Als Timo Boll mit 4 Jahren zum ersten Mal einen Schläger in die Hand nahm, hätte er nie zu träumen gewagt, dass er eines Tages zu den besten Tischtennisspielern aller Zeiten zählen würde. Nun sind seit dem 29 Jahre vergangen und Timo hat einen weiteren Meilenstein seiner Karriere erreicht. Stand September 2014 ist er 10 Jahre in den Top 10 der Weltrangliste.

Von Romina Concha S. | Europe and Americas Editor | tabletennista.com  | Adaption:  Sebastian Hallen

Zum ersten Mal schaffte  Timo den Sprung im Jahre 2002, musste im Folgejahr jedoch aufgrund einer Rückenverletzung eine tiefere Platzierung in Kauf nehmen.

Der Europameister gab sich jedoch nicht geschlagen und errang im September 2004 wieder eine Platzierung unter den besten 10 Spielern der Welt. Die folgenden 10 Jahre sind sicherlich die erfolgreichsten in Bolls Karriere, er gewann die meisten seiner World Tour-, sowie Europameister-, Weltmeister und Olympiatitel in dieser Zeit.

..in Vergangenheit ..

 

Timo Boll - success in 2004

Timo Boll – Erfolge in 2004

Nach dem schwierigen Jahr 2003 sammelte Boll 2004 zunächst World Tour Titel: Austrian Open, German Open und Polish Open konnte er für sich entscheiden, außerdem führte er Deutschland ins Finale der Team WM in Katar. Seine Form konnte er 2004 bei den Olympischen Spielen jedoch nicht bestätigen, als er im Viertelfinale einer weiteren Tischtennis-Legende zum Sieg gratulieren musste: dem damals bereits 39 jährigen Jan-Ove Waldner.

2005 war ein durchwachsenes Jahr für den Hessen. Er sammelte 2 World-Tour Siege in Schweden und Japan, musste jedoch bei den Europa- und Weltmeisterschaften frühe Niederlagen kassieren. Im Jahresverlauf zeigte der Trend dennoch aufwärts: Er gewann den World Cup in Lüttich, wo er innerhalb des Turnierverlaufs die drei stärksten Chinesen ihrer Zeit hintereinander schlagen konnte. Wang Liqin, Ma Lin und im Finale: Wang Hao. Zum Abschluss krönte Boll sich noch mit dem ersten Platz bei den World Tour Grand Finals.

Ein weiteres Jahr zog ins Land: 2006 gewann Boll drei World Tour Turniere, in Polen, Deutschland und China. Als Spitzenspieler der deutschen Nationalmannschaft erreichte Boll den dritten Platz bei der Mannschaftsweltmeisterschaft in Bremen und sammelte den dritten Titel beim Europe Top 12, den er jedoch 2007 nicht verteidigen konnte. Sensationell jedoch war sein 3-fach Sieg bei den Europameisterschaften, Timo Boll gewann im Einzel, Doppel und mit der Mannschaft Gold.

World Cup Champion in 2005

World Cup Champion in 2005

2008 kam es dann zum ersten Olympischen Edelmetall für den Odenwalder. Zusammen mit Christian Süß und Dimitrij Ovtcharov gewann er Silber mit der Mannschaft in Beijing, während er im Einzel an Veteran Oh Sang Eun aus Korea im Achtelfinale scheiterte. Dafür sammelte er weiter fleißig Titel auf der World Tour: Boll gewann die Polish Open und Austrian Open.

.. Gegenwart ..

2010 war das Eröffnungsjahr der Rivalität an der Spitze zwischen Deutschland und China. Im Finale der Team WM in Moskau besiegte Boll zwar Ma Long, musste dem chinesischen Team aber am Ende die Goldmedaille anerkennend zusprechen. 2010 begann Boll seine Auftritte auf der World Tour aus Rücksicht auf seine Verletzungsanfälligkeit zu reduzieren – er gewann lediglich die Japan Open noch einmal.

Im Folgejahr 2011 machte sich seine Abwesenheit auf der World Tour mehr und mehr bemerkbar. In Qatar und bei den German Open erreichte er das Finale. Der deutsche verbrachte weniger Zeit auf der World Tour, um sich dafür intensiver auf die großen Turniere vorbereiten zu können. Diese Entscheidung zeigte direkte Resultate: nur wenige Monate danach erfüllte sich Boll seinen Traum von einer Medaille bei einer Weltmeisterschaft. In Rotterdam gewann er nach gewonnenem Viertelfinale gegen Chen Qi Bronze. Bei den Europameisterschaften verteidigte er seine Titel im Einzel und mit der Mannschaft, beim World Cup erreichte er das Viertelfinale.

Bronze Medal in the World Championships 2011

Bronzemedaille bei der WM 2011!

Das Jahr 2012 war auf der World Tour wenig erfolgreich. In Japan, China und Deutschland musste er jeweils frühe Niederlagen hinnehmen. Jedoch war er pünktlich zu den Großereignissen, wie etwa der Mannschaftsweltmeisterschaft im heimischen Dortmund, wieder topfit. Mit der Nationalmannschaft kämpfte Boll sich bis ins Halbfinale durch und konnte erst von China gestoppt werden – Bronze! In London setzte sich Timos unglückliche Serie bei Olympischen Spielen jedoch fort: Im Achtelfinale unterlag er Adrian Crisan, gegen den er seit 2004 nicht mehr verloren hatte. Mit der Mannschaft erreichte man wieder das Finale und unterlag wieder dem Tischtennis-Platzhirschen China. Boll schaffte jedoch als einziger Spieler in den Olympischen Spielen ein Match gegen den Dreifach-Champion (Weltmeister, Olympiasieger, World Cup Sieger) Zhang Jike zu gewinnen. Seine Siegesserie setzte sich fort, gegen Ende des Jahres erreichte Boll Platz 2 beim World Cup in England und verteidigte erneut seinen Europameistertitel  – zum sechsten Mal.

Firm Part of the German National Team at WTTTC Tokyo 2014

Fester Teil der Deutschen Mannschaft bei der WTTTC Tokyo 2014

Für Timo Boll verlief das Jahr 2013 mit gemischtem sportlichen Erfolg. Bei der Einzel-WM in Paris erreichte er das Viertelfinale, unterlag jedoch Ma Long in einem hochklassigen Match. Auf der World Tour gelang es ihm in China und Deutschland unter die besten 16 zu kommen, eine Medaille erreichte er nur im Doppel: Mit Patrick Franziska in Berlin und mit Ma Long in Changchun. Im belgischen Verviers musste Timo seinem Teamkameraden Dimitrij Ovtcharov im Match um Platz 3 zum Sieg gratulieren. Diese Niederlage war allerdings schwerwiegender als angenommen. Mit der Bronzemedaille beim World Cup schob sich Ovtcharov in der Weltrangliste erstmals vor Timo Boll, und löste diesen damit seit mehr als 10 Jahren als Spitzenspieler Deutschlands ab.  Durch eine Verletzung konnte Boll ebenfalls nicht an der Europameisterschaft teilnehmen. Auch hier löste ihn Ovtcharov mit seinem ersten Titel im Einzel ab.

2014 schraubte Boll seine Teilnahme an internationalen Turnieren weiter herunter. Auf der World Tour fehlte er in diesem Jahr ganz. Erst im Europe Top 12 zeigte er sich international am Tisch, verlor dort allerdings erneut gegen Ovtcharov im Viertelfinale. Wieder einmal zeigte sich der Erfolg von Bolls reduziertem Turniereinsatz und der daraus resultierenden intensiven Vorbereitung auf Großevents: Bei der Mannschafts WM in Tokyo erreichte Deutschland mit dem Zugpferd Timo Boll wieder einmal das Finale gegen China.  Den Europameistertitel konnte „Team Germany“ im selben Jahr leider nicht verteidigen. In Lissabon unterlag man der Heimmannschaft Portugal in einem spektakulären Finalspiel knapp. Das letzte Einzel zwischen Timo Boll und Marcos Freitas ging verloren und brachte der Portugiesischen Mannschaft den Sieg. Voll in Form zeigte Timo sich beim World Cup vor heimischer Kulisse in Düsseldorf. Topfit und voll konzentriert spielte er sich bis ins Halbfinale, wo er gegen den späteren Sieger Zhang Jike hauchdünn verlor – sich später jedoch die Bronzemedaille sichern konnte.

..und Zukunft!

Timo Boll - going strong in 2014

Timo Boll – starke Vorstellung 2014

Wir blicken auf erfolgreiche 10 Jahre in der Karriere Timo Bolls – auf 10 Jahre, in denen er zum Hauptgegner gleich mehrerer Generationen chinesischer Spitzenspieler aufstieg – und auf 10 Jahre in den Top 10 der Weltrangliste.

Er ist jetzt 34 Jahre alt – ein Alter, in dem Jan-Ove Waldner oder Werner Schlager – Spieler mit denen Boll oft verglichen wird – sich bereits Weltmeister nennen durften.  Wer Timo kennt, weiß seinen Optimismus zu schätzen. Er wird sicher nicht aufgeben und weiter hart daran arbeiten einen der prestigeträchtigen Titel (Weltmeister, Olympiasieger) zu gewinnen. 2015 hat er dazu die nächste Gelegenheit – bei der Weltmeisterschaft im chinesischen Suzhou – gegen eine weitere Generation starker und junger chinesischer Spieler. Zu Olympia in Rio de Janeiro – 2016 – wird Boll dann 35 Jahre alt sein, möglicherweise sein letzter Einsatz bei den Spielen.

Aber das Alter war nie ein Hindernis für Timos Erfolge. Laut dem Chinesischen Nationaltrainer – und Tischtennisguru – Liu Guoliang erlebt Timo zur Zeit den zweiten Höhepunkt seiner Karriere – die perfekte Ausgangslage für den Gewinn der fehlenden Titel..

Über den Autor

Seb

Sebastian begann mit dem Tischtennissport mit 11 Jahren und schaffte es bis in die 5. deutsche Liga. Aktiv im Profisport ist er dennoch: Seit 2011 arbeitet Sebastian als TV-Kommentator für die ITTF und berichtet Live von den großen internationalen Turnieren. Seit 2014 ist er Teil des Butterfly-Teams und arbeitet im Export und Marketing als Übersetzer und Lektor.

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