Jeder Tischtennis-Fan kennt seinen Namen, sein Markenzeichen sind sein aggressives Spiel und seine schnellen Beine. Aber was wissen wir wirklich über Chuang Chih-Yuan? Schon seit einer Dekade ist der sympathische Taiwanese in den Top 20, teilweise den Top 10, und verdient eine genauere Begutachtung.

Die Anfänge

Chuang in full swing

Chuang in full swing

Chuang Chih-yuan, geboren in Taiwan am 2. April 1981 und aufgewachsen als Tischtennisspieler. Weil seine Eltern und sein älterer Bruder Tischtennisspieler waren, wurde ihm der Sport in die Wiege gelegt. Er begann sehr früh mit dem Spielen und im Alter von 8 Jahren mit ersten Wettkämpfen. Als die Eltern sein Potential erkannten, haben sie keine Kosten und Mühen gescheut um das Maximum aus ihrem geliebten Sohn herauszuholen. Leider mussten sie aufgrund der begrenzten Kapazitäten Taiwans das Geld für die Trainings- und Wettkampfkosten selbst aufbringen.

1993 reiste Chuang Chih-Yuan in die „Hauptstadt“ des Tischtennis – China. Dies war keine einfache Entscheidung für die Mutter Li Gumei, aber es gab kein zurück. Zu dieser Zeit war die Familie Chuang nicht reich. Sie mussten einige Hebel in Bewegung setzen, damit ihr Sohn ein höheres Level erreichen konnte. Man stelle sich nur vor, wie schwierig es für eine Frau ohne das nötige Kleingeld ist, ihr Kind ins Ausland zu bringen und dort um einen Platz für ihn zum Trainieren zu bitten. Sie kamen in ein unbeheiztes Gymnasium in Hubei, wo sie im Winter schreckliche -30° und im Sommer 40° erlebten und die Gefahr der Dehydration kennenlernten. Aber Mutter und Sohn gaben nicht auf.

Durchstarten mit 17

Die harte Arbeit trug große Früchte. 1998, also mit 17 Jahren, wurde Chuang Chih-Yuan in die Nationalmannschaft Taiwans berufen. Ein Jahr später hatte er sein Debut bei der World Tour Series. Er kam bei den Austrian Open sowohl im Einzel als auch im Doppel ins Viertelfinale. 1999 wurde er zum Spielen und Trainieren nach Deutschland geschickt. Die harten Zeiten für Mutter und Sohn gingen weiter. Es war schwer für Chuang Chih-Yuan sich mit seinen Mannschaftskameraden anzufreunden und er entwickelte sich zum Einzelgänger. Zudem hatte er weder im Training noch bei Wettkämpfen einen Assistenten.

Chuang Chih-Yuan kannte seine Prioritäten und schöpfte seine Möglichkeiten sehr gut aus. Durch harte Arbeit und starken Willen brachte er sich sportlich und spielerisch auf ein ganz neues Level.

Spielerische Symbiose aus Asien und Europa

Chuang with his signatur serve

Chuang with his signatur serve

Spielerisch entwickelte er eine Kombination aus dem tempo-getriebenen asiatischen und dem rotations-orientierten europäischen Stil. Für viele war es schwer, sich an sein Spiel anzupassen. Im Jahr 2002 wurde er auf internationaler Bühne aktiver und sein Training in Europa zeigte er respektable Ergebnisse.

Erste große Erfolge

Auf diversen World Tour-Stationen erreichte er die Finale; so auch bei den Asian-Games, bei denen er u.a. Kong Linghui bezwang. Im Finale verlor er gegen Wang Liqin. Ende 2002 nahm er an den ITTF Grand Finals teil, bei denen er nach einigen Finalniederlagen nun endlich einen Championships-Titel erringen konnte. Sein Wille war sehr stark, wodurch er nochmals Kong Linghui in der ersten Hauptrunde mit 4:3 besiegen konnte. Im Viertelfinale schlug er Jean-Michel Saive in 6 Sätzen. Danach stand er einer weiteren großen Herrausvorderung in Person von Wang Hao gegenüber und zeigte erneut eine sehr starke Leistung. Er gewann mit 4:3 und zog ins Finale ein. Dort stand er dem österreichischen Star und Butterfly-Kamerad Werner Schlager gegenüber. Auch dieses Match ging über die volle Distanz von 7 Sätzen mit dem besseren Ende für Chuang Chih-Yuan aus, der somit als Sieger auf dem Podest stand und seinen ersten internationalen Einzeltitel feiern konnte.

Spätestens jetzt fragten sich viele:

Wer ist Chuang Chih-yuan?

 Am Zenith — von WR 40 auf WR 7

Zu dieser Zeit wurde er als einer der größten Bedrohungen für das chinesische Männerteam angesehen und angesichts seines Alters von erst 21 Jahren als einer der vielversprechendsten Spieler weltweit.

2003 sprang er in der Weltrangliste von Platz 40 auf 7. Aufgrund seines enormen Potentials wurde er von Taiwans Tischtennis-Autoritäten in höchsten Tönnen gelobt, dennoch ist Stolz für ihn ein Fremdwort. Er blieb auf dem Boden trotz des Lobes und einer wachsenden Fangemeinschaft.

Athletic as ever.

Athletic as ever.

“Ich konnte einige Siege gegen Ma Lin und Kong Linghui einfahren, aber wohl hauptsächlich aus dem Grund, dass die Umstellung des Spielsystems (11-Punktesystem) sich zu meinen Gunsten auswirkte. Ich konnte mich schnell an den Wechsel gewöhnen. Aber mir war klar, dass sie ihr wahres Level erreichen, sobald sie sich darauf eingestellt haben.”

Seine Mutter Li Gumei, die ihn immer unterstützte, erkannte seine harte Arbeit an, war sich aber sicher, dass sein Potenzial noch nicht voll ausgeschöpft war.

„Er hat noch einen weiten Weg vor sich, es ist wie beim Bergsteigen. Der letzte Teil ist der schwerste. Wir habe keine speziellen Ziele, jeder Erfolg setzt ein neues Ziel.“

Nach einer sehr erfolgreichen Saison 2002 wollte Chuang Chih-Yuan diese Momentum bei der Weltmeisterschaft 2003 fortsetzen. Aber er konnte seine Möglichkeiten nicht ganz ausschöpfen. Im Achtelfinale verlor er gegen Joo Seahyuk. Im Doppel verlor er gegen das chinesische Paar Zhang Yu und Leung Chu Yan.

Chuang Chih-yuan trat weiter bei internationalen Wettkämpfen an, aber Erfolge blieben ihm verwehrt. Bis heute sammelte er drei Championship-Titel im Einzel bei der World Tour Series: 2003 in Brasilien, 2011 in Chile und 2012 in Spanien. Jedoch konnte er sich bei drei Weltmeisterschaften bisher noch nicht durchsetzen.

Neue Chance: Spiel um olympische Bronze in London

Ein weiteres denkwürdiges Spiel neben dem IFFT Grand Finals 2002 was das Spiel um Bronze auf der Olympiade 2012 in London gegen Dimitri Ovtcharov. Es war die Chance für Chuang Chih-Yuan eine Medaille bei einem weltweiten Wettbewerb zu ergattern. Er war gut in Form und nah dran, das Spiel zu gewinnen, musste sich aber trotzdem mit 2:4 geschlagen geben, bei zwei Punkten Differenz im 6. Satz.

Diese Niederlage tat weh und war schwer zu akzeptieren. Glücklicherweise hatte Chuang Chih-Yuan sehr starke Unterstüzung seitens seiner Mutter und seiner Familie. Li Gumei war in der Arena und feuerte ihren Sohn enthusiastisch an. Trotz der Niderlage war es die beste Platzierung, die Chuang Chih-Yuan je bei Olympia erreichte. Neben seiner sportlichen Leistung hatte Chuang Chih-Yuan einen weiteren großen Traum und das war die Eröffnung eines Tischtennisstadions. 2008 realisierte er diesen Traum und machte Tischtennis den Menschen in Taiwan erreichbarer. Auch im Alter von 34 Jahren arbetet er weiter pausenlos und bleibt nah an der Top10, wenn er sich nicht in der Spitzengruppe befindet.

Bei Frustrationen und Befriedigung, Höhen und Tiefen im Leben und auch wenn die große Zeit vorbei ist, die Eltern werden stolz auf ihre Kinder sein und das ist die Unterstüzung, die Chuang Chih-Yuan von seiner Familie erfährt, besonders von seiner Mutter, die sein erster Coach war. Erst die unermessliche Unterstüzung, die Chuang Chih-Yuan von seinen Eltern erfhr, versetzte ihn in der Lage, mit diesen Herrausforderungen klarzukommen. Er kämpfte Spiel für Spiel. Wenn er gewinnt, teilt die ganze Familie die Freude. Wenn er verliert, stehen sie gemeinsam wieder auf. Sieg und Niederlage sind vergänglich, aber Elternliebe bleibt ewig erhalten.

Chuang Chih-Yuan spielt Tenergy 64 2.1mm auf Vorhand und Rückhand mit einem speziell angefertigten Arylate-Carbon Holz. 2014 gewann Chuang ein ganz besonderes Spiel und zwar gegen seinen Langzeitangstgegner Joo Seahyuk bei der Mannschaftsweltmeisterschaft. Schaut euch hier dieses dramatische Match an:

Über den Autor

Seb

Sebastian begann mit dem Tischtennissport mit 11 Jahren und schaffte es bis in die 5. deutsche Liga. Aktiv im Profisport ist er dennoch: Seit 2011 arbeitet Sebastian als TV-Kommentator für die ITTF und berichtet Live von den großen internationalen Turnieren. Seit 2014 ist er Teil des Butterfly-Teams und arbeitet im Export und Marketing als Übersetzer und Lektor.

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