Natürlich waren auch wir von Butterfly mit einem Team dabei und liessen uns die Medaillenjagd nicht entgehen. Für uns am EM-Ball war wieder Richard Prause und erfreute uns mit Beobachtungen, Kommentaren, Erkenntnissen. Doch vorab gönnen wir uns nochmal einen Blick auf das dramatische Finale. Viel Spass!

Review 5, 28. September
Richard Prause

Richard Prause

Zum ersten Mal seit 2005 …

… als in Aarhus Dänemark (im Finale gegen Österreich) gewinnen konnte, heißt der Tischtennis-Mannschafts-Europameister bei den Herren nicht Deutschland.

Portugal Europameister im Herren-Teamwettbewerb

Gastgeber Portugal setzte sich Sonntag Abend in der Meo-Arena von Lissabon gegen den Titelverteidiger in einem denkwürdigen Endspiel mit 3:1 durch und verwandelte die Halle in ein Tollhaus.

Marcos Freitas, Joao Monteiro und Tiago Apolonia konnten eine beeindruckende Leistung abrufen. Denkwürdig auch deshalb, weil Freitas Timo Boll (3:1) die erste und einzige Niederlage im Rahmen der Titelkämpfe zufügen konnte.

Freitas avancierte mit zwei Siegen (3:0 gegen Steffen Mengel und eben der Sieg gegen Boll) zum Matchwinner, aber auch Tiago Apolonias Erfolg über Dima Ovtcharov war definitiv nicht so zu erwarten.

Joao Monteiro (POR)

Joao Monteiro (POR)

Portugal ist ein verdienter Europameister, haben sich die Spieler Marcos Freitas, Tiago Apolonia und Joao Monteiro doch seit Jahren Stück für Stück an die ganz Großen herangearbeitet.

Alle bewiesen auch in kritischen Situationen nicht nur Klasse, sondern auch Nervenstärke. Zum Beispiel Monteiro als er seine Mannschaft in der Vorrunde gegen Österreich noch mit letzter Not vor dem frühen K.o. retten konnte.

Und mit dem Druck, zu Hause triumphieren zu wollen, so umgehen zu können, verdient ohnedies Applaus.

Großer Respekt auch an die DTTB-Auswahl!

Timo Boll

Timo Boll

Respekt muss man aber auch der DTTB-Auswahl zollen. Parick Baum musste kurzfristig aus tragischen Gründen die Reise nach Lissabon absagen, Dimitrij Ovtcharov konnte nach einer Zahn-OP erst verspätet anreisen und dann verletzte sich im letzten Vorrundenspiel gegen Portugal auch noch Patrick Franziska.

Unterm Strich also definitiv kein Drama aus deutscher Sicht. Silber ist kein Grund, die Köpfe hängen zu lassen.

Der Applaus der Stunde gehört aber diesmal eben Portugal. . .

 

Deutschlands Damen holen sich den Titel

Dass Deutschlands Damenteam Gold aus Lissabon mit nach Hause nehmen würde, war von allem Anfang an irgendwie absehbar.

Dass sich die Dominanz der DTTB-Auswahl aber in einem EM-Gesamtscore von 18:1 Matches niederschlägt, sollte dem Rest Europas schon eine gewisse Warnung sein. Nur Sabine Winter verlor ein – im Grunde bereits bedeutungsloses – Gruppenspiel gegen die Türkin Hu Melek.

Österreicherinnen nicht chancenlos

SHAN Xiaona (GER)

SHAN Xiaona (GER)

Auch im Endspiel war Österreich zu keinem Matchgewinn gekommen, in zwei Spielen diesem aber immerhin sehr nahe. Sowohl die in den letzten eineinhalb Jahren stark verbesserte Sofia Polcanova (gegen Shan Xiaona) als auch Liu Jia (gegen Han Ying) führten jeweils 2:0 in Sätzen ehe ihre Gegnerinnen aus Deutschland die Partien noch drehen konnten.

Unterm Strich steht aber zweifelsfrei eine deutsche Mannschaft, die kompakt, souverän und im Grunde unantastbar auftrat in Lissabon.

Die nächste Chance, sich Deutschlands Damen entgegen zu stellen bietet sich für die Herausforderinnen aus Europa in exakt einem Jahr, wenn in Ekaterinburg wieder eine „große“ EM mit den Individual- und Teamwettbewerben über die Bühne gehen wird.

Liebe Grüße

Euer Richie

 

Review 4, 27. September

Die Mannschafts-Europameisterschaft in Lissabon hat ihr Traumfinale

… zumindest aus der Sicht der Gastgeber. Portugal gg. Deutschland.

Portugal – Schweden

Joao_Monteiro

Joao_Monteiro

Portugal, in der Vorrunde gegen Österreich noch am Rande des vorzeiten K.O. fightete sich am heutigen Samstag auf sehenswerte Art und Weise ins Endspiel. Beim 3:1 gegen Schweden avancierten wieder Marcos Freitas (2 Siege) und Joao Monteiro zu Matchwinnern.

Monteiero stellte bei seinem Auftakterfolg gegen Kristian Karlsson ein weiteres Mal unter Beweis, dass er zu einem echten Führungsspieler innerhalb der portugiesischen Mannschaft gewachsen ist.

Auch als neutraler Beobachter freut man sich gerne mit den Hausherren über die tolle Stimmung. Denn an diesem Halbfinaltag präsentierten sich auch die Zuschauer aus Portugal in Bestform und sorgten für große Stimmung.

Deutschland – Kroatien

Andrej Gacina

Andrej Gacina

Dass Deutschlands Herren als Titelverteidiger und unumstrittene Nummer eins in Europa ins Endspiel kommen würden, kam nicht wirklich überraschend.

Zwar wurde die DTTB-Auswahl vor allem durch den bei dieser EM in großer Form auftretenden Kroaten Andrej Gacina der einen oder anderen Prüfung unterzogen.

Am Ende standen aber dann doch ein 3:1 und die Erkenntnis, auch ins Finale als Favorit zu gehen, wiewohl die Mannschaft von Bundestrainer Jörg Rosskopf am Sonntag Abend mit Sicherheit einen Hexenkessel zu erwarten hat.

Damenfinale: Deutschland – Österreich

Dass das EM-Turnier auf ein Damenfinale zwischen Titelverteidiger Deutschland und Österreich hinauslaufen würde, kam für Insider nicht ganz überraschend.

SHAN Xiaona (GER)

SHAN Xiaona (GER)

Deutschland tat sich im Halbfinale gegen Schweden (3:0) unter anderem auch deshalb so leicht, weil bei den Nord-Europäerinnen Einzel-Europameisterin Li Fen schon vor Beginn der Partie auf Grund einer Handgelenk-Verletzung passen musste. Aber selbst im Fall einer voll fitten Fen in Hochform wäre es an diesem Samstag kein leichtes gewesen, die DTTB-Damen zu knacken.

HAN Ying, SHAN Xiaona und Kolleginnen spielten im Rahmen dieser Europameisterschaften bisher gleichsam in einer eigenen Liga und gehen auch gegen die erstmals in einem EM-Mannschaftsfinale stehende Mannschaft aus Österreich als Favorit an den Tisch.

Wiewohl auch die ÖTTV-Auswahl gegen die bis zum Halbfinale überraschend gute Mannschaft Polens (3:1) einen sehr kompakten Eindruck hinterlassen konnte.

LIU Jia (AUT)

LIU Jia (AUT)

Dennoch: Gold für Österreich wäre nach den bisherigen Eindrücken und im Wissen, dass es bereits in der EM-Vorrunde einen nie gefährdeten 3:0-Erfolg Deutschlands gegen Österreich gab, doch eine satte Überraschung.

Andererseits weiß man auch: Ein Finale hat schon seine eigenen Gesetze . . .

L

iebe Grüße

Euer Richie

 

 

Review 3, 26. September

Die ersten Entscheidungen in Lissabon sind gefallen

Die Semifinalisten stehen fest – das heißt, man weiß, wer am Sonntag auf dem Siegerpodest seinen Platz haben wird.

Bleibt die Frage zu klären, wer ganz oben und wer daneben stehen wird . . .

Deutschland – Frankreich

Steffen Mengel

Steffen Mengel

Dass Deutschlands Herren bei der Siegerehrung dabei sein werden, ist nicht wirklich überraschend. Auch im Viertelfinale gegen Frankreich (3:0) gab es nie einen Zweifel.

Timo Boll agiert bis dato im Zuge der EM schlichtweg unantastbar, Steffen Mengel prolongierte seine Hochform der letzten Tage und ließ Frankreichs Nummer 1, Adrien Mattenet, keine Chance.

Und auch Dimitrij Ovtcharov – diesmal von Bundestrainer Jörg Rosskopf noch auf Position 3 aufgestellt – ist bei der EM in Lissabon endgültig angekommen.

Alexander Shibaev

Alexander Shibaev

Portugal – Russland

Portugals Traum vom ganz großen Wurf bei der Heim-Europameisterschaft lebt weiter. Im Viertelfinalthriller gegen Russland sah man das bislang wohl beste Spiel des Turniers ohne deutsche Beteiligung.

Marcos Freitas (2 Siege) und Joao Monteiro (1) verwandelten die Meo-Arena gleichsam in ein Tollhaus und sicherten dem Gastgeber (zumindest) die Medaille.

Vor allem zwischen Freitas und Alexander Shibaev entwickelte sich ein Spiel auf ganz großem Niveau, das schließlich Freitas mit 11:9 im 5. Satz für sich entscheiden konnte.

Jetzt kann das Turnier für die Hausherren neu beginnen.

Andrej Gacina (CRO)

Andrej Gacina (CRO)

Kroatien: Andrej Gacina top

Ich möchte heute auch noch die Leistung von Andrej Gacina erwähnen, der sich step by step der absoluten Weltklasse annähert und bislang eine große EM spiel.

Im Viertelfinale konnte er immerhin auch Vladimir Samsonov in die Schranken weisen  und damit (nebst seinem Sieg gegen Platonov) den Grundstein zum Semifinaleinzug Kroatiens legen konnte.

 

Schweden wieder Appetit auf Edelmetall

Und noch ein Wort zu Schweden. Dass sich die einst große bzw. größte Tischtennis-Nation nach einer längeren Durstrecke am Freitag sowohl bei den Herren als auch bei den Damen in die Medaillenränge fightete, ist ein nettes Zeichen dafür, dass man in Schweden alles versucht, um an die großen Zeiten von einst anzuschließen. Vor allem Kristian Karlsson spielt sich immer tiefer in die Elite hinein.

 

Semifinale: Deutschland gg. Schweden – das wird (k)eine Gaudi

Matilda Ekholm (SWE)

Matilda Ekholm (SWE)

Bei den Damen gab sich Deutschland auch im Viertelfinale gegen die Niederlande nicht den Hauch einer Blöße (3:0) und bekommt es im Semifinale mit den bärenstarken Spielerinnen aus Schweden zu tun, wo nicht nur die regierende Einzel-Europameisterin Li Fen im Team steht.

Im Viertelfinale gegen Vorjahresfinalist Rumänien avancierte nämlich Matilda Ekholm zur großen Matchwinnerin. Sie eröffnete nicht nur mit einem 3:0 gegen die zuletzt immens starke Elisabetha Samara, sondern hatte im Schlusseinzel auch die Nerven gegen Li-Fen-Bezwingerin Bernadette Szoczs zu bestehen. Der Jubel im schwedischen Team war dementsprechend.

Und ähnlich konnte auch Österreich feiern, das in der Geschichte des Verbandes die erste Damenteam-Medaille bei einem internationalen Großereignis gewinnen konnte. Im Viertelfinale gegen Ungarn gab es ein 3:1 und im Halbfinale baut sich Polen auf, das Weißrussland überraschend klar aus dem Rennen um Edelmetall nahm (3:0).

Die Liste der Herausforderer von Titelverteidiger Deutschland ist also überschaubar geworden, an der Favoritenstellung der DTTB-Auswahl hat sich aber bis dato nichts geändert . . .

Liebe Grüße

Euer Richie

 

Review 2, 25. September

Turbulenzen gemeistert

Der Mannschafts-Europameisterschaft in Lissabon ist aus der Sicht der Veranstalter das worst-case-Szenario also erspart geblieben.

Robert Gardos (AUT)

Robert Gardos (AUT)

Spannend: Portugal – Österreich

Im letzten Gruppenspiel gegen Österreich durfte aus der Sicht der Gastgeber Portugal alles passieren, um ins Viertelfinale aufzusteigen, außer . . .

. . . ein 0:3. Dann wäre Österreich hinter Deutschland Zweiter in Gruppe A und der Gastgeber aus dem Medaillenrennen gewesen.

1:0 für Österreich (Gardos – Freitas 3:0)

2:0 für Österreich (Habesohn – Apolonia 3:2)

Joao Monteiro (POR)

Joao Monteiro (POR)

 

Dann ging es im letzten Match zwischen Chen Weixing und dem seit Jahren in Wien-Schwechat lebenden und in der Werner Schlager Academy trainierenden Joao Monteiro auch noch in den fünften Satz.

Doch  der Linkshänder aus Portugal behielt die Kontrolle über seine Nerven und fixierte in einem hochklassigen Match den vielumjubelten Aufstieg seiner Mannschaft.

Gute Voraussetzung also dafür, dass die Stimmung in der Meo-Arena auch weiter bestens bleibt . . .

Dramatisch: Deutschland – Ungarn

Deutschlands Herren haben trotz aller Widrigkeiten nach wie vor alles fest im Griff. Wiewohl der zweite Wettkampftag gleichsam mit einem Schock begann.

Patrick Franziska

Patrick Franziska

Patrick Franziska knickt gegen Joao Monteiro um und gewann zwar noch das Spiel (3:2), kann im Laufe des Turniers aber wohl kaum mehr eingesetzt werden.

Wie gut, dass der regierende Einzel-Europameister Dimitrij Ovtcharov gerade noch rechtzeitig in der Meo-Arena eintraf, um noch am Abend gegen Adam Pattantyus sein EM-Debüt 2014 geben (und gewinnen) zu können.

Deutschland gewann also am zweiten Vorrundentag gegen Gastgeber Portugal 3:1 und gegen Ungarn 3:0 – jetzt ist auch noch Dimitrij Ovtcharov rechtzeitig in Lissabon eingetroffen. Noch Fragen, wer erster Goldanwärter bei dieser EM ist?

Deutsche Damen: Beste Chancen auf den Titel

Bei den Damen gibt es nach den Eindrücken in den Vorrundenpartien kein langes Hin und Her. Deutschland hat allerbeste Chancen, sich ein Jahr nach den Titelkämpfen in der Werner Schlager Academy bei Wien erneut den Titel zu sichern.

Irene_Ivancan_Medium

Irene Ivancan (GER)

Han Ying, Shan Xiaona, Petrissa Solja und die gegen die Türkei erstmals eingesetzten Irene Ivancan und Sabine Winter haben in den bisherigen drei Spielen nur in bedingtem Maße Gegenwehr zugelassen.

Der Weg zu Gold führt also über die DTTB-Auswahl und als erster Herausforderer hat sich nach dem Fehlstart gegen Tschechien (2:3) Schweden mit der regierenden Einzel-Europameisterin Li Fen herauskristallisiert. Denn: Mit Matilda Ekholm verfügt Schweden jetzt auch über eine bärenstarke Nummer zwei. Im Laufe des Turniers hat sie immerhin schon Topspielerinnen wie Viktoria Pavlovich, Margaryta Pesotska und Tetyana Bilenko auf ihrer Abschussliste.

Das Finale werden Deutschland und Schweden allerdings nicht bestreiten. Wie die Auslosung ergab käme es bereits im Semifinale zu Aufeinandertreffen Deutschlands (im Viertelfinale gegen die Niederlande) und Schwedens (gegen Rumänien ohne die noch nicht einsatzfähige Daniela Dodean).

Liebe Grüße

Euer Richie

Review 1, 24. September

Deutschland und Portugal auf Kurs

Es wurde viel spekuliert im Vorfeld der Mannschafts-Europameisterschaft in Lissabon. Wird Deutschlands Herrenmannschaft die Ausfälle von Patrick Baum und Dimitrij Ovtcharov (der zumindest bis Mittwoch Abend noch nicht in Lissabon eingetroffen war) tatsächlich wegstecken können?

Timo Boll

Timo Boll

Geht es nach den Eindrücken des ersten Spieltages ist der Titelverteidiger auf Kurs. Ein glänzend aufgelegter Timo Boll führte die DTTB-Auswahl im Eröffnungsspiel gegen Österreich mit zwei ungefährdeten Siegen über Daniel Habesohn (3:0) und Robert Gardos (3:1) zu einem 3:1-Erfolg, wobei sich lediglich Patrick Franziska (0:3 gegen Gardos) noch nicht in Goldform präsentieren konnte.

Aus der Sicht der Gastgeber (und damit auch aus der Sicht der Veranstaltung) verlief Tag 1 ebenfalls wunschgemäß. Marcos Freitas, Tiago Apolonia und Joao Monteiro gaben sich in ihrem Eröffnungsmatch gegen Ungarn keine Blöße und spielten sich mit einem 3:0 gleich ein wenig warm für die „heißen“ Vorrundenduelle gegen Deutschland und Österreich am Donnerstag.

Schon konnte man ein wenig erahnen, welche Stimmung sich hier in der Meo-Arena im Laufe dieser EM noch aufbauen könnte, wenn die Hausherren so lange wie möglich auf Medaillenkurs segeln. Wiewohl die Zuschauerresonanz noch Luft nach oben ließ, kam – offenbar auch auf Grund einer tollen Hallenakkustik – schon so etwas wie Ländermatch-Stimmung auf beim 3:0 Portugals.

Griechische Herren mit Fehlstart

Der Titelverteidiger und der Gastgeber starteten also erfolgreich in die Team-EM.

Griechenland legte hingegen einen klassischen Fehlstart hin. Entlockte der Vize-Europameister des Jahres 2013 dem Pulblikum der Werner Schlager Academy im letzten Jahr noch einen Beifallssturm nach dem anderen, überraschte er hier gegen Spanien mit einem in dieser Form nicht erwartbaren 0:3. Dabei besiegte auch der scheinbar nimmermüde He Zhiwen den Wahldüsseldorfer Panagiotis Gionis.

Ungarinnen mit Überraschungsstart

Bei den Damen ragte am Eröffnungstag das 3:1 Ungarns gegen die Niederlande heraus. Dabei nahm eine groß aufspielende Dora Madarasz (3:2 gegen Li Jiao) eine tragende Rolle ein.

Donnerstag Abend werden die ersten Entscheidungen bereits gefallen sein. Dann wird fest stehen, wer den Weg ins Viertelfinale geschafft hat und wer im Laufe der restlichen EM noch kleinere Brötchen backen wird müssen.

Wobei es auch für die Nicht-Viertelfinalisten noch um einiges gehen wird. Platz 14 in Lissabon berechtigt zur Teilnahme am Teambewerb der 2015 in Baku erstmals zur Austragung kommenden European Games. Es lohnt sich also gegebenenfalls die Enttäuschung schnell weg zu stecken und weiter zu fighten. Schließlich haben die „European Olympic Games“ ja auch ihren Reiz . . .

Liebe Grüße

Euer Richie

Preview 3, 24. September

Timo Boll: „Wir haben noch immer das Team, um Gold zu holen“ — Deutschlands Gegner wittern Morgenluft

Richard Prause

Richard Prause

Ja, es ist halt so eine Sache, das mit den Prognosen in der Welt des Sports. Heute schon zu sagen, wer morgen gewinnen wird.

Auch im unmittelbaren Vorfeld der Mannschafts-Europameisterschaft in der Meo-Arena in Lissabon ist viel passiert. Sehr viel.

Deutschland nur mit 3 Spielern angereist

Bei den Herren ist Titelverteidiger und Goldfavorit Deutschland nur mit drei Spielern angereist. Patrick Baum musste aus traurigen privaten Gründen kurzfristig seine Reise nach Portugal absagen und auch Einzel-Europameister Dimitrij Ovtcharov hat seinen Fuß noch nicht in die Halle gesetzt. Er reist dem DTTB-Team möglicher Weise aber noch nach sollte sich die Situation um seine Weisheitszähne zum Guten wenden.

Und? Deutschlands Goldträume sind damit geplatzt?

Nein, warum? Timo Boll brachte es in Interviews im Vorfeld auf den Punkt:

„Wir haben noch immer das Team, um Gold zu holen.“ Fürwahr – und dennoch wittern die Gegner jetzt möglicher Weise Morgenluft.

Portugal fit und topmotiviert — Österreich ersatzgeschwächt

Vor allem Gastgeber Portugal sieht mit seiner bis zuletzt fitten und bis unter die Haarspitzen motivierten „Einser-Garnitur“ Freitas, Apolonia und Monteiro die historische Chance, ganz Großes zu erreichen. Noch dazu, wo der Gang Portugals durch die Vorrundengruppe A (mit Deutschland und Ungarn) auch durch einen Ausfall im österreichischen Team etwas erleichtert wurde. Beim ÖTTV muss man auf den zuletzt bärenstarken Stefan Fegerl wegen einer schweren Virusinfektion höchstwahrscheinlich verzichten. Die Chance, dass er dem Team nach rund einwöchiger Bettlägrigkeit noch nachreisen kann und wird, tendiert derzeit gegen Null.

Neue ETTU-Regel ein Eigentor?

Eine Frage stellt sich vor EM-Beginn natürlich schon auch noch. Hat sich die ETTU mit der neuen Regel, wonach kurzfristig kein Ersatzspieler mehr nominiert werden darf, nicht ein Eigentor geschossen? Im Fokus sollten doch immer spannende Wettkämpfe stehen. Nicht auszudenken, wenn ein bereits ersatzgeschwächtes Team wie Deutschland oder Österreich einen weiteren Ausfall zu verzeichnen hätte? Mit zwei Spielern darf eine Mannschaft (wiewohl es auch zu zweit natürlich möglich wäre) nicht antreten. Das kann nicht im Sinne des europäischen Verbandes und des Sports sein.

Viel ist also bereits passiert bevor der erste Ball geschlagen wurde.

Auch der Boden, der in der imposanten Meo-Arena verlegt wurde, führte beim ersten Hinsehen bei vielen zu heftigem Kopfschütteln, weicht er doch auch aufgrund seiner kachelförmigen Verlegungsweise um einiges vom gewohnten Boden ab

Turbulenzen im Vorfeld hin, Boden und Bälle her. Dazu der Umstand, dass die Raumtemperatur im Catering-Bereich eher an einen Saunagang erinnert und dass vor allem hinter der Zuschauer-Kulisse ein großes Fragezeichen steht – die EM kann losgehen und ich hoffe, wir sehen guten Sport. Und spannende Spiele

. . .

Liebe Grüße

Euer Richie

 

 

Preview 2, 20. September

Bleiben Deutschlands Herren auf Europas Thron sitzen?

Die Wartezeit ist vorbei – es geht los in Lissabon und eine Frage drängt sich natürlich noch auf vor Beginn der Mannschafts-Europameisterschaft: Bleiben Deutschlands Herren auf Europas Thron sitzen?

Seit der EM in Belgrad 2007 ist die DTTB-Auswahl die klare Nummer eins auf dem Kontinent und die Suche nach den erst zu nehmenden Herausforderern ist – ehrlich gesagt – enden wollend.

Ich wage hiermit auf jeden Fall eine erste Prognose. Der Mannschafts-Europameister 2014 bei den Herren kommt aus Vorrundengruppe A, wo mit Deutschland, Gastgeber Portugal und dem WM-Fünften Österreich drei „Kracher“ versammelt sind.

Joao Monteiro

Joao Monteiro

Portugal

Vor allem Portugal ist heiß. Schon mehrmals hat man dieser Mannschaft den ganz großen Erfolg zugetraut.

Die Entwicklung von Marcos Freitas und Tiago Apolonia ist eine höchst erfreuliche. Dazu Joao Monteiro als Routinier, der bei Big Events immer seine optimale Leistung abrufen kann.

Einzig offen bleibt im Vorfeld die Frage, ob der Umstand zu Hause zu spielen – und auch dafür gibt es in der Vergangenheit ja genug Beispiele – nicht doch (zu) viel Druck erzeugt?

Russland

Alexander Shibaev

Alexander Shibaev

Als nächsten Herausforderer Deutschlands würde ich Russland mit Spitzenspieler Alexander Shibaev nennen. Wenn bei Russland ein Rad ins andere greift, ist diesmal sicher auch viel drinnen.

Und sonst?

Ob Griechenland das Husarenstück von 2013 (Team-Silber) wiederholen kann, wage ich doch eher zu bezweifeln, wiewohl Panagiotis Gionis seit damals zu einem echten Führungsspieler, dem noch dazu sein Wechsel zu Borussia Düsseldorf zweifelsfrei gut getan hat, gewachsen ist.

Und: Ein Kalinikos Kreanga kanns immer noch . . .

Panagiotis GIONIS (GRE)

Panagiotis GIONIS (GRE)

Weißrussland

Möchte ich abschließend noch Weißrussland mit dem niemals müden Spitzenspieler Vladimir Samsonov und Kroatien (wenn die Mannschaft um Gacina und Tan Ruiwu gut ins Turnier kommt) erwähnen.

Bei den Damen ist aus meiner Sicht ebenfalls Deutschland erster Anwärter auf Gold und auch hier ist die Suche nach „wahren“ Herausforderern für die Titelverteidiger von 2013 gar nicht so leicht.

Österreich

Österreich? Warum nicht? Mit Liu Jia, Amelie Solja, Sofia Polcanova und Li Qiangbing hat man eine routinierte und gut „durchgemischte“ Mannschaft, die für alle Gegnerinnen unangenehm sein kann.

LIU Jia (AUT)

LIU Jia (AUT)

Redet man bei den Damen über Gold würde ich danach aus derzeitiger Sicht nur mehr die Niederlande und Rumänien erwähnen.

Niederlande

Bei den Holländerinnen sehe ich Li Jiao als Fels in der Brandung.

Dazu kehrt Li Jie nach ihrer Babypause in die Mannschaft zurück und Britt Eerland hat jüngst bei der Team-WM in Tokyo gezeigt, dass sie inzwischen mit den Großen mitspielen kann.

Elizabeta Samara

Elizabeta Samara

Und nicht zuletzt Rumänien

Rumänien muss in erster Linie auf die zuletzt in Hochform agierende Elisabetha Samara (Sieg bei Tschechien-Open) und darauf bauen, dass der Ausfall der nach ihrer Knie-OP noch rekonvaleszenten Daniela Dodean kompensiert werden kann.

Es geht los, ich freue mich . . .

Liebe Grüße

Euer Richie

 

Preview 1, 19. September

Liebe Tischtennisfreunde,

es ist wieder so weit. Ein Jahr nach den kontinentalen Titelkämpfen in der Werner Schlager Academy in Wien-Schwechat geht es diesmal bei der Mannschafts-Europameisterschaft in Lissabon um Edelmetall.

Richie Prause

Richie Prause

Und, ein Jahr nach der DTTB-Gala, bei der Dimitrij Ovtcharov seinen ersten großen internationalen Einzel-Titel gewinnen und sowohl die deutschen Herren als auch die deutschen Damen Mannschaftsgold erringen konnten, geht es auch darum, ob Deutschland wieder das Maß aller Dinge in Europa ist.

Nun, wie stehen die Vorzeichen?

Eine erste wichtige Vorentscheidung fällt bereits in der Montag beginnenden Vorrunde, kommt es in Vorrundengruppe A doch zum Aufeinanderprall von Gastgeber Portugal, Titelverteidiger Deutschland und Österreich, das gleich im ersten Spiel der Herren-Session am Montag Nachmittag in der Championship Division Deutschland fordern möchte.

Klar, Deutschland und Portugal sind in dieser Gruppe zu favorisieren und vielleicht wird damit wirklich gleich das Endspiel vorweg genommen, aber auch Österreich darf man nicht ganz außer Acht lassen. Als Fünfter der letzten Team-WM in Tokyo gehört Österreich sicher zu jenen Ländern, die auch in Lissabon vorne mitspielen können. Irgendwie schade, dass schon nach der Vorrunde einer dieser drei Top-Mannschaften aus dem Medaillenrennen ausscheiden muss.

SHAN Xiaona

SHAN Xiaona

Wie auch immer: Mit Dimitrij Ovtcharov, Timo Boll und Kollegen geht die Mannschaft von Jörg Rosskopf ebenso auf Gold los wie die DTTB-Damen, angeführt von Han Ying und Shan Xiaona.

Ein Big Player in Lissabon wird möglicher Weise auch der neue Ball sein. Bei den ersten mit dem neuen Plastikball gespielten Events kam es schon zu durchaus bemerkenswerten Resultaten. So hat bei den Tschechien-Open Mathias Karlsson gleich in Runde eins Vladimir Samsonov aus dem Turnier genommen. Aber auch Niagol Stoyanovs 4:3 gegen Europameister Ovtcharov bei den Belgien-Open fiel auf.

Letztlich bin ich aber überzeugt, dass sich auch in Lissabon wieder die Besten durchsetzen werden, aber ganz würde ich nicht ausschließen, dass sie das eine oder andere Mal vielleicht mehr als erwartet kämpfen müssen.

Der Hallenkomplex der Meo-Arena ist das Beste, das Portugal auf diesem Sektor derzeit zu bieten hat. Hier treten normaler Weise Weltstars wie Madonna oder Robbie Williams auf. Einem schönen Sportfest steht also nichts im Wege und ich hoffe, dass Portugals Zuschauer in Scharen in die Halle kommen.

Ich bin für Euch wieder vor Ort und werde Euch täglich berichten.

Liebe Grüße

Euer Richie

 

 

Über den Autor

Richard

Seit er mit 12 zum Tischtennis kam, lässt unsere Sportart ihn nicht mehr los. Erst als langjähriger Nationalspieler und später in logischer Folge als Trainer gibt er sein Wissen und Erfahrung an seine Spieler weiter. Zwischen 2000 und 2004 als Damen-Nationaltrainer und von 2004 bis 2010 als Herren-Nationaltrainer war er maßgeblich an den Erfolgen von Timo Boll und Co beteiligt. Seit 2010 arbeitet er als Headcoach an der Werner Schlager Academy und arbeitet hier auch als Experte für die ITTF. Schon viele Jahre gehört er zur Butterfly Familie und freut sich, zusammen mit Butterfly, den Tischtennissport weiter zu entwickeln.

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