Liu Shiwen 2Liu Shiwen gehört mit Sicherheit zu den besten Tischtennisspielerinnen der Welt – mit ihrem Charme und ihrer Spielweise auch zu den Beliebtesten. Die  Nummer 1 der Weltrangliste steht seit September 2013 an der Spitze und ist auf dem Weg zu ihrem ersten „Grand-Slam“. Doch auch sie hatte bereits ein Karrieretief zu verarbeiten ..

In jungen Jahren

Liu Shiwen wurde am 12. April 1991 in Liaoning, China geboren. Bereits früh prophezeite ihre Großmutter der jungen Shiwen eine Zukunft als Schriftstellerin, die Silbe „Shi“ in ihrem Namen bedeutet „Gedicht“. Ihre Mutter jedoch verfolgte andere Pläne. Da sie am Traum ihr Geld als Tischtennis-Profi scheiterte, übertrug sich ihr Plan auf die junge Shiwen. Bereits mit 4 Jahren begann diese mit dem Tischtennis Training, zunächst mit ihrer Mutter als Coach. Mit 5 wechselte sie dann in die Hände von Coach Zhang Jingqing – und begann offiziell ihre Karriere.

Umzug nach Guangzhou

Mit ihrem 7. Lebensjahr stand Familie Liu vor einer schweren Entscheidung. Zhang Jingqing wurde in die Guangdong Provinz berufen und bot Liu Shiwen an, ihm zu folgen. (Anm.: Die beiden  Provinzen trennen etwa 3.000 km). Schließlich fasste ihre Mutter den schweren Entschluss und ließ ihre junge Tochter nach Guangzhou ziehen, um ihr Training fortzusetzen. Anfangs litt das junge Mädchen oft an Heimweh und unter der Entfernung zur Familie. Dies veranlasste Liu’s Mutter dazu ihren Job zu kündigen und zu ihrer Tochter in den Süden zu ziehen. Sofort begann sich die Leistung Liu Shiwens zu verbessern und sie erreichte die Provinzauswahlmannschaft in Guangdong.

9893204876_14c36fbda3_kBei dem Städtewettstreit „Chineses City Games“ 2003 stand sie erstmals Gegnerinnen aus der Nationalmannschaft gegenüber – und konnte Siege verbuchen. Dort wurden die Experten zum ersten Mal aufmerksam und Liu Shiwen erhielt die Chance, in die Nationale Auswahl zu kommen – zunächst in die zweite Nationalmannschaft. Bei den Spielen innerhalb des Teams, im Jahre 2004, waren ihre Ergebnisse schließlich gut genug, dass ihr Trainerteam eine Einladung in den A-Kader aussprach.

Mit 16 vertrat Liu Shiwen bereits ihr Land bei einer Weltmeisterschaft (2007 in Kroatien), zunächst ohne nennenswerte Erfolge. Bei der folgenden Chinese National Championships jedoch machte sie auf sich aufmerksam. Die Landesmeisterschaften in China sind zwar kein internationaler Wettkampf, dennoch ist das Spielniveau extrem hoch. Entsprechend gut beobachtet wird das Turnier von den chinesischen Spitzentrainern, die Liu’s Finalieg über Li Xiaoxia wohlwollend zur Kenntnis nahmen.

2009 gelang Liu ihr erster von insgesamt sage und schreibe 4 World Cup Siegen (2009, 2012, 2013 und 2015), die ihr den Beinamen „World Cup Königin“ einbrachten. Bei jeder Teilnahme konnte sie den Sieg im Finale für sich verbuchen.

Eine Niederlage mit Folgen

Der Erfolg schien vorprogrammiert, aber Liu Shiwens steile Erfolgskurve erhielt eine Delle, als sie bei der WM 2010 nicht den höchsten Anforderungen standhalten konnte. Im Finale der Mannschaftsweltmeisterschaft unterlag Liu ihren Gegnerinnen Wang Yuegu und Feng Tianwei, den späteren Siegern aus Singapur. Das verlorene Finale wurde zum größten Stolperstein für Liu Shiwen.

Im folgenden Jahr 2011 konnte sie noch einige Siege verbuchen, jedoch nicht an die Leistung davor anknüpfen. Chefcoach Kong Linghuis Vertrauen wurde erschüttert, als sie auch 2012 bei den Asienmeisterschaften einer Spielerin aus Singapur unterlag – diesmal Yu Mengyu.
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Der frühere Chefcoach Zhi Zhihao bemitleidete die junge Liu. Er war sich des Problems des immensen Drucks, der auf seiner Spielerin lastete, bewusst – und stellte sich weiterhin demonstrativ vor Liu.

Auch ihr persönlicher Coach Kong Linghui versuchte sein Bestes, ihr Selbstvertrauen zu geben und Liu – wo es ging – zu fördern. Obwohl er nur geringe Chancen auf den Olympiasieg 2012 sah, ermunterte er Liu Shiwen weiter hart zu arbeiten, um dort anzutreten. Als Coach erwartete er von seinen Spielern, sich den Problemen zu stellen, statt diese zu vermeiden.

Zurück auf dem Thron

Letztendlich konnte Liu Shiwen nicht in London antreten – dennoch wurde 2012 zum Jahr ihres Comebacks auf internationaler Ebene. Es begann mit dem Sieg auf den Grand Finals gegen Teamkameradin Ding Ning. Ein Jahr später erreichte sie neue Höhen und das Finale der Weltmeisterschaften 2013 in Paris. Obwohl sie das Finalspiel knapp verlor, stellte dies jedoch ihren bis dato größten Erfolg dar.

22604713145_9fd06ecf4e_k2015 erkämpfte sie ihren 4. Titel bei einem World Cup. In Sendai, Japan verlor Liu Shiwen gerade einmal zwei Sätze im gesamten Turnierverlauf und krönte ihre Leistung mit einem klaren 4-0 Sieg über Kasumi Ishikawa im Finale.

Bis heute arbeitet Liu daran ihre Niederlage wett zu machen und das volle Vertrauen ihrer Trainer zurückzubekommen. Obwohl sie sicher auf einem guten Weg ist, muss Liu Shiwen weiterhin Erfolge sammeln – besonders in Mannschaftswettkämpfen auf internationaler Ebene. Teamchef Liu Guoliang setzt hohe Erwartungen in die 25 – Jährige. Jetzt muss sie zeigen, dass sie dem Druck standhalten kann.

Liu Shiwen spielt das Butterfly Liu Shiwen Holz mit konkavem Griff und Butterfly Spinart Belag in 2.1mm.

Ihr überaus überzeugender Auftritt im Finale des World Cups 2015. Hier das Finale gegen Kasumi Ishikawa (JPN):

Über den Autor

Seb

Sebastian begann mit dem Tischtennissport mit 11 Jahren und schaffte es bis in die 5. deutsche Liga. Aktiv im Profisport ist er dennoch: Seit 2011 arbeitet Sebastian als TV-Kommentator für die ITTF und berichtet Live von den großen internationalen Turnieren. Seit 2014 ist er Teil des Butterfly-Teams und arbeitet im Export und Marketing als Übersetzer und Lektor.

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Ein Kommentar

  1. René

    Liu Shiwen – jetzt schon eine Legende im chinesischen Tischtennis. Ihre Fights gegen Ding Ning und die anderen Chinesinnen spielen sich immer auf absolut höchstem Niveau ab. Außerhalb Chinas hat momentan leider keine Spielerin eine realistische Chance gegen sie.