Der Aufschlag von Kou Lei ist zu lang, Patrick holt aus, schwingt durch… Matchball verwandelt.

Patrick Franziska nach seinem Sieg

Patrick Franziska nach seinem Sieg

Viertelfinale! Der 22-jährige wirft die Arme hoch und dreht sich um zu Trainer Jörg Roßkopf, den es nicht mehr auf seinem Stuhl hält. Die Weltmeisterschaft 2015 in Suzhou war gewiss so etwas wie eine Reifeprüfung für Butterfly Star Patrick Franziska, die er mit Bravour bestanden hat. Auch wurde er als „Überraschungsfinalist“ betitelt, aber seine Leistungen im Turnierverlauf deuten auf alles andere als eine Überraschung hin.

Nach seiner komplizierten Fußverletzung sollte die WM mehr eine Standortbestimmung für den Weltranglisten 56. sein um zu prüfen, inwieweit er wieder belastbar ist und wie er spielerisch auf dem Topniveau mithalten kann.

 

Die ersten Runden

So begann die Weltmeisterschaft in Suzhou für Patrick Franziska mit einem Auftaktspiel gegen den Ägypter Lashin el Sayed, das Patrick mit einem überzeugenden 4:0 für sich entscheiden konnte. Bereits in Runde 2 zog er ein schweres Los: Gegner wurde sein Mannschaftskollege und Zimmerpartner in Suzhou Steffen Mengel. Hatte Patrick in der Vergangenheit gegen Mengel oft zu kämpfen, so blieb er hier dennoch souverän: 4:1.

War er im ersten Match noch Favorit, im zweiten Match sicherlich gleichstark einzuschätzen, so

Hochkonzentriert

Hochkonzentriert

war Patrick Franziska gegen Marcos Freitas (POR) in der Runde der letzten 32 sicherlich krasser Aussenseiter. Butterflyspieler Freitas ging als Nummer 10 der Welt und Europas großer Hoffnung an den Start. In dieser Begegnung zeigte Franziska dann seine ganze Klasse: Mit 4:1 überrannte er den immer weiter eingeschüchterten Portugiesen, spielte hochaggressiv, schnell aber dennoch Franziska-typisch sehr überlegt und mit viel Übersicht. Einen Top 10 Spieler zu schlagen war für Patrick Franziska mehr als er sich von diesem Turnier erhofft hatte.

Achtelfinale!

Das Achtelfinale stellte schließlich eine weitaus größere Hürde dar. Gegen den Überraschungsgegner aus der Ukraine, Kou Lei begann Franziska zunächst zu gierig, zu überhastet. Kou Lei konnte im Turnierverlauf Bastian Steger und den Bezwinger von Chuang Chih-Yuan, Adam Pattantyus, ausschalten. Erst nach einem 0:2 Rückstand begann Patrick Franziska mehr auf Platzierung und Spin statt Härte und Schnelligkeit zu setzen, und es fruchtete. Der veränderte Rhythmus warf Kou Lei aus dem Konzept – das Spiel endete 4:2 für Franziska.

Gegen Fang Bo

Gegen Fang Bo

Im Viertelfinale gewann Patrick immerhin einen Satz gegen den WM Finalisten Fang Bo (CHN), der später der Reihe nach Xu Xin (CHN) und Weltmeister Zhang Jike (CHN) bezwingen sollte. War das Achtelfinale noch die Kür, so war dieses Spiel gänzlich als Lernerfahrung für den 22-jährigen zu verbuchen. Er spielte auch hier unheimlich abgeklärt und clever, konnte in den Sätzen 2 und 3 immer wieder Chancen erarbeiten und zeigte, das noch viel Potential in ihm steckt.

 

 

Patrick Franziska spielt das Andrei Mazunov Holz mit geradem Griff und Tenergy 05, 2.1mm auf Vorhand und Rückhandseite.

 

Die Highlights im Spiel gegen Kou Lei.

Das Interview

Nach seiner Rückkehr hatten wir Gelegenheit ein Interview mit dem deutschen Überraschungsspieler der WM zu führen und ihn zu seiner Leistung zu befragen.

Q: Patrick, erst einmal herzlichen Glückwunsch zu deiner Leistung in Suzhou! Habt ihr deinen Einzug ins Viertelfinale angemessen gefeiert?

A: Danke sehr! Beim traditionellen Abschlussabend des DTTB gab es dazu Gelegenheit. Wir haben den Paulaner Keller im Kempinski Hotel in Suzhou besucht und dort gemütlich zusammen die WM Revue passieren lassen – und gemeinsam darauf angestoßen!

Q: Wie beurteilst du deine eigene Leistung bei der WM?

A: Ich hätte nie gedacht, dass ich nach meiner Verletzung schon wieder so gut spielen kann. Ich bin sehr zufrieden mit meiner Leistung!

Q: Was war dein bestes Match?

A: Sicherlich das Spiel gegen Marcos Freitas, das war mein bestes Spiel seit Langem.

Q: Wo siehst du noch Verbesserungspotential in deinem Spiel?

A: Ich muss auf jeden Fall weiter an meiner Schnelligkeit arbeiten und versuchen mehr Konstanz in mein Spiel zu bringen. Manchmal bin ich da noch etwas zu unbeständig.

Q: Wie war das Spiel gegen Fang Bo für dich?

A: Am Anfang war ich ein bisschen nervös, aber auch da habe ich ein gutes Spiel gezeigt. Er war an dem Tag einfach der Bessere. Aber gerade diese Spiele sind wichtig um zu sehen, was man noch verbessern muss.

Q: Wie beurteilst du das Niveau der Spieler in Suzhou, und wer ist der aktuell beste Spieler aus deiner Sicht?

A: Das ist auf jeden Fall der Weltmeister, Ma Long. Das spielerische Niveau bei dem Turnier war sehr hoch und wir haben wahnsinnig viele spektakuläre Ballwechsel gesehen.

Q: Wie sieht deine Planung für die Zukunft aus? Schaust du schon nach Rio?

A: Natürlich will man sich ständig verbessern und dafür arbeite ich auch jeden Tag hart im Training! So weit blicke ich da aber noch nicht nach Vorne, um Olympia mache ich mir noch keine großen Gedanken.

 

Danke Dir Patrick – und weiterhin viel Erfolg!

 

 

Über den Autor

Seb

Sebastian begann mit dem Tischtennissport mit 11 Jahren und schaffte es bis in die 5. deutsche Liga. Aktiv im Profisport ist er dennoch: Seit 2011 arbeitet Sebastian als TV-Kommentator für die ITTF und berichtet Live von den großen internationalen Turnieren. Seit 2014 ist er Teil des Butterfly-Teams und arbeitet im Export und Marketing als Übersetzer und Lektor.

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