Den Iraner Noshad Alamiyan  kennen inzwischen viele Fans durch seine meist spektakulären Showeinlagen während eines Matches. Die Schlaghand zu wechseln, daran haben sich Fans spätestens seit Timo Boll bereits gewöhnt, aber Noshad geht noch einen Schritt weiter – der Linkshänder spielt den Ballwechsel gerne auch mal mit Rechts zu Ende, ohne dabei Schlagqualität zu verlieren. Solche Showeinlagen, genau wie sein erstaunliches Ballgefühl und die Siege gegen Größen des Sports, wie Wang Liqin (CHN) oder Kenta Matsudaira (JPN) sind inzwischen das bekannte Markenzeichen des 23 Jährigen geworden. Weniger bekannt ist aber, dass er einen ähnlich sympatischen Bruder hat – dessen Leben ebenfalls mit dem Tischtennissport eng verwoben ist. Wir haben beide Alamiyan Brüder in der Werner Schlager Academy besucht und ihnen einige Fragen gestellt.

1.) Wie seid ihr zum Tischtennissport gekommen? Wer von euch hat zu erst angefangen?

Noshad: Ich habe zu erst angefangen Tischtennis zu spielen.

Nima: Unser Vater, der uns auch betreute, hat uns zum Tischtennis gebracht. Seit dem trainieren wir jeden Tag und jede Woche, um besser zu werden.

2.) Wer von euch ist der bessere Spieler? Wer gewinnt im direkten Duell? 🙂

Noshad: Manchmal gewinnt er, manchmal ich. Ich würde etwa sagen 50-50. In den Trainingsspielen hat er meist die Nase vorn.

Nima: Wir kennen unser Spiel inzwischen so gut, dass es keine Überraschungen mehr gibt.

3.) Wie läuft die Förderung talentierter Spieler im Iran?

Noshad und Nima - Stars aus dem Iran

Noshad und Nima – Stars aus dem Iran

Noshad: Die ITTF hat glücklicherweise viele Camps und Turniere für uns ausgerichtet und einen Vertrag mit der Werner Schlager Academy vermittelt, mit Hilfe von Afshin Badiee, dem Vizepräsidenten des asiatischen Tischtennis Verbandes. Durch die WSA habe ich meine bisher beste Platzierung in der Weltrangliste erreicht. Ich habe schon gegen Tang Peng und Wang Liqin gewonnen. Mein Highlight bisher war das Erreichen der Runde der letzten 32 bei den Olympischen Spielen 2012 in London, wo ich gegen Timo Boll spielen durfte.

Nima: Unser Vater und die Familie haben uns immer unterstützt. Für den Verband ist es nicht leicht viele Spieler in einem so großen Land wie dem Iran zu fördern, die jungen Spieler müssen daher von ihren Familien unterstützt werden. Aber es gibt viel Support für die Nationalmannschaft, während die jungen Spieler bei der „ITTF Hopes“ Kampagne teilnehmen.

4.) Wer sind eure Vorbilder und wer war es früher?

Noshad: Früher hatte ich ehrlich gesagt nie ein Vorbild. Heute würde ich Kalinikos Kreanga nennen.

Nima: Mein Vorbild ist Ma Long!

5.) Welche Beachtung und welchen Stellenwert hat euer Sport im Iran? Ist Tischtennis als reiner Profisport dort betreibbar?

Noshad: Tischtennis ist sogar recht bekannt im Iran, es gibt viele Vereine und Mannschaften und die Beliebtheit steigt. Sogar internationale Stars wie Chen Chien-An, Huang Sheng-Sheng oder Segun Toriola spielen in unserem Land, zusammen mit starken Chinesen und Nordkoreanern. Wir hoffen, dass wir in Zukunft mit diesem Leistungslevel weitermachen können und eine starke Iranische Liga aufbauen können.

Nima: Auch im Iran kann man seinen Lebensunterhalt vom Tischtennis bestreiten. Der Sport hat bei uns eine lange Tradition und das Grundniveau der Spieler ist schon jetzt relativ hoch.

6.) Wie sieht die Nachwuchssituation/Förderung zzt aus? Wer wird der neue Star im Iran?

Noshad: Die ITTF unterstützt uns so gut wie möglich. Ich durfte damals durch das „Hopes Program“ gehen, besonders die Älteren haben auch die Möglichkeit an Camps und Kursen teilzunehmen. Für die Jüngeren sind wir auf die Unterstützung der Familien und Eltern angewiesen. Mein Vater hat mir zum Beispiel Tischtennis beigebracht und bei unserem Hoffnungsträger Pourya Omrani verhält es sich ebenso.

Wir könnten uns weiter verbessern, wenn es weitere finanziellen Mittel gäbe und unsere Spieler die Möglichkeit hätten, auf internationalen Turnieren verstärkt aufzutreten. Dann können wir unser Potential zeigen.

7.) Welches war euer bestes Spiel und euer größter Erfolg?

Noshad: Mein größter Erfolg war beim Asian Cup 2013 – und das Erreichen der Runde der letzten 32 bei den Olympischen Spielen. Und ich kann mich noch gut daran erinnern, als ich den Japaner Kenta Matsudaira bei der Jugend WM schlagen konnte. Das war das erste Mal, dass mein Auftritt viel Beachtung bei den Medien fand.

Nima: Die Qatar Open, ich glaube vor 5 Jahren, liefen sehr gut für mich.

8.) Ihr habt viele Fans auf der Welt und wart bei vielen Turnieren am Start – wo hat es euch bisher am besten gefallen?

Noshad: Hier in der Werner Schlager Academy, der beste Ort für Training und Vorbereitung. Die Trainingscamps in China sind auch nicht so schlecht ..

9.) Wie würdet ihr eure spielerischen Stärken beschreiben – was könnt ihr am besten?

Noshad: Mein bester Schlag ist die Rückhand, und vielleicht mein Aufschlag. Ich werde oft gefragt ob ich Links- oder Rechtshänder bin (lacht). Ich kann beidseitig ganz gut mit dem Ball umgehen und mir macht es Spaß für Unterhaltung zu sorgen.

Nima: Meine Stärken liegen im Aufschlag, der Vorhand und im Topspin-Topspin Spiel. Ich spiele besser als meine ITTF Platzierung vermuten lässt, wenn ich mein Spiel entfalten kann. Natürlich gibt es noch viel zu optimieren!

10.) Welche Hobbys habt ihr neben Tischtennis?

Noshad: Ich spiele gerne Fußball!

Nima: Ich auch, aber auf der Playstation. (lacht)

11.) Welche Ziele habt ihr euch für die Zukunft gesetzt?

Noshad: Wir wollen bei den großen Turnieren (WM und Olympia) eine gute Leistung zeigen. In Tokyo 2014 haben wir zb gegen Italien gewonnen und gegen Indien verloren, und sind durch das Satzverhältnis nicht so weit gekommen, wie wir es uns vorgenommen hatten. Trotzdem sind wir nah dran unter den besten 24 Nationen der Welt zu sein. Dafür wollen wir weiter arbeiten – bei Olympia zu spielen ist natürlich auch ein großes Ziel.

Nima: Mein Ziel ist es in die Top 100 der Weltrangliste zu kommen.

12.) Gibt es etwas, dass ihr euren Fans mitteilen möchtet?

Noshad: Ich möchte mich herzlich für eure Unterstützung bedanken! Wenn ihr Tischtennis liebt – immer fleißig trainieren!

Nima: Immer !

Wer die beiden Brüder und ihr herausragendes Ballgefühl bei der WM in Paris in Action erleben möchte, dem sei diese Video ans Herz gelegt.

Über den Autor

Seb

Sebastian begann mit dem Tischtennissport mit 11 Jahren und schaffte es bis in die 5. deutsche Liga. Aktiv im Profisport ist er dennoch: Seit 2011 arbeitet Sebastian als TV-Kommentator für die ITTF und berichtet Live von den großen internationalen Turnieren. Seit 2014 ist er Teil des Butterfly-Teams und arbeitet im Export und Marketing als Übersetzer und Lektor.

Verwandte Artikel

Ein Kommentar

  1. René

    Sehr beeindruckend wie die beiden iranischen Brüder es auf das Niveau geschafft haben. Ich vermute, daß dies ohne Butterfly so nicht möglich gewesen wäre. Es wäre toll, wenn der Tischtennissport im Iran weiter vorankommt und wir auch allgemein weitere Überraschungen durch „Underdogs“ erleben. Das gibt dem Sport eine wichtige Facette wie z.B. vor kurzem die Matches des Nigerianers Quadri Aruna beim Mens World Cup 2014 (Sorry, kein Schmetterling 😉 ).