Ab Juli 2014 wird international mit den neuen „Plastikbällen“ gespielt, das Zelluloid hat ausgedient. Auch in der deutschen Tischtennis Bundesliga geht der Polyball nun an den Start. An der Basis ist teilweise die Besorgnis groß, es könnte zu einer großen Zäsur im Tischtennissport kommen. Sind die Unterschiede wirklich so gravieren? Wir haben die gefragt, die es wissen müssten.

Zum einen, unseren Experten in Sachen Tischtennis, den Chefcoach der Werner Schlager Academy, Richard Prause.

Werden die neuen Bälle akzeptiert? prause5

„Die letzte große Änderung bei den Bällen gab es ja bekanntlich im Jahr 2000 als von 38mm auf 40mm umgestellt wurde. Vor allem in der ersten Zeit war man sehr häufig auf Spekulationen angewiesen und es dauerte einige Monate, bis die Spieler sich mit dem neuen Ball anzufreunden begannen. Ähnliches erwarte ich auch beim Wechsel von Zelluloid auf Plastik.“

Wie heftig werden die Veränderungen?

„Ich möchte einmal wagen, mich etwas aus dem Fenster zu lehnen. Meine Eindrücke nach den ersten Wochen des „Plastikzeitalters“: Tischtennis bleibt Tischtennis, die Guten werden sich schneller anpassen und das Unterste wird sicher nicht Zuoberst und Andersrum gekehrt werden.

Welche konkreten Veränderungen fallen dir auf?

„Einige Kleinigkeiten waren allerdings schon auffällig:

„Der Ball verliert schneller an Rotation und ist entsprechend etwas leichter zu blocken. Wird die Rotation allerdings maximal bleibt der Ball recht flach und es ist richtig schwer diesen Ball aktiv zurück zu spielen.“

„Durch den Verlust an Rotation bleibt der Ball auch etwas mehr über dem Tisch. Wo früher der Ball häufiger „halblang“ wurde und man mit tiefem Schlagansatz mit Rotation Topspin spielen konnte, ist es jetzt wichtiger, den Schlagansatz höher anzusetzen, damit man mit dem Topspin besser über dem Tisch agieren kann.“

„Ich denke, es wird auch etwas leichter, durch den Verlust an Rotation Bälle anzuflippen, auch direkt auf den gegnerischen Aufschlag, der aus meiner Sicht auch etwas entschärft wird.“

„Schließlich wird es noch wichtiger sein, mit dem Körper und den Beinen in den Ball zu gehen, da der Ball etwas länger beim normalen Topspin oder beim Block in der Luft steht, also einmal mehr, einen Aufruf sich weiter intensiv der Athletik zu widmen um die Vorwärtsbewegung weiter zu verbessern.“

„Spätestens bei den Czech-Open Ende August haben wir dann ja eine erste Rückmeldung auf europäischer Ebene. Die Halbfinal- und Finalspiele in der chinesischen Superliga wurden ja auch mit Plastik gespielt (sogar mit zweifarbigen Bällen) und das Level und die Qualität waren auf sehr hohem Niveau. Das zeigt wie schnell sich die besten Spieler auf das neue Material eingestellt haben.

Wie gesagt, dies sind im Augenblick erste Eindrücke und ich halte Euch auf dem Laufenden was die nächsten Wochen und Monate für Entwicklungen bringen. Da kann es z.B. auch eine Rolle spielen, ob die Bälle noch etwas härter werden und in welcher Qualität die Großproduktionen anlaufen. Einmal mehr freuen wir uns auf eine neue Saison mit dem ersten Höhepunkt auf europäischer Ebene bei den Europameisterschaften in Portugal, wo natürlich auch mit dem Plastikball gespielt wird.   In der deutschen Tischtennis Bundesliga geht man die Sache ähnlich professionell an. Dort wird in der aktuellen Saison auch mit dem neuen Plastikball gespielt .“

Danny Heister, Cheftrainer beim Rekordmeister Borussia Düsseldorf, sieht der Entwicklung gelassen entgegen:

Danny HEISTER

Danny HEISTER

„Wir haben uns nicht speziell auf den Plastikball vorbereitet, ab Juli wurde ganz normal im Training auf den neuen Ball umgestellt. Auch der Trainingsablauf und –Schwerpunkt bleibt der Gleiche, jeder Spieler arbeitet weiterhin an seinen individuellen Stärken und Schwächen. Bei der Umstellung sitzen alle im gleichen Boot und ich denke, dass wir uns gut anpassen können.“

Wird sich viel verändern?

„Die Spieler sind ab und zu unsicher, weil der ein oder andere Ball noch verspringt. Die ersten Bälle sind noch nicht so hart und rund, wie wir das bisher gewohnt waren. Das gleiche Problem gab es damals bei der Umstellung von 38mm auf 40mm Bälle, die Produkte der späteren Produktion waren dann deutlich besser. Die neuesten Bälle, die in der chinesischen Liga zum Einsatz kamen haben uns gezeigt, wohin die Reise gehen wird: Die waren richtig hart und sogar noch einen Tick schneller! Insgesamt halten die Bälle ein bisschen weniger Spin und im Kurz-Kurz Spiel scheinen sie noch ab und an auf dem Tisch zu „stehen“, aber das kriegen die Spieler schnell in den Griff. Eigentlich hat sich gar nicht so viel verändert.

Bei den Experten sorgt die Umstellung auf den Plastikball nicht für Kopfschmerzen. Die Spieler sind alle in der Umstellung oder haben die Umstellung bereits hinter sich und die Unterschiede sind nicht gravierend.

„Eigentlich hat sich gar nicht viel verändert.“

und

„Tischtennis bleibt Tischtennis“

sind Sätze, die wir als frühes Fazit im Kopf behalten können. Grund genug also, dem neuen „Polyball“ mit Neugierde und Vorfreude entgegen zu sehen.

Über den Autor

Seb

Sebastian begann mit dem Tischtennissport mit 11 Jahren und schaffte es bis in die 5. deutsche Liga. Aktiv im Profisport ist er dennoch: Seit 2011 arbeitet Sebastian als TV-Kommentator für die ITTF und berichtet Live von den großen internationalen Turnieren. Seit 2014 ist er Teil des Butterfly-Teams und arbeitet im Export und Marketing als Übersetzer und Lektor.

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4 Kommentare

    • Frank
      Frank

      Lieber René,

      vielen Dank für Deine Frage – bitte entschuldige die späte Antwort.

      Im Sponsoring-Bereich sind die Butterfly-Bälle bereits im Einsatz; sowohl bei Top-Vereinen als auch aktuell bei den GAC GROUP ITTF WORLD TOUR CZECH OPEN (dem ersten Turnier, welches in Europa mit neuen Bällen gespielt wird…).

      Was den Verkauf betrifft:
      Sowohl Menge als auch Qualität der bisher produzierten bzw. gelieferten Bälle entsprechen bis dato nicht unseren Anforderungen. Wir hoffen, dass dies bald der Fall sein wird und der Verkauf starten kann – vermutlich wird dies jedoch nicht vor Jahresende passieren
      Aktuell sehen wir unseren klassischen Zelluloid-Ball, der ja weiterhin zugelassen ist und häufig zum Einsatz kommt, als die beste Alternative für den Markt an.

  1. Milan

    Die Plastikbälle von *** sind praktisch unspielbar:
    – Ball klingt völlig anders
    – ist deutlich leichter
    – deutlich weniger Spin und mehr „Stehen bleiben“
    – Nachteile beim Aufschlag
    – Nachteile beim TopSPIN, v.a. Eröffnung und gefühlvolle Spins

    Man braucht auch an der Basis den gleichen Ball wie die Profis, keine ZWEIKLASSENgesellschaft!

  2. Adrian

    Plastikbälle mit und ohne Naht gibt es inzwischen von vielen bekannten Marken. Nicht jede Marke stellt den Ball selbst her, das ist klar. Die von Xushaofa, XIOM, Yinhe, Palio sind ohne Naht. Butterfly, DHS, Joola und Tibhar bietet Plastik-Tischtennisbälle mit Naht an (plastic with seam). Plastikbälle ohne Naht sind in der ITTF-Liste als „plastic seamless“ gekennzeichnet. Bisher sind mir sowohl positive als auch negative Testberichte zum Plastikball zu Ohren gekommen. Tatsache ist: Es geht in Richtung Plastik, auch wenn momentan noch nicht alle Tischtennisspieler vom Verhalten und vom Sound des neuen TT-Balls überzeugt sind. Mit der Zeit werden Qualität und Verfügbarkeit steigen und der Plastikball wird irgendwann Standard sein, und nicht weiter für Diskussionen sorgen. Gebraucht hätte man ihn meiner Meinung nach jedoch nicht.