Seit geraumer Zeit sind die Mitgliederzahlen im Tischtennis rückläufig. Besonders deutlich wird dies beim Blick auf den Nachwuchs.

Kann nichts den Trend aufhalten?

Für die Entwicklung gibt es viele Ursachen, die zu beheben außerhalb der Möglichkeiten von Vereinen, Verbänden oder Herstellern liegen. Wie längere Schulzeiten, Internet, neue Freizeitmöglichkeiten etc. Daneben jedoch lassen sich auch solche Faktoren feststellen, die wir durchaus beeinflussen könnten. Und deren Verbesserung viel dazu beitragen würde, dass eine größere Zahl an Vereinen erfolgreicher als bisher Nachwuchs gewinnen und halten könnte.

Es gab und gibt zwar viele einzelne lobenswerte Anstrengungen, die in die richtige Richtung wirken — wie die „Basistrainer des Jahres“-Aktion, die auch in diesem Jahr von Butterfly getragen wurde, oder die „Andro Kids Open“, um nur zwei Beispiele zu nennen. Doch sind diese Aktivitäten allein nicht durchgängig, nicht umfassend und damit nicht nachhaltig genug, um die Entwicklung zu beeinflussen.

Wem und wie kann es dann gelingen?

Beobachtungen und Gespräche zeigen, dass sich die Herausforderung wohl nur erfolgreich meistern lässt, wenn Vereine in noch größerer Breite ihre Chance und ihre Möglichkeiten nutzen, Nachwuchs erfolgreich anzusprechen, ihn zu halten und zu sportlichem Erfolg als auch zu einem tollen Gemeinschaftsgefühl zu führen.

Wir gehen in vielen Vereinen ein und aus. Dabei fallen uns oft schon in den Standards große Unterschiede auf, was das Bemühen um neue, junge Vereinsmitglieder und deren Heranführung an den Sport angeht. Überraschernderweise finden sich darunter gar nicht so wenige Vereine, in denen kaum etwas vom allgemeinen Trend zu spüren ist.

Wobei man nicht außer Acht lassen darf, dass die Gegebenheiten, Voraussetzungen und Möglichkeiten von Verein zu Verein sehr verschieden sind und das Vereinsleben ohnehin schon vom bewundernswerten Einsatz Ehrenamtlicher getragen wird.

Doch kristallisieren sich durchaus einige relevante Faktoren für nachhaltigeren Erfolg in der Nachwuchsarbeit heraus.

Welches sind die Ideen, die Erfolgskonzepte und -rezepte in der Nachwuchsarbeit?

Gedacht, gesagt, getan:

„Da nicht wenige Vereine diese Aufgabe so gut meistern, warum fragen wir sie nicht einfach, tragen Erfolgsmodelle und Ideen hier zusammen — und lernen alle voneinander?“

Timo Scheipers, Arminia Ochtrup

Timo Scheipers, Arminia Ochtrup, Trainer und Abteilungsleiter, 2008 für die Nachwuchsarbeit in seinem Verein als ‚Basistrainer des Jahres‘ ausgezeichnet.

Zum Auftakt dieser Serie haben wir einmal Timo Scheipers befragt.

Schon über Jahre erfreut sich euer Nachwuchstraining nicht nur regen Zulaufes, sondern viele bleiben dem Sport und eurem Verein sogar treu.

Was macht ihr anders, was macht ihr richtig?

Alles steht und fällt mit dem Angebot, der Motivation der Trainer und dem Engagement des Vorstandes. Hat man gute Leute, kommen die Kinder, egal ob Leichtathletik, Volleyball, Handball oder eben Tischtennis. Und Qualität spricht sich unter Kindern wie Eltern schnell rum — gerade im Lokalen.

Wir haben immer frühzeitig darauf geachtet, solchen Spielern oder Kontakten einen Trainerjob schmackhaft zu machen, die offensichtlich gut mit Menschen, vor allem mit Kindern und Jugendlichen, umgehen können. Das hat immer super geklappt. Von Vorteil war dabei, dass unsere Trainer oft ein pädagogisch motiviertes Studium oder eine pädagogische Ausbildung hatten und sich sehr gut in die Erwartungshaltung und Gefühlswelt der Kinder einfinden können. Ich selbst bin Grundschullehrer. Das hilft mir oft, ein gutes Angebot an den Start zu bringen.

Zudem tun wir viel dafür, dass sich Kids, die sich hier kennenlernen, untereinander anfreunden. Sowohl im Training selbst, aber auch neben dem normalen Trainings- und Wettkampfbetrieb. Bis hin zu Vereinsfesten, Jugendfahrten, Trainignscamps, gemeinsamen Turnierteilnahmen etc.

Spaß, Freundschaft und sportlicher Erfolg. Das sind so die Dinge, die uns ausmachen.

 

Wie bringt ihr Kinder auf den Weg zur TT-Abteilung deines Vereins?

Bis auf eine kurze Zeit Anfang 2014 war unsere Halle immer proppe voll. Da wir kaum noch Kapazität haben, nehmen wir derzeit nicht einmal an den Mini-Meisterschaften teil. In den Jahren zuvor war es aber immer gerade diese Veranstaltung, die — neben der guten Mundpropaganda — neue Kinder in den Verein gebracht hat.

Dazu noch die regelmäßige Teilnahme an städtisch organisierten Ferienspaßaktionen. Ernst nehmen wir auch den Kontakt zur lokalen Presse, deren Berichterstattung gewiss ein wichtiger Faktor ist. In einer kleinen Stadt wie Ochtrup spricht sich dann schnell rum, wenn es irgendwo gut läuft.

 

Wie gelingt es euch, dass so viele Kids dem Trainingsangebot treu bleiben, obwohl der Weg bis zum ersten flüssigen Spielerlebnis gerade im Tischtennis so weit ist? Welche Routinen habt ihr, welches sind die wesentlichen Trainingsinhalte bis dahin?

Im Training ist bei uns immer richtig Action angesagt. Ganz wichtig ist dabei auch, was neben dem Tisch an spielerischer Unterhaltung abgeht. Fungiert der Trainer auch mal als (Pausen-)Clown und macht ein bißchen Quatsch, steigert das sofort den Spaßfaktor — und macht auch außerhalb der Halle die Runde. Welche Übungen gespielt wurden oder wie oft die Dötzchen den Ball getroffen haben, das bietet später am heimischen Abendbrottisch natürlich viel weniger Gesprächsstoff und transportiert weniger Begeisterung als Feststellungen der Kinder wie:

„Der Trainer ist so witzig, einmal hat er versucht wie Michael Jackson zu tanzen und dabei Tischtennis zu spielen…“. 

„Je weniger pure Routine die Kids beim Training kennenlernen, desto mehr freuen sich alle aufs nächste mal.“

„Sehr wichtig ist auch, dass alle das Gefühl haben, gleichwertig zu sein. Ganz unabhängig vom Talent und wie schnell sich jemand spielerisch weiterentwickelt.“

Unsere „Goldene Generation“ um Spieler wie Henning Zeptner, der inzwischen bei GW Bad Hamm in der dritten Liga unterwegs ist, ist viermal in Serie Westdeutscher Mannschaftsmeister der Jugend geworden und wir haben 2013 ausschließlich mit Eigengewächsen die Bronzemedaille bei der „Deutschen“ geholt.  So etwas macht natürlich stolz, es bringt den Verein sportlich voran und verbessert Bedingungen. DOCH: Erfolg ist schön und macht Spaß, sollte aber nicht im Fokus stehen. Deshalb kam bei uns nie Neid auf, ALLE hatten immer das Gefühl, dass sie irgendwie zu dem Erfolg beigetragen haben.

Momentan sind wir weit weg von solchen Erfolgen, aber eine gute Platzierung bei Kreismeisterschaften ist letztlich genauso viel wert und wird bei uns genauso gewürdigt. Wir haben auch viele Kids, die längst noch nicht in der Lage sind, am Spielbetrieb teilzunehmen und auch kein Ausnahmetalent mitbringen. Aber das Wichtigste und Schönste ist, wenn die Halle voll ist, wenn Eltern mitziehen und die Vereinskultur lebt.

 

 

 

Über den Autor

Frank

Vom Kindergarten bis zur Uni stand er hochambitioniert am Tisch. Heute sitzt der Werbetexter und Japanisch-Übersetzer am Tisch – und setzt sich für das Online Marketing von Butterfly mit allen Themen auseinander, die die Tischtenniswelt bewegen.

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Ein Kommentar

  1. René

    Interessanter und sehr wichtiger Artikel. Ich habe selbst schon die Erfahrung gemacht, daß die Abteilung Tischtennis beim Vereinsvorstand keinerlei Interesse erregte. Fußball und Tennis, DAß waren die großen Reißer. Echt schade und auch sehr demotivierend…