Der Halbfinalist der German Open, Steffen Mengel, musste in Magdeburg mehrere schwere Prüfungen bestehen. Die erste Hürde, die Qualifikationsphase, nahm der 26 Jährige noch relativ entspannt. Doch in der Hauptrunde schließlich stand der Chinese Wang Hao, Weltmeister von 2009 und dreimaliger Olympiasieger. Und Steffen Mengel, die Nr. 49 in der Welt (Im März war er noch 100.), war weit davon entfernt sich Chancen auf den Sieg auszurechnen.

Von der Qualifikation ins Halbfinale

Ein großes Turnier vor heimischer Kulisse kann für manche Spieler eine zusätzliche Quelle der Motivation sein. Einige Spieler versagen unter dem Erwartungsdruck der Zuschauer, andere geben ihr Bestes um sich freizuspielen und um große Taten zu vollbringen. In diese Kategorie gehört auch Steffen Mengel.

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Das Halbfinale eines großen World Tour Turniers ist normalerweise den besten Spielern aus Asien vorbehalten. Steffen Mengel, mit der Startnummer 100 musste zunächst hart arbeiten, um in diesen Spielerpool zu kommen. In der Qualifikationsphase in der GETEC Arena bezwang er der Reihe nach den Österreicher Martin Heimberger (Nr. 301 in der Welt), Yu Ziyang (China, Nr. 180), den Russen Alexander Shibaev (Nr. 34), Zhou Kai (China, Nr. 178), bevor er im Achtelfinale dann Wang Hao und seinem sicheren Aus entgegensah. Doch es kam anders. In einem hinreißenden und vor allem knappen Spiel hielt Steffen Mengel nicht nur gut mit dem Weltmeister aus China mit, wehrte 3 Matchbälle ab, sondern erarbeitete sich im 7. Satz sogar selbst eine Chance auf den Sieg, die er prompt und zum Entsetzen seines Gegners, eiskalt, nutzte. Da war sie nun, die Sensation: Steffen Mengel besiegt Wang Hao. Die Euphorie bei Mengel blieb auch im folgenden Viertelfinale ungebrochen. Scheinbar mühelos bezwang er die Nr. 23 der Welt, den Südkoreaner Cho Eun-Rae mit 4:0. Dass er im Halbfinale schließlich am cleveren Spiel von Jun Mizutani scheiterte, interessierte später nicht weiter, denn das Unmögliche hatte Steffen Mengel schon vollbracht.

Also, wer kann schon behaupten, er hätte Steffen Mengel in diesem illustren Kreis der letzten 4 bei einem Super Series Turnier erwartet? Seien wir ehrlich: niemand. Ähnliches räumt auch Richard Prause, langjähriger Herren Nationaltrainer und nun Chefcoach an der Werner Schlager Akademie ein. Er erinnert sich an die World Tour 2011, als Mengel ebenfalls auf sich aufmerksam machte: „Er ist manchmal in der Lage, die großen Spieler kräftig zu ärgern. Ich erinnere mich an das Spiel gegen Chuang Chih-Yuan. Damals war Steffen auf dem Weg zum Sieg, aber seinem Spiel fehlten noch ein paar Feinheiten.“ Und wir alle haben das Finale der deutschen Meisterschaften 2013 in Bamberg noch lebhaft in Erinnerung, als er sich gegen Timo Boll durchsetzen konnte. Auf der World Tour erreichte Mengel in Ungarn sogar einmal das Finale.

Prause ist überzeugt, dass der Erfolg von Steffen Mengel und sein Aufstieg in der Weltrangliste mit seiner Verletzungsfreiheit in den letzten Monaten zusammenhängen. Sind Verletzungen für den 1,95m großen Mengel generell ein Problem, ist er vielleicht sogar zu groß für den Sport?

„Ich glaube nicht, dass die Größe und der Körperbau generell ein Problem darstellen. Er hatte Pech mit Verletzungen in den verschiedensten Situationen. Während der EM 2009 in Stuttgart erlitt Mengel einen Sehnenriss, danach einen Bandscheibenvorfall und kurz nach seiner Rückkehr musste er das Training nach einer Knieoperation komplett aufgeben.  All das hat seine Entwicklung natürlich verzögert, und die längere Zeit, die der 26 jährige nun ohne Verletzungen trainieren konnte, hat seine Leistungskurve gewaltig verändert.“

Und Prause fügt hinzu: „Wir haben immer gewusst, dass Steffen ohne Verletzungspech gute Fortschritte auch in der Weltrangliste machen wird. Natürlich war der Sieg gegen Wang Hao eine Überraschung, aber es ist keine Überraschung, dass er im Turnier so weit gekommen ist.“

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Der Wille zum Sieg

Wenn man Steffen Mengel spielen sieht, fällt der Charakter von Steffen Mengel sofort auf. „Steffen ist ein Siegertyp, animiert durch den Wunsch große Turniere zu gewinnen.“ Sagt Richie Prause. „Er glaubt immer an seine Chancen und ist dafür bekannt, diese dann auch zu nutzen. Ihm ist egal ob er gegen die Nummer 1 oder 500 der Welt spielt, er will gewinnen. Und im Spiel versucht er nicht gut zu spielen, sondern hat immer nur den Sieg als Ziel.“ Als Spieler zieht Steffen Mengel seine Kraft auch aus dem Publikum und der Energie der Fans. „Für Steffen war die Kulisse im Heimatland eine große Unterstützung, die ihn zusätzlich motiviert hat.“

Sieger über drei Chinesen

Richard Prause erinnert sich. Neben dem großen Wang Hao besiegte Mengel bei den German Open noch Yu Ziyang und Zhou Kai aus dem Reich der Mitte. Die letzteren sind sicherlich noch keine Topspieler, aber drei Chinesen in einem Turnier zu besiegen, das war bis zuletzt Timo Boll vorbehalten, der bei seinem World Cup Sieg in Lüttich 2005 nacheinander Wang Liqin, Ma Lin und Wang Hao ausschaltete und das Turnier gewann.

Kraftvoll und ausgewogen

Für Richard Prause ist es leicht das Spielsystem von Steffen Mengel zu analysieren, er verfolgt die Karriere des Siegener Spielers bereits seit langer Zeit. „Steffen hat einen extrem guten Aufschlag und gute Antizipation. Er spielt ausgeglichen Gut auf Rückhand und Vorhandseite, ist sehr schnell und für seine Größe erstaunlich beweglich. So beweglich, dass er bei der Vorhand vor dem Körper noch immer Platzierungsoptionen durch Drehung des Oberkörpers hat. Gegen Wang Hao konnte Steffen die enorme Qualität in den Schlägen des Chinesen halten und erwidern.“ Steffen Mengel verwendet 2x Tenergy 05 auf dem Timo Boll ALC Holz.

Zurück nach Düsseldorf

Der Akteur des Bundesligateams von Frickenhausen lebt in Düsseldorf und trainiert dort regelmäßig mit der deutschen Mannschaft. Er ist ein Teil des Systems und profitiert von dem Privileg, mit den Besten zu trainieren, immer betreut von erstklassigen Trainern wie Helmut Hampl, Jörg Rosskopf, Zhu Xiaoyang oder Qiu Jianxin.

Der Deutsche Meister von 2013 hat bereits an den Weltmeisterschaften in Paris 2013 teilgenommen und in letzter Minute erreichte ihn auch der Ruf in das WM Aufgebot für Tokyo 2014, Mengel soll den verletzten Bastian Steger im Team ersetzen. Richard Prause dazu: „Steffen braucht noch Erfahrung auf diesem hohen Weltniveau.“ Zusammen mit Timo Boll, Dimitrij Ovtcharov, Patrick Baum und Patrick Franziska komplettiert er nun das deutsche Team und wird genau diese Erfahrungen sammeln können. „Er hat bereits gezeigt, dass er eine Option für die Zukunft ist.“

Steffen Mengel gegen Wang Hao :

https://www.youtube.com/watch?v=qShVugQAkVo

Steffen Mengel gegen Cho Eun Rae:

https://www.youtube.com/watch?v=3j7k-0nIo4c

Steffen Mengel gegen Jun Mizutani:

https://www.youtube.com/watch?v=OiJyAv5eNe8

Über den Autor

Hubert

He recently joined the Butterfly France team. Hubert, in addition to following high level table tennis for many years (and playing himself), as a journalist, he creates a lot of content. He is now the chief editor for Butterfly Mag. He is also the communication manager for Butterfly in France.

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