Mit mehr als 22.000 fans auf Facebook verzaubert Natalia Partyka über die Grenzen des Tischtennis hinause. In ihrem Heimatland Polen ist sie bereits eine Ikone des Sports und wird als eine der besten Athleten der Paralympischen Spiele und generell als eine der besten Spielerinnen ihrer Generation bezeichnet. Sie wurde ohne rechten Unterarm geboren, und hat sich eine exzellente Technik erarbeitet, die der 24 jährigen bereits erstaunliche Erfolge bei den Paralympics und der World Tour bereitet hat.

LIEBHERR 2013 World Table Tennis Championships,13 May 2013 - 20 May 2013, Paris, FRA

Als die Europameisterin 2004 bei den Junioren in Athen zu den Paralympischen Spielen antrat, schaffte sie prompt den Sprung auf das obere Treppchen und fuhr ihren ersten Sieg im Einzelwettbewerb ein.  In Sydney, vier Jahre zuvor war sie bereits jüngste Teilnehmerin der Spiele mit 11 Jahren. Nach diesen beiden Rekorden folgten weitere: In Peking und London schaffte es Partyka ihren Titel jeweils zu verteidigen (Klasse 10) und wurde darüber hinaus die zweite Spielerin überhaupt, die bei Olympischen Spielen und den paralympischen Spielen im gleichen Jahr antreten durfte und dazu noch mehrere Medaillen im Doppel und im Mannschaftswettbewerb mit nach Hause nehmen konnte.

Partyka über ihre Behinderung:

Natalia ist Linkshänderin und mit einem starken Topspin und einer Reihe cleverer Aufschlagvariationen ausgerüstet und erreichte die Top 50 der Weltrangliste im Jahre 2010. Seit dem hat sie die Top 100 nicht mit mehr verlassen. Anfang des Jahres 2014 wurde sie zweifach geehrt, als außergewöhnliche Athletin und Frau. Beim ITTF „Dream Building“ Programm machte man sie zum Botschafter des Weltverbandes und seither arbeitet sie an der Entwicklung des Sports.

„Es ist eine große Ehre für mich und ich bin stolz an diesem Programm teilnehmen zu dürfen. Ich hoffe, dass wir viele neue Spieler für den Tischtennissport begeistern können. Es ist eine Herausforderung, die aber jeden Aufwand wert ist.“ Einige Wochen später wurde sie vom IPC, dem internationalen Paralympics Komitee, der sechs außergewöhnliche Athleten auszeichnet, ebenfalls nominiert. „Ich bin über die Nominierung des IPC etwas überrascht, es sind ja so ausgezeichnete Frauen dabei. Ich bin überglücklich darüber und weiß jetzt, dass ich noch härter an mir arbeiten muss um zu zeigen, dass ich diese Nominierung verdiene.“

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Wie so oft im Tischtennis, beginnt Partykas Karriere bei ihrer Familie. In diesem Fall war es ihre ältere Schwester, die die Polin zum Tischtennissport brachte. „Ich wollte es ihr gleichtun. Anfangs war Tischtennis nur ein Hobby für mich, aber später wurde es mehr als das.“ Dies wurde spätestens nach dem Gewinn der Europameisterschaften klar. „Ich war 15 und dachte mir, ich könnte sicher noch besser werden. Also entschied ich mich dazu alles zu geben und das Maximum aus mir herauszuholen. Ich wollte immer so spielen wie die Chinesen, die haben die beste Technik und spielen äußerst intelligent. Besonders gefiel mir das Spiel von Guo Yue, die auch Linkshänderin ist.“

In der Nationalmannschaft spielte Natalia Partyka lange Zeit mit zwei gebürtigen Chinesinnen zusammen (Li Qian und Xu Jie). „Ich hatte lange Zeit die Gelegenheit mit ihnen zusammen zu spielen und zu trainieren und habe eine Menge gelernt. Jetzt spielen wir häufig gegen Europäische Teams mit Chinesinnen, was natürlich schwer ist. Aber wir haben keine andere Wahl.“

Natalia Partyka trainiert an der Küste des baltischen Meeres in Gdansk, wo auch die Nationalmannschaft Polens beiheimatet ist. „Die Bedinungen dort sind ausgezeichnet, ich habe gute Trainingspartner.“ Momentan steht sie auf Weltranglistenposition 81, und sie blickt nach oben:

„Zurück in die Top50 ist sicherlich möglich, aber das wird harte Arbeit. Ich weiß, woran ich arbeiten muss, besonders an meiner mentalen Stärke und meiner Konzentration.“ Und die Paralympics? „Ich habe schon alle Wettbewerbe dort gewonnen, aber ich liebe es dabei zu sein und dort zu spielen. Natürlich ist mir aber der Profiwettbewerb wichtiger.“

Eine Anekdote von Christophe Legout:

„Eines Tages leitete ich einen Workshop in Istrs, als mir ein junges Mädchen auffiel, die ganz gut spielte. Wirklich interessant war allerdings, dass sie ihr Spiel sichtlich genoss, trotz der Blicke, die sie aufgrund ihrer Behinderung auf sich zog. Dieses 10 Jährige Mädchen wurde mit nur einem Arm geboren, aber ihre Leidenschaft für den Sport war stärker als bei den Mitspielern. Also sprach ich sie an und erzählte von der Polin Natalia Partyka, die trotz einer ähnlichen Behinderung zu den besten Spielern der Welt zählt. Ich empfahl ihr, sich im Internet einige Videos anzusehen und versprach, eine DVD von Natalia zu besorgen.

Auf dem nächsten World Tour Turnier traf ich Natalia und erzählte ihr von dem jungen Mädchen und ihrem neuen Idol.  14 Tage später überreichte sie mir in einer Trainingshalle in Deutschland eine DVD und ein Foto mit Autogramm, die einer gewissen Person bestimmt viel Freude bereiten wird…

Hier noch einmal das Finale der Paralympics 2012, zum Nacherleben:

 

Über den Autor

Hubert

He recently joined the Butterfly France team. Hubert, in addition to following high level table tennis for many years (and playing himself), as a journalist, he creates a lot of content. He is now the chief editor for Butterfly Mag. He is also the communication manager for Butterfly in France.

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