Bei der Europameisterschaft 2015 konnte sich die Rumänin Eliza Samara mit ihrem ersten Titel im Dameneinzel krönen und erfüllte sich damit einen Lebenstraum, der sie für ihr hartes Engagement belohnte. Wir haben die Chance genutzt mit Eliza über ihre jüngsten Erfolge und ihre Liebe zum Tischtennis zu sprechen.

An interview by Alex Lomaev

21320092903_200d97dcd6_oElizabeta, zuallererst einmal herzlichen Glückwunsch zum EM Titel im Einzel und insgesamt 3 Medaillen!

Vielen, vielen Dank! Es ist so schön zu erleben, dass meine Erfolge gewürdigt werden. Ganz besonders natürlich von meinem Sponsor Tamasu Butterfly!

Als erfahrene Spielerin gehörst du jetzt zu den Hauptanwärtern auf den Titel..

Ich habe auch hart dafür gearbeitet, um dazuzugehören. Physisch und mental musste ich an meine Grenzen gehen und meine Ziele realistisch setzen. Ich habe im Turnier von Spiel zu Spiel gedacht.

Wie war der Moment als du realisiert hast, dass du die aktuell beste Spielerin Europa bist?

Ich habe so lange auf diesen Moment gewartet. Ich glaube erstmal ernsthaft an die Medaille bei der EM habe ich nach den Qatar Open gedacht. Dort habe ich gut gespielt und viele Starke Gegner geschlagen. Sowas baut das Selbstbewusstsein natürlich aus. Ein Titel bei der EM schien mir erstmals in greifbarer Nähe.

Wem hast du deinen Erfolg in Ekaterinburg gewidmet?

Alle drei Titel bei der EM habe ich natürlich meiner Familie, meinem Coach und meinen Freunden gewidmet – kurzum allen, die an mich geglaubt und mich unterstützt haben. Eine Medaille wird nie nur von einer Person gewonnen. Dahinter stehen immer Techniktrainer, Fitnesstrainer und natürlich auch Fans, die emotionale Unterstützung leisten.

Heute bist du unangefochtene Spitzenspielerin im rumänischen Team. Wie beeinflusst dich diese Rolle?

Als Teamleader einer Nationalmannschaft muss man mehr Verantwortung übernehmen. Wir haben alle das gleiche Ziel und arbeiten gemeinsam darauf hin.

Wenn ihr schnell sein wollt, geht allein. Wenn ihr aber weit kommen wollt – geht gemeinsam.

Wir haben ein tolles Team, und zusammen können wir alles erreichen.

Das Team-Finale gegen Deutschland war knapper, als es das 0:3 Ergebnis vermuten lässt. Wie hast du es erlebt?

Wir haben 3:0 verloren, aber es war trotzdem keine klare Niederlage. Ich hatte durchaus Chancen gegen Shan Xiaona und zwei Sätze lang geführt. Daniela Dodean lag 0:2 hinten, hat aber das Match fast noch gedreht. Wir hatten also durchaus eine Chance!

Welches Match in der Einzelkonkurrenz war das Schwerste?

Ich habe alle Einzel ernst genommen. Ich habe gelernt niemanden auf diesem Niveau zu unterschätzen.

21320093033_7a450cbffe_oNach dem Siegpunkt sah man dich weinend im Arm deines Coaches Viorel Filimon. Was hat er dir nach dem Finale gesagt und wie hat er zum Sieg beigetragen?

Wir waren beide so glücklich. Ein paar Tage später haben wir das Finale gemeinsam analysiert und gesehen, in welchen Phasen ich gut und in welchen ich schlecht gespielt habe. Er trägt einen großen Teil zu all meinen Siegen bei, gibt mir die richtige Strategie für den Sieg mit auf den Weg – und nimmt rechtzeitig Timeouts!

Wie bekannt ist Tischtennis in Rumänien?

Leider nicht besonders. Wir arbeiten natürlich daran das zu verändern, aber die Strukturen sind bei weitem nicht so professionell wie in anderen Ländern.

Wie ist dein Europameistertitel in Rumänien angekommen?

Es war wirklich überall in den Medien. Der Titel hatte eine große Bedeutung für mich und für mein Land, immerhin ist der letzte EM Gewinn für Rumänien 13 Jahre her. Insgesamt ein großer Schritt, um den Tischtennissport in Rumänien bekannter zu machen.

Was möchtest du über deine Familie sagen?

Meine Familie ist wundervoll. Beide meiner Eltern sind im Sport involviert, Judo und Handball. Mein Bruder hat zuerst angefangen Tischtennis zu spielen, und für eine Sportlerfamilie ist es also ganz normal, dass ich schliesslich auch eingestiegen bin.

Wie hast du angefangen?

Mit 5 Jahren zum ersten Mal. Damals ging es erst um meinen Bruder. Ein Coach besuchte unsere Schule um Talente zu sichten und entschied sich für meinen Bruder. Also war ich mit meiner Mutter oft in der Halle um ihn vom Training abzuholen. Mir hat es großen Spaß gemacht die Kinder beim Training zu sehen – also bin ich einfach eingestiegen!Elizabeta_SAMARA_ETTC2015_winner Kopie Am Anfang hat mir niemand gezeigt, wie man einen Schläger hält und den Ball richtig spielt. Ich hab also einfach meinem Bruder zugesehen und es so nachgemacht. Ich wollte ihm unbedingt zeigen, dass ich es genauso gut kann, vielleicht sogar besser! Ich hatte wirklich Glück.

Welche Interessen hast du außerhalb des Sports?

Dazu gibt es nur eine Antwort: Tischtennis bedeutet mir alles. Es ist meine absolute Priorität.

Welche Hobbys hast du?

Ich liebe es zu reisen, neue Orte und Menschen kennen zu lernen. Ich mag Musik, die praktisch ständig höre, wenn ich zu Turnieren und Trainingscamps reise.

Wie steht’s mit Essen? Hast du ein „Taboo-Food“ ?

Seit etwa eineinhalb Jahren achte ich streng auf gesunde Ernährung. Im Sport macht das einen gewaltigen Unterschied. Inzwischen habe ich eine gute Balance zwischen dem was mein Körper benötigt und dem Aufwand, den ich betreiben muss um mich gesund zu ernähren, gefunden.

Hast du ein Lieblingsgericht?

Nicht wirklich, ich ernähre mich eher klassisch.

Deine Lieblingsband?

Ganz klar –  U2.

Hast du ein eigenes Auto?

Nein, ich habe nichtmal einen Führerschein!

Was ist deine Lieblingsstadt? Wo würdest du gerne wohnen?

Mit 19 Jahren habe ich einmal zwei Jahre in Milan gelebt. Daher wird mir Milan immer wichtig sein, ich erinnere mich gerne an die freundlichen Menschen und die schöne Sprache, die ich schnell erlernt habe.

Wieviel Zeit investierst du in Fitnesstraining und wie wichtig ist dies für Tischtennisspieler?

Physische Fitness ist im Tischtennis extrem wichtig geworden. An einem Turniertag macht man 2-3 Matches, für die man topfit sein muss. Bei der EM hatte ich insgesamt 23 Matches zu absolvieren. Das geht nur mit ausgeprägter Ausdauer, Schnellkraft und guter Reaktionsgeschwindigkeit.

Läufst du regelmäßig? Welche Distanzen?

Vor meiner Miniskus OP bin ich oft 10km etwa alle drei Tage gelaufen. Jetzt ist es weniger, aber dafür laufe ich schneller. Ich konzentriere mich jetzt mehr auf Seilspringen und Biken.

Hast du ein Vorbild im Sport? Jemanden, den du besonders bewunderst?

Als Kind habe ich Michaela Steff bewundert. Sie war -wie ich- Linkshänderin und hat es bis auf Rang 4 der Weltrangliste geschafft. Obwohl sie nicht mehr aktiv spielt, bin ich immer dankbar für ihre Ratschläge.

Wie lange trainierst du jeden Tag?

Bei mir sind es 2,5 Stunden am Morgen, eine Stunde Fitness Training am Mittag und abends eine Einheit mit 2 Std. Tischtennis.

samaraWieviel Aufschlagtraining betreibst du?

Der Aufschlag ist enorm wichtig im Tischtennis. Daher versuche ich, immer mindestens 30min. nur Aufschläge zu trainieren. Mein Coach Viorel Filimon hat mir viel über Effet, Treffpunkt und Krafteinsatz beigebracht.

Mit wem trainierst du?

Meistens mit Andrei Filimon und Cristina Hirici, oder meinen Kollegen im Club Constanza.

Spielst du oft gegen Abwehr?

Leider gibt es in meinem Umfeld nicht viele Abwehrspieler, gegen die ich trainieren kann. Daher übe ich diese Disziplin mit meinem Coach beim Balleimertraining.

Welches Material benutzt du? Warum hast du dich dafür entschieden?

Ich spiele das Korbel SK7 Holz, mit Tenergy 05 auf der Vorhand und Tenergy 05 FX auf der Rückhand. Diese Kombination passt am besten zu meinem Spielstil und ich fühle mich damit wohl und sicher.

Gibt es Tischtennisregeln, die du gerne ändern würdest?

Ich würde die Vielzahl der Beläge verringern. Es ist immer schwierig gegen Spieler mit unbekanntem Material zu spielen.

Was muss in Europa passieren, um den Anschluss mit Asien zu halten?

Auf allen Ebenen, dh. training, Wettkampf, im Verein, auf Turnieren muss es eine professionelle Förderung und Ausbildung für die Spieler geben. Natürlich darf niemandem die Leidenschaft für den Sport fehlen!

Erinnerst du dich an eine witzige Situation aus deiner Karriere?

Ich erinnere mich an die Jugendzeit, wo wir auf -meiner ersten- Junioren Weltmeisterschaft waren. Es ging im Halbfinale gegen Frankreich, das Spiel sollte um 17:00 beginnen. Nach dem Training gingen wir zurück ins Hotel um uns auszuruhen und uns auf die Partie vorzubereiten. Also machten wir Videoanalyse, als plötzlich das Telefon klingelte. Das Match wurde vorverlegt – Spielbeginn in 30 Minuten! Wir hechteten in die Zimmer, packten unsere Sachen und rannten zur Halle. 5 Minuten vor Spielbeginn kamen wir an, völlig abgehetzt. Das Spiel gewannen wir damals dennoch!

Welchen Rat möchte Eliza Samara jungen Tischtennisspielern auf den Weg geben?

Natürlich muss man viel und hart an sich arbeiten, aber das Allerwichtigste ist die Leidenschaft für den Tischtennissport.

Welche Ziele hast du jetzt – nach dem EM Titel?

Ich möchte meinen Erfolg gerne wiederholen, bei der nächsten EM. Davon ab sind Medaillen bei Weltmeisterschaften mein nächstes und ehrgeiziges Ziel.

Über den Autor

Seb

Sebastian begann mit dem Tischtennissport mit 11 Jahren und schaffte es bis in die 5. deutsche Liga. Aktiv im Profisport ist er dennoch: Seit 2011 arbeitet Sebastian als TV-Kommentator für die ITTF und berichtet Live von den großen internationalen Turnieren. Seit 2014 ist er Teil des Butterfly-Teams und arbeitet im Export und Marketing als Übersetzer und Lektor.

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Ein Kommentar

  1. René

    Samara macht fast immer tolle Spiele! Vor allem weil Sie auch eher einen „männlichen“ Stil hat mit viel Athletik und kraftvollen Topspins. Wäre toll, wenn sie weiterhin so erfolgreich bleibt.