Nach beeindruckenden Leistungen und einigen Überraschungen gingen gestern in Jekaterinburg, Russland, die Europameisterschaften im Team-Wettbewerb zu Ende. Aus deutscher Sicht: Die DTTB-Damen holten ihren dritten EM-Titel in Folge und die Herren verpassten knapp ihr siebtes Gold. Das blieb immerhin im deutschen Sprachbereich — und bei den Österreichern um Robert Gardos, Stefan Fegerl und Daniel Habesohn in sehr guten Händen. Doch so spannend wie es verlief und so knapp wie es ausging, kann von einem Verlierer nicht die Rede sein. Uns gelang ein kurzes Adhoc-Interview mit Richard Prause, Sportdirektor des DTTB.

Und Ihr Fazit, Herr Prause?

SHAN Xiaona in Aktion

SHAN Xiaona in Aktion

„Deutschlands Damen haben sich nach dem Titel 2013 in Schwechat, in Portugal 2014 und in Baku bei den European Games nun auch den vierten europäischen Titel Folge geholt.

Mich hat vor allem die Art und Weise beeindruckt, wie sie im Finale aufgetreten sind und Rumänien fast eine Lehrstunde erteilten. Gerade in den knappen Situationen zeigten Shan, Han und Petty Solja ihr bestes Tischtennis und setzten sich verdient die Krone auf.“

Welche Mannschaften fielen bei den Damen noch auf?

„Österreich und die Niederlande sind mit Rumänien sicher die größten Herausforderer. Auch Russland und die Ukraine haben auf sich aufmerksam gemacht, wobei ich die letztgenannten Mannschaften doch einen Tick schwächer einschätze.“

Und bei den Herren?

„Jetzt, so unmittelbar nach Turnierende, sehe ich erst einmal nur die Fakten und lasse sie wirken. Was davon übrig blieb:

Robert Gardos, Östereichs Einser. Wehrte gegen Patrick Baum einen Matchball ab

Robert Gardos, Östereichs Einser. Wehrte gegen Patrick Baum 2 Matchbälle ab

Viele sprachen im Vorfeld nur von Deutschland und Portugal.

Deutschland erreichte sehr souverän das Finale.

Aber Portugal stolperte über Österreich.

So forderte Österreich im Finale Deutschland heraus. Und was Portugal bei ihrer Heim EM gelang, das schaffte dieses Mal Österreich.

In einem phasenweise hochklassigen und ungemein spannenden Finale gewannen Österreichs Herren mit 3:2.

Alles in allem eine gerade im Finale ungeheuer spannende EM, auch wenn ich natürlich lieber Deutschland als Mannschaftseuropameister gesehen hätte.“

Was bedeutet dies für Europa? Was für Deutschland?

Team Germany, Men

Team Germany, Men

„Ich denke Deutschland ist in Vollbesetzung — und nach der Teamweltrangliste — sicher nach wie vor die Nummer 1 in Europa. Aber andere Nationen haben aufgeholt.

Müßig darüber zu spekulieren, wie das Finale mit einem Timo Boll ausgegangen wäre. Osterreich angeführt von Robert Gardos und einem stark verbesserten Stefan Fegerl hat seine Chancen optimal genutzt, Gratulation von meiner Seite ans ganze Team Österreich!

Soviel ist sicher: Europa ist in Bewegung und neben Österreich und Portugal  spielt sich auch Frankreich mit einer jungen Mannschaft in den Vordergrund. Auch Schweden um Karlsson und den jungen Källberg hat mir hier gut gefallen.

Richard Prause, DTTB

Richard Prause, DTTB

Als Auftrag für Deutschland leitet sich ab, noch intensiver zu arbeiten, um bei den nächsten Europameisterschaften wieder ganz oben zu stehen. Morgen beginnen die Einzelwettbewerbe und ich wünsche mir als Sportdirektor natürlich weitere top Ergebnisse unserer Herren und Damen.“

Noch ein Wort zum zelluloidfreien Ball: Wie hat der Sport und die Spieler die Umstellung verdaut?

„Ich denke dass viele Spieler die Umstellung tatsächlich noch nicht vollends geschafft haben. Viele Jahre der Ausbildung und des Spielens mit dem alten Ball kann man nicht in einem Jahr komplett ausblenden. Ich spreche hier weniger von den langen Ballwechseln als vom Spielaufbau und von der Vorwärts-Rückwärts-Bewegung. Eine noch bessere technische Grundausbildung wird vonnöten sein, vor allem in der Bewegung zum Ball und über dem Tisch. Das beidseitige Spiel rückt noch mehr in den Vordergrund, sowie die Platzierung, da die Plastikbälle einen Tick weniger Rotation und Geschwindigkeit annehmen.“

Vielen Dank, Richard Prause!

 

 

 

Über den Autor

Frank

Vom Kindergarten bis zur Uni stand er hochambitioniert am Tisch. Heute sitzt der Werbetexter und Japanisch-Übersetzer am Tisch – und setzt sich für das Online Marketing von Butterfly mit allen Themen auseinander, die die Tischtenniswelt bewegen.

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