Nicht erst seit den letzten Europameisterschaften geht es bei Maria Taylakova stetig aufwärts. Aber nirgendwo zuvor wurde einer so breiten Öffentlichkeit bewusst, wie perfekt und wie entschieden sie sich darauf vorbereitet hat, eine führende Rolle im europäischen Jugend-Tischtennis zu spielen. 4 Medaillen, davon 3 mal Gold, und ein Titel als „erfolgreichste Spielerin des Turniers“ sprechen eine deutliche Sprache.

Bereits im März belegte „Masha“ bei den ‚Russion Junior Championships‘ (U 19)  — mit 14 Jahren — den dritten Platz. Einen Monat später, im April, wurde Masha russische Schülermeisterin. Im Finale bezwang sie ihre Nationalteam- und Butterfly-Kameradin Anastasiya Kolish.

Schüler-Europameisterin: Keine Überraschung

Maria und ihr Trainerteam, unter Leitung von Victor Pavlenko, konnten den Jugend-Europameisterschaften also beruhigt entgegensehen, waren hiermit doch auf nationaler Ebene schon einmal alle Formtests bestanden.

Мария Тайлакова

Maria Taylakova

Vor diesem Hintergrund war Taylakovas Triumphzug in Bratislava, zumindest aus russicher Sicht, weniger überraschend als erwartungsgemäß. Spätestens seit der JEM sind sich alle Experten einig, dass Masha derzeit unangefochten an der Spitze des europäischen Schülerinnen-Tischtennis steht.

Lediglich eine vierte Goldmedaille blieb ihr verwehrt: Zur Goldmedaile im Einzel, im Team und im Mix gesellte sich noch eine Bronzene im Schülerinnen-Doppel, gemeinsam mit Andrea Dragoman (Rou).

Doch auch wenn man es ihr zugetraut hatte, darf man es durchaus als spektakulär werten, wie punktgenau Maria Taylakova sich in Topform gebracht haben muss — und diese auch über mehrere Tage abgerufen hat.

Die Nr. 1 im europischen Schülerinnen-Tischtennis lebt und trainiert in der russischen Millionenstadt Samara an der Wolga. Verfolgt wird sie von der Rumänin Andrea DRAGOMAN, auf die sie derzeit im ETTU-Ranking einen Abstand von ca. 150 Punkten hält.

Ein noch interessanter Ausblick eröffnet sich beim Blick auf das europäische Jugend-Ranking der Mädchen. Hier steht Maria an Platz 5 — bei einem Altersunterschied zwischen 2 und 4 Jahren zu den Höherplatzierteren . Im ETTU-Ranking der Mädchen fällt es ihren russischen Kameradinnen schwer, ihr auf den Versen zu bleiben. Anastasiya Kolish steht auf Rang 25, danach folgt Kristinа Kazantseva auf Platz 53 und and Elina Rub auf Rang 61.

Maria Taylakova — im Interview

Мария Тайлакова

Maria Taylakova

– Masha, wie und in welchem Alter bist du zum Tischtennis gekommen? U

– Meine Mutter hatte mich einmal mitgenommen nach Wushu, um dort dem Training beizuwohnen. Das wurde uns leider nicht erlaubt. Aber durch eine halb geöffnete Tür konnte ich dennoch zu sehen – und habe mich direkt ins Tischtennis verliebt. Damals war ich 6 Jahre alt.

– Was genau hast du damals gefühlt?

– Ehrlich gesagt, das weiß ich leider nicht mehr.

– Wer war dein erster Trainer?

– Zykin Pavel Nikolaevich.

– Bei den letzten Europameisterschaften in Bratislava hatten dich viele Experten schon vorher ganz oben auf dem Podest gesehen. Hast du das als zusätzlichen Druck empfunden? Wie geht man damit um? 

– Einerseits habe ich zwar ein sehr gesundes Selbstbewusstsein und kann mit der Situation umgehen. Aber andererseits fühlte ich mich dadurch schon auch etwas mitverantwortlich, dass so ein bedeutendes Event wie eine EM auch tatsächlich zu einem Erfolg im erhofften Masse wird.

– Wer ist dein Idol? Und warum?

– Ein Idol, dem ich nacheifern würde, habe ich nicht. Ich bin der Überzeugung, dass man immer nur sich selbst treu sein sollte. Besonders mag ich allerdings Jan-Ove Waldner. Auch die grundsätzliche Einstellung der chinesischen Spieler und Spielerinnen zum Tischtennis beeindruckt mich.

– Im Spiel machst du den Eindruck, dich komplett unter Kontrolle zu haben. Wir wurden nie Zeuge davon, dass du dich zu etwas ganz Außergewöhnlichem hast hinreissen lassen. Weder deinen Schläger mal wegzuwerfen. Noch dich einmal über GegnerInnen oder Schiedsrichter zu ärgern. Musst du dich dazu zwingen? 

– Nein, im Spiel kann man nur sein, wie man ist. Aber hätte ich einmal das Gefühl, für einen Sieg etwas ganz Außergewöhnliches tun zu müssen,  dann würde mein Schläger wahrscheinlich einmal längst durch die ganze Halle fliegen (lacht).

– Gab es Momente, in denen du des Tischtennisspiels schon mal so überdrüssig warst, dass du am liebsen alles hingeschmissen hättest?

– Ich schätze, solche Gedanken hat jeder schon mal. In meinem Fall aber wohl weniger aus einer Überdrüssigkeit heraus als aus der Verbitterung über eine Niederlage.

– Kommt die Schule nicht viel zu kurz bei all dem? Welches ist dein Lieblingsfach und welches magst du gar nicht?

– Ja, es ist tatsächlich nicht leicht, die Balance zwischen Schule und Sport zu finden. Da Tischtennis nun mal mein Leben ist und Englisch darin eine wichtige Rolle spielt, kann ich mich speziell zum Englisch-Studium sehr gut motivieren. Letztendlich kann ich mich aber mit allen Fächern irgendwie anfreunden und komme in allen zurecht.

– Woran arbeitest du vor allem, um einen weiteren großen Schritt nach vorne zu machen?

– An der Einstellung, am Mentalen.

Gehst du auch mal aus? Zum Beispiel ins Kino? Was war der letzte Film, den du gesehen hast?

– Ehrlich gesagt, erinnere ich mich gar nicht daran, wann ich zum letzten Mal im Kino war. DAs letzte Video, das ich zuletzt gesehen habe, war eines mit den TOP 10-BALLWECHSELN aller Zeiten.

– Schlaucht dich eigentlich das ständige Reisen und Fliegen sehr?

– Ja, das macht schon manchmal müde und raubt Energie.

– Durchs Tischtennis bist du nun schon in so viele Länder gereist. Wo gefiel es dir am besten?

– Ich mag China. Abends über die Bürgersteige  in Shanghai zu schlendern, das ist echt schön. Aber ich ahne schon,  dass man  als Athlet hauptsächlich Flughäfen und Sporthallen schön finden muss (lacht)

– Hälst du dich bereits in irgendeiner Form an eine Diät? Isst du, was du willst?

– Ich esse alles, was sich mir bietet. In Samara wird für die Qualität und die Organisation der Mahlzeiten gesorgt. Unterwegs auf Turnieren in Hotels nehmen sowieso alle dasselbe zu sich.

– Was magst du am liebsten?

– Da gibt es einiges: Soljanka (Anm. d. Red.: Säuerlich-scharfer Suppeneintopf), Kebab, gekochtes und gebratenes Ei in jeder Form. Besonders mag ich Hühnchen, wie es meine „Mom“ zubereitet.

–  Kochst du auch schonmal selbst?

– Wenn ich genug Zeit habe und in der richtigen Stimmung bin.

– Wieviel Stunden schläfst du pro Tag?

– Meistens gehe ich gegen 10 Uhr abends zu Bett und stehe gegen 7 Uhr auf, also ca. 9 Stunden.

– Welche sind deine Liebingswebseiten?

– Facebook und andeere soziale Medien.

– Hast du ein Hobby?

– Ich bin sehr glücklich darüber, mit dem Tischtennis eine Lieblingsbeschäftigung zu haben, die mein Job und mein Hobby gleichzeitig ist.

– Welche Musik gefällt dir?

– Da gibt es nichts Spezielles. Was mir gefällt , kommt aus verschiedensten Richtungen.

– Was war dein bisher wichtigster Sieg?

– Der auf den vergangenen Europameisterschaften (Anm. d. R. : JEM in Bratislava 2015)

– Hast du Angstgegnerinnen oder Spielerinnen, die für dich sehr unangenehm sind?

– Die kommen bestimmt noch. In der Zukunft.

– Siehst du dir vor einem Match Videos deiner Gegnerinnen an?

– Nur wenn ich noch nie gegen sie gespielt habe.

– Wie schnell kommst du über Niederlagen hinweg? Wie wirst du damit fertig — analysierst du sie? 

– Niederlagen können immer passieren. Aber wen sie auf echte Beschränktheit zurückzuführen sind, dann nage ich schon ein bisschen daran. Ja, ich filme ausnahmslos jedes meiner Spiele. Und meisetns wird dabei schnell klar, woran es gelegen hat, ob an technischen oder an taktischen Schwächen.

– Mit welchem Material spielst du?

– Ich spiele das BUTTERFLY INNERFORCE ZLF, außerdem den BUTTERFLY TENERGY 64 in 2.1 mm Stärke auf beiden Seiten.

– Wie zufrieden bist du mit deinem Material? Probierst du viel aus?

– Die Materialwahl geschieht hauptsächlich durch meine Trainer. Letztes Jahr haben wir einmal das Holz gewechselt. Mit meinem aktuellen Material und dessen Zusammenstellung bin ich wirklich sehr zufrieden.

– Wieviel Stunden pro Tag trainierst du? Welches Pensum verlangst du von dir?

– 6 – 6.5 Stunden pro Tag, 5 mal die Woche. Donnerstags und Sonntags habe ich 3 Stunden Körpertraining. In China habe ich einmal 3 täglichen Trainingseinheiten statt nur zwei mitabsolviert. Aber das würde ich momentan nicht durchhalten, wäre zuviel.

–  Was meinst du, warum ist das europäische Tischtennis dem asiatischen unterlgen?

– Die Asiaten haben sehr starke Aufschläge, oft einen sehr druckvollen ersten Offensivschlag und bedienen die Diagonalen sehr konsequent.

– Welche persönlichen Qualitäten schätzt du am meisten?

– Ehrlichkeit. Auf Heuchler oder Absprachen hinter jemandes Rücken stehe ich gar nicht.

– Hast du einen Traum?

– Ja, einmal Olympiasiegerin zu werden.

– Welche besonderen Aufgaben siehst du für die nahe Zukunft bzw. die nächste Saison?

– Vorausgesetzt, ich kann dabei sein, dann stehen die Jugend-Weltmeisterschaften einerseits und die nächsten Jugend-Europameisterschaften andererseits im Fokus. Darüber hinaus natürlich, meine Platzierung in der Weltrangliste weiter zu verbessern.

– Was würde Masha Taylakova anderen raten, wie man sich am besten auf eine kritisches Match vorbereitet und mit dem Druck emotional umgeht? 

– Da gibt es keinen allgemeingültigen Rat.

– Was würdest du jüngeren Spielern mit auf den Weg geben, die gerade ihre ersten erfolgreichen Schritte im Tischtennissport gemacht haben, um einerseits weiterzukommen und andererseits die Lust am Tischtennis nicht zu verlieren? Y

– Ich persönlich kann da nur 3 Tipps geben: an sich arbeiten, an sich arbeiten, an sich arbeiten!

 

Photo By: Oleg Bozhko

 

Über den Autor

Alex

Alex Lomaev, press officer of the Table Tennis Federation of Russia, works for a long time with the ITTF and ETTU as a photographer. Since 2010, Alex began his collaboration with the Butterfly as a photojournalist and a redactor of the Russian website Butterfly, and in 2013 he became a Butterfly promotion manager in Russia.

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