein Spitzenergebnis – auch heute noch das beste meiner Laufbahn.“ Seitdem gewannen nur Michael MAZE (2005) und Timo BOLL (2011) als Europäer Bronze bei einer WM.

Heute lebt Kalinikos glücklich mit seiner Frau und seinen zwei Töchtern in Athen, und berichtet voller Stolz, dass seine ältere Tochter angefangen hat, Tischtennis zu spielen.

KREANGA – mit den Augen von Christophe Legoût

CHRISTOPHE LEGOUT_3_smallChristophe LEGOÛT, heute und auch schon früher in Ochsenhausen (2001 – 2002) Teamkamerad von Kalinikos KREANGA, schätzt den Griechen sehr: „Er ist ein ausgezeichneter Partner, der sein Team in jeder Hinsicht unterstützt. Zudem sind seine Spiele spektakulär – nicht nur durch seine Rückhand.“

Christophs Analyse:

  • KREANGA hat eine besondere Rückhand, die er sowohl mit hoher Reichweite als auch mit hoher Frequenz spielt
  • Gewöhnlich werden eher kurze Bewegungen benötigt, um Schläge schnell auf einander folgen zu lassen. Aber obgleich Kalinikos weit ausholt, schlägt er mit enorm schneller Frequenz. Seine Vorhand hat ähnliche Eigenschaften. Selbst unter hohem Druck gelingt es ihm oft auf einzigartige Weise, Gegnern die Offensive aus der Hand zu nehmen und mit Volltreffern zu parieren
  • Nahe am Tisch kann er Bälle mit der Rückhand wie mit der Vorhand so hart und schnell spielen wie ein Damien ÉLOI. Aber genauso gut kann er Tempo rausnehmen und  Topspin-Duelle kontrollieren. Es ist als hätte er „zwei Vorhände“
  • Am stärksten ist sein Spielsystem gegen Linkshänder. Hier kann er entspannt so lange in dessen Rückhand spielen, bis sich die Chance für seine Rückhand bietet, den Punkt zu machen
  • Nichtsdestotrotz hat er Schwierigkeiten mit Vorhandaufschlägen, besonders weil er dazu tendiert, sie mit seiner Rückhand annehmen zu wollen. Dies ist der Nachteil seines Spielsystems
  • Etwa seit 2003  zelebriert er einen Aufschlag mit sozusagen „umgekehrter Taktik“. Er soll nichts anderes bewirken als dass Gegner den Ball lang zurückzuspielen. Dabei sind seine Aufschläge oft technisch nicht astrein und  laufen nicht flüssig ab. Sie bringen ihn oft in keine vorteilhafte Situation, führen aber immerhin zu Rückhand- und Vorhand-Topspinduellen. Da fühlt er sich am sichersten

Eine Anekdote :

„In Mitte der 90er Jahre erreichten Damin ELOI, Patrick CHILA und ich ein hohes Niveau und in den ersten fünf Spielen gegen Kalin taten wir seine heftigen Topspin-Treffer noch als reine Glückstreffer ab. Aber als seine Trefferquote auch danach bei ca. 10 pro Satz blieb, haben wir unsere Meinung geändert“, erinnert sich Christophe.

Kalinikos KREANGA im Abriss

Geboren am 8. März 1972 in Bistrița (Rumänien)

  • 7. Platz bei der WM im September 2002
  • Vize-Europameister (Team) 2013
  • Gewinner des Europe Top 12 im Jahr 2011 (s.u.)*
  • Bronzemedaille bei den Weltmeisterschaften 2003 (s.u.)*
  • Silbermedaille beim Weltcup 2002 und 2003
  • Vize-Europameister 2002
  • Europameister im Doppel 1994
  • Schüler-Europameister 1986

* 2011 : Europe Top 12

* 2003 : Weltmeisterschaften

 

 

Über den Autor

Hubert

He recently joined the Butterfly France team. Hubert, in addition to following high level table tennis for many years (and playing himself), as a journalist, he creates a lot of content. He is now the chief editor for Butterfly Mag. He is also the communication manager for Butterfly in France.

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2 Kommentare

  1. David Engel

    Ein guter Artikel über einen der besten und vor allem über den beeindruckendsten Tischtennis-Spieler der Welt.
    Kreanga wird den TT-Sport für immer prägen.