wttc_2016_logoIn Kuala Lumpur, Malaysia findet vom 28. Februar bis 06. März die Tischtennis Mannschafts-Weltmeisterschaft statt. Die 24 besten Nationalmannschaften ringen um den Weltmeistertitel in der Championship-Division. Schafft China erneut den Doppelsieg? Wer erreicht das Finale? Diese Fragen beantworten wir in unserem täglichen WM Blog Schritt-für-Schritt. Vor Ort sind Butterfly-Trainer Richard Prause und unsere Reporter aus der ersten Reihe: Marcos Freitas und Tiago Apolonia, die mit der portugiesischen Mannschaft in Malaysia auf Titeljagd sind..

Sonntag 06.03

Erwartung und Überraschung

25463233786_20330d1887_bDie Team-Weltmeisterschaften 2016 sind zu Ende, der Sieger in der Damen- und Herrenkonkurrenz heißt – alles andere als überraschend – China. Das Damenteam um Butterfly Star Liu Shiwen, Li Xiaoxia und Ding Ning legte ein perfektes Turnier hin. Alle Einzelmatches wurden gewonnen, jede Mannschaftsbegegnung vom ersten Gruppenspiel bis hin zum Finale gegen Japan endete mit 3-0. Das gleiche Bild zeigte sich bei den Herren mit Zhang Jike, Xu Xin und Weltmeister Ma Long. Die chinesische Dominanz im Tischtennis scheint weiter ungefährdet. Sicherlich gut lief das Turnier übrigens für die japanischen Mannschaften – beide Teams erreichten das Finale. Die Überraschungen bei dieser WM hielten sich also zurück, aber zeigen sich im Detail.

Richard Prause resümiert:

England

25556498935_07a7490242_kDie englische Mannschaft ist die Überraschungsmannschaft dieser Weltmeisterschaften in Kuala Lumpur. Nachdem sie sich in der Gruppe etwas überraschend auch gegen Deutschland durchsetzen konnten, setzten Sie im Achtelfinale und vor allem in einem denkwürdigem Viertelfinale gegen Frankreich noch einen drauf. Liam Pitchford, Paul Drinkhall und Samuel Walker führten die englische Mannschaft zur ersten WM Medaille seit 1993. Der Held des Abends war hier sicherlich Paul Drinkhall, der beim Stande von 2-2 zuerst vier Matchbälle gegen Lebesson nicht nutzen konnte, Einen solchen selbst bei 10-11 im fünften Satz abwehren musste, bevor er 13-11 gewann. Auffällig war, dass Drinkhall sich auch in engen Situationen auf sein aggressives Spiel verließ, immer wieder mit langen Aufschlägen agierte und den direkten Punktgewinn suchte. Letztlich zeigt der Gewinn der Bronzemedaille durch die englische Mannschaft auch, wie viel im Tischtennis möglich ist. England war erst bei den letzten Weltmeisterschaften (2014 in Tokyo) in die erste Division aufgestiegen. Zwischen der Position 3 und 13 ist augenscheinlich sehr sehr viel möglich, wenn die Mannschaften ihr Maximum spielen.

Japan gg. England — hier nochmal einige der oft genauso schönen spannenden Ballwechsel:

Deutschland

Noch mal einen Satz zur deutschen Mannschaft: Genau dieses Maximum konnte die deutsche Mannschaft bei dieser Weltmeisterschaft nicht abrufen. Die in der Weltrangliste zwischen 30 und 100 platzierten sind sehr sehr eng beieinander und nur wenn unsere Spieler an ihrem Limit spielen, können wir uns ohne einen Timo Boll oder Dimitri Ovtcharov gegen diese Mannschaften behaupten..

Halbfinals und die Titel

25437989772_eb065986eb_kChina vs. Korea und Japan (die letztlich sehr souverän ins Halbfinale einzogen, indem sie Hongkong 3-1 besiegten) vs. England lauten also die Halbfinals bei den Herren.

China setzte sich letztlich mit l gegen Südkorea recht sicher durch. Das deutlich spannendere Halbfinale wurde zwischen Japan und England ausgetragen. Liam Pitchford hätte, ähnlich wie gegen Frankreich, auch in diesem Spiel der Held Englands werden können. Gegen Yoshimura brachte er eine 9-6 Führung im fünften Satz nicht nach Hause, gegen Jun Mizutani erspielte er sich bei einer 2-1 Führung vier Matchbälle im vierten Satz ehe Jun das Blatt mit 11-6 im Fünften Satz wenden konnte und damit Japans Final-Einzug sicherte. England bleibt die große Überraschung dieses Turniers und hätte vielleicht sogar ins Finale einziehen können. Trotzdem ist diese Bronzemedaille für den dritten Platz ein Riesenerfolg für die Mannen von Alan Cooke.

Bei den Damen setzten sich China und Japan in den Vorschlussrunden durch, zwei Mannschaften, die man durchaus auch im Finale erwarten durfte. Die Überraschungsmannschaft aus meiner Sicht war hier Nordkorea, die im Viertelfinale einen Favoriten auf den Einzug ins Finale – Singapur – schlugen. Nordkorea ist hier mit zwei sehr variabel agierenden Abwehrspielern angetreten und  ist sicherlich eine Mannschaft, die man auch für die Olympischen Spiele auf der Rechnung haben muss. Die beiden Abwehrspielerinnen benutzen auf der Rückhandseite langen Noppen, mit denen sie vor allem beim Schupfen sehr viel Schnittwechsel produzierten. Für den Gegner ist es somit sehr schwer einzuschätzen, ob ihre Schupfs mit oder ohne Schnitt gespielt wurden, eine Technik die man sonst häufiger mit kurzen Noppen  einsetzt und daher für viele Spielerinnen sehr ungewohnt gewesen ist.

Der Viertelfinal-Einzug der deutschen Damen  ist ein sehr gutes Ergebnis. Vor allem die Siege gegen Japan in der Gruppe und im Achtelfinale gegen Südkorea waren sowohl spielerisch wie auch kämpferisch sehr überzeugend herausgespielt und ein echtes Highlight! Ich freue mich für diese deutsche Mannschaft und ich bin mir sicher dass diese Mannschaft sich noch weiterentwickeln wird.

Zweimal China gegen Japan

24920704443_8ac499b07a_kChina gegen Japan sowohl bei den Damen als auch bei den Herren! So lauten also die Finalpaarungen der Weltmeisterschaften in Kuala Lumpur. Die Frage war, ob Japan China in einem dieser Finals wirklich herausfordern konnte?

Nachdem Liu Shiwen China mit 1-0 in Führung gebracht hatte, stand Japans Kasumi Ishikawa kurz vor der Sensation gegen die Olympiasiegerin von 2012 – Li Xiaoxia. Doch wer25550078735_f10b609573_k erwartete, dass die lange mit Verletzungen belastete Li dem Druck nicht gewachsen war, sah sich getäuscht. Immer sicherer und druckvoller agierte die Chinesin und gewann auch immer häufiger die langen Ballwechsel und siegte schlussendlich noch mit 3-2. Damit stand der haushohe Favorit China mit 2-0 in Front.Würde die erst 15-jährige Mima Ito Japan im Spiel halten können?

Die am Finaltag ausverkaufte Arena in Kuala Lumpur wollte natürlich kein 3-0 Chinas sehen.

Ito (ähnlich wie Fukuhara mit Noppen auf der Rückhand agierend) überraschte Ding Ning mit ihrem sehr aggressiven Spiel vor allem aus und mit ihrer Rückhand Seite. Auch aus der Vorhand blockte und schoss Ito fast fehlerfrei in Satz 1 und gewann mit 11-8.

Dann änderte die Weltmeisterin von 2014 ihre Taktik, agierte mehr mit Spin und Tempowechseln über die Vorhand Seite von Ito. Auch bewegte Ding sich deutlich besser und am Ende hatte die junge Japanerin nichts mehr entgegenzusetzen. So heißt der alte und neue Weltmeister bei den Damen China, wobei das Team aus dem Reich der Mitte deutlich mehr gefordert wurde als, viele dies vor dem Finale erwartet hatten.

Konnten Chinas Herren ihrer Damenmannschaft folgen?

Wie bei den Damen hieß der Herausforderer Chinas ebenfalls Japan.

Zwei kleinere Überraschungen in der Aufstellung bei beiden Teams. China verzichtete auf den Weltranglisten-Zweiten Fan Zhendong, Japan auf Koki Niwa..

24858801264_6288bfcdd7_hXu Xin diktierte von Anfang an das Geschehen gegen Jun Mizutani. Zwar gab es immer wieder längere Rallys, die aber zumeist der aggressivere Xu Xin für sich entschied. Auffällig, dass beide Spieler immer wieder lange Aufschläge einsetzten, um den nächsten Ball direkt mit der Vorhand zu attackieren. Letztlich setzte sich Xu Xin mit 3-0 durch und brachte China mit 1-o in Führung.

Ma Long machte mit Maharu Yoshimura kurzen Prozess und so stand es schnell 2-0 für China. Und keiner zweifelte ernsthaft daran, dass Zhang Jike den sprichwörtlichen „Sack“ zumachen würde. Der Olympiasieger verlor zwar den ersten Satz, und ihm unterliefen vor allem mit der Vorhand ungewohnt viele Fehler. Letztlich konnter er aber Yuya Oshima sicher in die Schranken weisen und China einmal mehr auch den Titel des Mannschaftsweltmeisters sichern.

Fazit

Chinas Dominanz im Finale bei den Herren war noch eine Spur deutlicher Als bei den Damen. Letztlich bleibt China unangefochten und unerreicht.

Ich denke, dass viele Mannschaften noch enger zusammengerückt sind. Japan hat sich hier von den anderen Mannschaften etwas abgehoben, ohne China wirklich gefährden zu können.

Deutschland in bester Aufstellung ist sicher in der Lage auch Japan zu schlagen. Insgesamt ist hinter China eine Menge in Bewegung. Das macht sicher den Reiz unserer Sportart aus und auch wenn die deutsche Herrenmannschaft zu den Verlierern dieser WM zählt, bin ich sicher dass wir die richtigen Schlüsse ziehen und in Rio bei den olympischen Spielen wieder angreifen werden..

Ich verabschiede mich also von den „Perfect World Table Tennis Championships 2016“, bei denen Einiges nicht ganz so perfekt lief wie es der Name hätte erwarten lassen.

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Samstag 05.03

Das Turnier der Deutschen

ETTC 2015 Richard PRAUSE Patrick FRANZISKA

Während wir uns dem Finaltag und den spannenden Begegnungen und Überraschungen nähern, nehmen wir etwas Zeit um das Abschneiden der deutschen Herren- und Damenmannschaften zu bewerten – mit Hilfe unseres Butterfly Coaches: Richard Prause. Und er zeigt sich vor allem

Ernüchtert

Viel hatten wir uns mit der deutschen Mannschaft vorgenommen. Selbst nach dem Ausfall von Dimitrij Ovtcharov hatten wir das Viertelfinale und möglicherweise den Einzug ins Halbfinale fest im Blick. Mit Schweden, Frankreich und England in der europäischen Gruppe hatten wir somit einen Platz unter den ersten drei fest avisiert. Leider sollte es ganz anders kommen.

Traurig für die Herren..

25433767085_0ca30df0ff_hNach Siegen gegen Dänemark und Malaysia sahen wir uns noch auf dem richtigen Weg. Doch dann erwischte Timo Boll eine Erkältung. Zwar stellte er sich in den Dienst der Mannschaft und zumindest im Match gegen Frankreich gegen Simon Gauzy hatte Timo eine gute Siegchance bis zum 2-2 und 6-3. Letztlich kamen wir aber nicht über ein 1-3 hinaus.
England musste also geschlagen werden. Doch auf Timo konnten wir jetzt nicht zurückgreifen, seine Erkältung verschlimmerte sich und ließ einen Einsatz im Laufe des Turnieres nicht mehr zu.
Also sollten es Bastian Steger, Ruwen Filus und Patrick Franziska richten. Aber LIam Pichford, Paul Drinkhall und auch Nummer 3 Sam Walker erwischten einen „Sahnetag“ und zu unser aller Erschrecken sprang nicht mehr als der Sieg Ruwens gegen Pitchford heraus und so standen wir vor der Partie gegen Schweden mit dem Rücken zur Wand. Nur ein 3-0 oder 3-1 konnte uns noch den Einzug in Achtelfinale sichern. 25401404895_6d04c162ea_b
Zwar brachte uns Bastian Steger mit einem sicheren Sieg gegen Jon Persson mit 1-0 in Front. Aber die nächsten Zwei Spiele gingen nach Schweden und der letztendliche 3-2 Sieg war für uns nicht hoch genug und somit bedeutungslos. Heute spielen wir also nur um die Plätze 13 bis 20.
Bei dieser WM sind wir bei den Herren damit unserem eigenem Anspruch nicht gerecht geworden und müssen jetzt noch härter Richtung Rio arbeiten.. Dies gilt sowohl für die WM Mannschaft aber natürlich auch für alle Spieler, die in der Nationalmannschaft spielen.
Die anderen Nationen haben stark aufgeholt und hier haben sie uns sogar überholt.
Ich bin sicher, wir werden bei den Olympischen Spielen in Rio eine andere, stärkere deutsche Mannschaft sehen. Manchmal bedarf es ja eines schlechten Ergebnisses, um gestärkt zurückzukommen und dies muss das Ziel der deutschen Herren Mannschaft sein.

.. Toll für die Damen

24816699023_075d30e170_bDie deutschen Damen haben hier eine tolle WM gespielt! So gelang der Mannschaft von Jie Schöpp in der Gruppe sogar das Kunststück den Weltranglistenzweiten Japan zu bezwingen. Eine ganz herausragende Leistung! Und wer weiß, wie das Viertelfinale beim erneuten Aufeinandertreffen mit Japan ausgegangen wäre, wenn nach einem weiteren Topsieg gegen die favorisierte Auswahl aus Südkorea 24 statt nur 4 Stunden gelegen hätten.
So gewann die deutsche Mannschaft zwar keine Medaille, aber nach Siegen vor allem gegen Korea und in der Gruppe gegen Japan, die Gewissheit sich auf höchstem Niveau auch mit den besten asiatischen Mannschaften messen zu können.

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Freitag 04.03

Ausgeträumt..

25467625156_dd55fe06de_bLeider ist das Turnier zumindest sportlich beendet für Marcos, Tiago und die portugiesische Mannschaft. Heute reichte es trotz tollem Kampf und Einsatz nur zu einem 1-3 gegen das Team aus Südkorea. Dabei hätte es auch ganz anders kommen können..

Joao Monteiro, der im Ganzen Turnier eine fantastische Leistung gezeigt hatte, unterlag Lee Sangsun mit 3-1. Es war also an Marcos Freitas, Portugal wieder in die Spur zu bringen. Doch gegen die Abwehrlegende Joo Saehyuk sollte er am Ende wenig ausrichten können. Lediglich einen Satz konnte sich der Portugiese in der Verlängerung sichern.

Mit einem 0-2 stand Team Portugal also mit dem Rücken zur Wand. Tiago Apolonia hatte die schwierige Aufgabe sein Team im Match zu halten. Und er lieferte beim 3-1 gegen Jung Youngsik eine bravouröse Leistung ab. Die Hoffnung keimte erneut auf, als sich Joao Monteiro im Match gegen Joo Saehyuk zunächst eine 2-1 Führung erarbeitete und im Entscheidungssatz dann zum 9-9 ausgleichen konnte. Doch die nächsten beiden Punkte gingen an Joo, der die Partie damit zu Ende und sein Team ins Halbfinale gegen China brachte.

AhDqkV5dh-OTQA0yu687wqzGGkwb7NQZRt4QWxQjTX-6Tiago Apolonia: Es war ein großer Kampf, wie wir befürchtet hatten. Das Spiel war sehr eng und durchweg hochklassig. Unsere Medaillenwünsche haben wir uns nicht erfüllt, aber insgesamt dürfen wir mit unserer Leistung zufrieden sein. Ich selbst bin es zudem, denn hier habe ich lediglich gegen Japan Einzel verloren und mich in guter Form präsentiert.

Marcos Freitas: Jetzt haben wir zum 3. Mal das Viertelfinale erreicht, nach der WM in Tokyo 2014 und den Olympischen Spielen. Leider hat es bisher nie zu einer Medaille gereicht – natürlich sind wir jetzt etwas enttäuscht. Glückwunsch natürlich an Korea, die heute im Vergleich die bessere Mannschaft waren und den Sieg verdient haben. Wir werden jetzt weiter an uns arbeiten und uns Schritt für Schritt verbessern. Ich bin sicher, wenn wir diesen Weg weiter gehen, werden wir bald auch dafür belohnt werden..

Ich möchte mich übrigens besonders für die tolle Unterstützung hier bedanken! Ich war überrascht wie bekannt wir in Malaysia sind und wie viele Leute ein Autogramm oder ein Foto mit uns wollten. Morgen geben wir den Fans etwas zurück – wir sind ab 15:00 Ortszeit am Butterflystand und erfüllen alle Autogramm- und Fotowünsche 🙂

20160305045430Heute abend geht es mit der Mannschaft in ein Japanisches Restaurant zum Essen. In den vergangenen Wochen haben wir so hart trainiert und geackert – jetzt haben wir uns verdient einen Abend zu relaxen.

Na dann: Prost!

Ab morgen werfen wir einen Blick auf die spannenden Ergebnisse der Viertelfinals und schauen einmal auf das Abschneiden der deutschen Mannschaften in Malaysia..

Donnerstag 03.03

Viertelfinale!

25464704945_e097411779_hDer Platz unter den besten 8 ist dem Team aus Portugal nun sicher. Mit einem überzeugenden 3-0 setzte sich das Team unserer Reporter im Match gegen den Gruppenzweiten Nordkorea durch. Dabei ist eine Begegnung mit Nordkorea nur schlecht planbar – denn die Nordkoreanischen Spieler trifft man nur auf Weltmeisterschaften. Auf internationalen Turnieren sieht man sie nicht. Daher ist es schwer sich auf das Team vorzubereiten. Das musste auch Marcos in seinem Einzel anerkennen:

Marcos Freitas: Ich habe einen schlechten Start erwischt und lag direkt zurück. Für mich war es ein schwieriges Match, weil ich meinen Gegner überhaupt nicht kannte. Es hat etwas gedauert, bis ich sein Spielsystem verstanden habe. Den zweiten Satz habe ich nach eigenem Satzball noch verloren, aber mit zunehmender Spielzeit habe ich mich immer sicherer gefühlt. In den Ballwechseln gelang mir immer mehr und mein Selbstvertrauen stieg. Mit voller Konzentration habe ich dann die letzten drei Sätze infolge gewonnen. 3-2!

Tiago Apolonia: Da ich meine Gegner nicht kannte, habe ich mir Videos angesehen um mich auf das Match vorzubereiten. Das hat ganz gut funktioniert 🙂 Der nächste Gegner heißt jetzt Südkorea und steht in der Weltrangliste über uns. Sie sind leichter Favorit aber ich denke trotzdem wir werden ein 50/50 Match sehen.

Marcos Freitas: Das nächste Spiel gegen Südkorea wird richtig hart. Einerseits sind sie stärker als Nordkorea, andererseits kennen wir die Spieler besser! Sie haben – wie wir – eine junge und motivierte Truppe und ich glaube es wird ein spannendes und ausgeglichenes Match.

Und danach?

AraA7Q9vAFM_wA_ro1hmgSoobi3ZGE-RosdkcvB2-wg4Als Mannschaft haben wir noch nie eine Medaille bei einer Weltmeisterschaft gewonnen. Überhaupt bis ins Halbfinale zu kommen ist also bereits ein großer Erfolg für uns. Dort erwarten wir sicherlich China, die klar die besten Spieler der Welt auffahren. Noch allerdings versuchen wir nicht daran zu denken..

Tiago Apolonia: Angst habe ich natürlich nicht – ich respektiere jeden Gegner gleichermaßen. Aber soweit sind wir noch nicht – nur das nächste Match zählt!

Zur Feier des Einzugs ins Viertelfinale belohnte sich die Mannschaft erstmals mit einem großen Abendessen im Kreis des ganzen Teams. Verdient!

 

 

Mittwoch, 02.03

2 Niederlagen – aber dritter Platz sicher

IMG_0093Was für eine spannende Gruppe! Während unsere Reporter vor Ort Marcos Freitas und Tiago Apolonia nur am Nebentisch vom Ausscheiden der deutschen Mannschaft (nach dem 3-2 gegen Schweden reichte das Spielverhältnis nicht mehr zum rettenden 3. Platz) hörten, waren beide am 3. Tag mit dem Weiterkommen ihrer eigenen Mannschaft beschäftigt. Nach den Siegen an Tag 1 und 2, musste Team Portugal gegen Polen (1-3) und im letzten Spiel gegen Favorit Japan (1-3) jeweils Niederlagen einstecken. In der finalen Tabelle landeten die Portugiesen auf Platz 3 der Gruppe und qualifizieren sich so für das Achtelfinale, das bei der WM nur zwischen den Gruppenzweiten  und Gruppendritten ausgetragen wird. Erst bei einem Sieg dort ist eine Begegnung gegen einen Gruppensieger möglich. Noch ist also „alles drin“, auch wenn die Jungs verständlicherweise nicht zufrieden waren mit Tag 3.

Marcos Freitas: Ich hab nicht mein bestes Tischtennis gespielt heute, war nicht so ganz „da“. Und Koki (Niwa) hat fantastisch gespielt, sehr agressiv. Bisher bin ich noch nicht in Topform aber morgen geht’s weiter für uns und ich werde alles geben mein Team weiterzubringen.

Tiago Apolonia: Klar sind wir nicht 100% zufrieden. Aber ich glaube gerade gegen Japan war das Spiel dennoch auf hohem Niveau.

 

 

Zur Zusammenfassung der Highlights von Tag 3 gibt es wieder unser Video – direkt aus Kuala Lumpur:

 

 

 

 

Montag, 29.02

3 Tage, 3 Videos – und Insights von Marcos und Tiago

Unsere japanischen Kollegen haben sowohl am vom Samstag, Sonntag und Montag einige Party, Trainings und Spielszenen eingefangen. Jetzt hier ansehen – und danach ein Kurzinterview mit Marcos Freitas und Tiago Apolonia.

Videorückblick: Tag 2 (Montag 29.02.)

Videorückblick: Tag 1 (Sonntag 28.02.)

Videorückblick: Der Tag davor (Samstag, 27.02.)

Hitze, Klimaanlage und „Früh ins Bett“!

Heute folgen wir unseren Reportern aus der ersten Reihe Marcos Freitas und Tiago Apolonia. Wie läuft’s Jungs?

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Marcos Freitas:
 Wir sind hier gut vorbereitet in Kuala Lumpur angereist. Ich selbst hatte 10 Tage intensive Vorbereitung in der Werner Schlager Academy in Wien hinter mir und bin auf einem guten Weg. Allerdings denken wir jetzt absolut nicht über etwaige Medaillen nach, wir haben eine sehr knackige Gruppe mit Singapur, Ukraine, Japan, Belarus und Polen erwischt und müssen von Spiel zu Spiel denken. Am ersten Tag haben wir 2 Trainingseinheiten eingelegt und später ein Interview für das japanische Fernsehen gegeben.

Tiago Apolonia: Und weil unser erstes Match um 10:00 morgens angesetzt war, hieß es „früh ins Bett!“

Marcos Freitas: Das Spiel gegen die Ukraine konnten wir 3:1 gewinnen, ich persönlich habe 2 Punkte beigesteuert – ein wichtiger erster Sieg! Und auch die IMG_0094weiteren Resultate sind zufriedenstellend. Gegen Singapur und Weißrussland haben wir jeweils mit 3:0 gewonnen. Man muss allerdings dazu sagen, das beide Teams nicht mit ihren besten Spielern angetreten sind. So richtig bin ich allerdings noch nicht hier angekommen.  Ich habe Probleme mit dem Luftzug, der von der Klimaanlage erzeugt wird und den Ball manchmal merkwürdig fliegen und springen lässt. Ich finde die Organisatoren der ITTF hätten das Problem früher erkennen und gegensteuern müssen. Ich finde die Bedingungen inakzeptabel für eine Weltmeisterschaft.

IMG_0092Tiago Apolonia: Gestern lief es klasse. 2 Spiele, 2 Siege und beides jeweils 3:0! Wir hatten mit einem anstrengenden, langen Tag gerechnet, aber am Ende war es gar nicht so schlimm. Wir werten das einmal als gutes Zeichen für den Rest des Turniers, den physisch fühlen wir uns noch richtig „frisch“, trotz des tropischen Klimas. Es regnet viel (und stark!), bei Temperaturen, die ständig über der 30°C Marke liegen. Sehr heiß!

Hier sind die Ergebnisse unserer Spieler-Reporter bisher:

Portugal – Ukraine 3:1

Marcos Freitas – Kou Lei : 3:1 / Joao Monteiro – Zhmudenko Yaroslav: 0:3 / Tiago Apolonia – Pryshchepa Yevhen: 3:1 / Marcos Freitas – Zhmudenko Yaroslav: 3:0

Portugal – Belarus 3:0

Marcos Freitas – Khanin Aliaksandr: 3:2 / Joao Monteiro – Platonov Pavel: 3:1 / Tiago Apolonia – Shamruk Gleb: 3:0

Portugal – Singapore 3:0

Marcos Freitas – Pang Xuejie: 3-0 / Tiago Apolonia – Chew Zheyu: 3:0 / Joao Monteiro – Poh Shaofeng: 3:0

Montag, 29.02

Was vom Tage übrig blieb

Nach den beiden 3:0-Erfolgen am gesterigen Sonntag über Thailand und Tschechien wurde es für die Deutschen Damen heute gegen das als Außenseiter eingestufte Team aus Brasilien sehr eng. Es begann gleich mit einer Überraschung, als sich die 15-jährige Bruna TAKAHASHI gegen Kristin Silbereisen durchsetzen können. Doch wurde der Teamspirit belohnt und es reichte zu einem 3:2.

Interessanterweise schlugen die Nordkoreanerinnen Brasilien gestern mit 3:0. Doch gegen die starken Japanerinnen saß heute für Nordkorea kein Punkt drin.

War am Sonntag mit dem 3:1 gegen Dänemark  und auch heute morgen mit dem 3:0 gegen Gastgeber Malaysia die (deutsche) Welt noch in Ordnung, gerieten Timo, Steffen und Ruwen heute gegen Frankreich mit Gauzy, Lebesson, Brossier beim 1:3 ziemlich unter die Räder.

Einfach mal so stehen lassen und nach vorne gucken. Denn nach der Niederlage ist vor dem Sieg: Morgen treten die Deutschen gegen England an.

Übrigens können viele Spiele hier auf ittf.com live verfolgt und OnDemand angsehen werden:
http://ittf.com/ittv/

Samstag, 27.02
Richard Prause, DTTB

Richard Prause, DTTB

Schwitzen für den Sieg

Richard Prause:

„Heiß heiß heiß“ – das war mein erster Gedanke als wir am Mittwoch in Kuala Lumpur landeten . +3°C in Deutschland,  +33°C in Malaysia. Da kommt man ganz schön ins Schwitzen….
Mein erster Eindruck der Haupthalle fiel sehr positiv aus. Leider sind die Neben- und Trainingshallen eher als behelfsmäßig zu bezeichnen. Große Zelte sind aufgestellt worden, in denen sich das Leben außerhalb der Haupthalle abspielen soll. Hoffentlich spielt das Wetter auch mit, denn ich bin mir nicht sicher was passiert, sollte es einmal regnen und die Zelte auf Wasserdichtigkeit geprüft werden… Ich bin gespannt…“

Ausfälle, erste Prognosen und die Rückkehr einer Legende

„Einige Ausfälle gab es leider schon  im Vorfeld zu verzeichnen. Neben Chuang-Chih Yuan (TPE) erwischte es leider auch Dimitrij Ovtcharov (GER) und Schwedens EM Halbfinalist Per Gärrell.

Was bedeutet dies für die Mannschaftsweltmeisterschaften?

25051902340_acd09e0e0f_bIch denke China ist dadurch sicherlich ein noch höherer Favorit auf den Titel geworden. Gerade Chuang und Ovtcharov sind sicherlich zu den Spielern zu zählen, die die Chinesen an guten Tagen herausfordern und sie sogar schlagen können. Deshalb geht für mich Japan um Spitzenspieler Jun Mizutani als erster Herausforderer ins Rennen.
Unserere deutsche Mannschaft muss sich zunächst in der europäischen Gruppe durchsetzen – dann ist vieles möglich. Sicherlich auch abhängig von der Frage, wie weit sich Timo seiner Top-Form nähern kann und ob die Mannen um Timo Boll ebenfalls ihre Sptzenleistung abrufen können. Bastian Steger, Ruwen Filus, Steffen Mengel und Patrick Franziska können an guten Tagen fast jeden schlagen und sind als Team auch ohne Dimitrij eine sehr gute Mannschaft, die sich vor niemandem zu verstecken braucht.„

Wer könnte noch auf sich aufmerksam machen?

„Sicherlich Südkorea, die sich neben dem nimmermüden Joo Saehyuk eine junge Mannschaft aufgebaut haben.
Auch ein Auge sollte man auf die Mannschaft aus Portugal haben und „Last but not least“ sind für mich die Österreicher eine sehr gefährliche Mannschaft, die nach dem krankheitsbedingten Ausfall Dany Habesohns den Weltmeister von 2003, Werner Schlager, reaktiviert haben.  Zwar war Werner mehr auf der Legends Tour aktiv, trotzdem ist er mit seiner Erfahrung sicherlich für viele Mannschaften ein schwer auszurechnender Gegner…“

Und bei den Damen?

25369402375_db53d447e1_b„Bei den Damen ist China mehr als haushoher Favorit. Interssante Personalie am Rande: Chen Zhibin ist jetzt der Cheftrainer der Singapur Damen, vielleicht knüpfen die Damen um Spitzenspielerin  Feng Tianwei an das Jahr 2010 an, wo sie China in einem denkwürdigen Finale schlagen konnten.
Neben Singapur, Japan und Hongkong bin ich natürlich auch auf Rumänen und natürlich auf unsere deutsche Mannschaft gespannt, wobei Deutschland mit Japan und Nordkorea eine schwer auszurechnende Gruppe erwischt hat.. Brasilien und Thailand sind ebenfalls längst auf der Tischtennislandkarte angekommen.
Noch zwei Tage, dann geht es also los. Die neuen Butterfly Showcourts machen einen tollen Eindruck und sind echte Hingucker. Und spätestens wenn am 27. die traditionelle Butterfly Welcome Party ansteht wissen alle: die WM ist in Kuala Lumpur angekommen und es kann losgehen. Ich bin für euch vor Ort und hoffe auf eine tolle WM im Allgemeinen und natürlich im Speziellen für unsere deutschen Damen und Herren.„

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Über den Autor

Seb

Sebastian begann mit dem Tischtennissport mit 11 Jahren und schaffte es bis in die 5. deutsche Liga. Aktiv im Profisport ist er dennoch: Seit 2011 arbeitet Sebastian als TV-Kommentator für die ITTF und berichtet Live von den großen internationalen Turnieren. Seit 2014 ist er Teil des Butterfly-Teams und arbeitet im Export und Marketing als Übersetzer und Lektor.

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