Vor einigen Tagen gab der dänische Ausnahmespieler und Butterfly Star Michael Maze mit 34 Jahren offiziell den Rückzug vom Profi-Tischtennis bekannt. Nach langen Verletzungspausen, Operationen an Knie und Hüfte und zahlreichen Comebackversuchen entschloss er sich nun, seine bewegte und bewegende Karriere zu beenden. Gemeinsam mit Michael blicken wir zurück auf viele Jahre des Erfolgs, aber auch auf den steinigen Weg zurück zur Normalform. Den Spitznamen – das vorab – hat der Popstar im Tischtennis jedenfalls mehr als verdient: „Amazing Maze“. Im exklusiven ButterflyMAG Interview sprechen wir über alte Zeiten und die Höhen und Tiefen seiner Karriere.

Ein Star auch Abseits des Tisches

MazePokerMichael Maze war und ist eine der schillerndsten Persönlichkeiten in der Welt des Tischtennis. Am Tisch bekannt vor allem durch seine Kreativität und Ballgefühl. Ausgestattet mit einem äußerst variablen Aufschlag/Rückschlagspiel gehörte er zu den besten Spielern Europas und gewann zahlreiche Turniere, etwa die Europameisterschaft 2005 und 2009, sowie das Europe Top 12 in 2004. Aber auch Abseits des Tisches sorgte er immer wieder für Aufsehen, etwa durch Ausflüge in die Welt des Modellings (unter anderem steht für den Butterfly Katalog vor der Kamera) oder als professioneller Pokerspieler, der in seinem Heimatland Dänemark, wo Michael als Popstar gilt, bei den nationalen Meisterschaften immerhin Rang 7 bekleiden konnte.

Ein Match, das Geschichte schrieb

maze_4_5_05_large1Ein Höhepunkt seiner Karriere war zweifellos die Weltmeisterschaften 2005 in Shanghai. Michael erreichte dort das Halbfinale und somit Rang 3. Das Ergebnis erzählt jedoch nicht die fabelhafte Story, WIE es soweit kam. Im Achtelfinale traf Maze auf den Chinesen Wang Hao, damals 22 Jahre alt. Im Spiel bemerkte Maze eine Schwäche seines Gegners: Wang Hao verschlug auffällige viele Schmetterbälle, wenn Maze in die Ballonabwehr gedrängt wurde. Schließlich ließ Michael es darauf ankommen und ging bewusst in die Defensive – der Plan ging auf, Maze gewann 4-0. Im Viertelfinale stand ein weiterer Chinese, das Supertalent Hao Shuai. Das Spiel sah zunächst wie ein klarer Sieg für Hao aus, er gewann die ersten drei Sätze mit 11:5, 11:8 und 11:6 – und führte im vierten Satz mit 10:7 – drei Matchbälle! Beim Stand von 10:8 sah es so aus, als wollte Michael Maze den Zuschauern noch einen letzen spektakulären Ballwechsel bieten und er ließ sich wieder vom Tisch in die Ballonabwehr drängen. Doch wie zuvor Wang Hao, verschlug auch Hao Shuai den Schmetterball meterweit. Maze witterte seine Chance, doch bei 10:9 schien das Ende endgültig greifbar. Beim Wechsel in die Rückhandseite rutschte Maze aus und verlor das Gleichgewicht. Auf dem Boden sitzend spielte er den Ball mehr schlecht als recht zurück auf den Tisch. Doch wieder verfehlte Hao den einfachen Ball. Obwohl er noch einen Matchball hatte, merkten die Zuschauer in China, wie das Spiel kippte.

Mit Ballonabwehr zum Sieg

Immer wieder entfernte sich Maze vom Tisch und spielte bewusst hohe, lange Bälle – bis Hao Shuai einen Schmetterball verfehlte. Genau wie im Achtelfinale. Die kuriose Erklärung dafür: Der Schmetterball ist einer der ersten Schläge, die Spieler lernen. Im Amateurspiel ist er zwar gefürchtet, aber im professionellen Tischtennis kommt er nur selten vor. Daher hatten die Topchinesen wenig Erfahrung im Schmetterspiel. Genau diesen Umstand nutzte Maze zu seinem Vorteil und besiegte so zwei der besten chinesischen Spieler seiner Zeit. Im Halbfinale gegen Ma Lin konnte er so jedoch nichts ausrichten, die chinesischen Trainer waren gewarnt und stellen Ma konsequent auf die „Mondbälle“ des Dänen ein. Doch die Sensation war perfekt. Das Viertelfinale in ganzer Dramatik gibt es hier zu sehen. Die Matchbälle von Hao Shuai ab 26:45 min.

Das Interview

maze_22_07_12_LargeNach langen Verletzungspausen, Operationen an Knie und Hüfte und zahlreichen Comebackversuchen, hat sich Michael Maze nun entschlossen, seine bewegte und bewegende Karriere zu beenden. Wir konnten ihm dazu einige Fragen stellen.

Q: Michael, wer war immer dein Idol im Tischtennis?

A: Ganz klar der Schwede Jan-Ove Waldner. Der beste Spieler aller Zeiten!

Q: Was war der beste Moment deiner Karriere?

A: Glücklicherweise hatte ich davon einige. Aber der Gewinn der Europameisterschaft mit dem Team (2005) und im Einzel (2009) war ein großer Traum für mich.

Q: Was war der schlimmste Moment?

A: Alle meine Verletzungen..

Q: Was wirst du besonders vermissen?

A: Die großen Turnier und die wichtigen Matches denke ich.

Q: Was wirst du definitiv nicht vermissen?

A: Morgens mit Schmerzen aufzuwachen und keine Zeit für meine Freunde und Familie zu haben.

Q: An welchen Spieler aus deiner aktiven Zeit erinnerst du dich besonders gerne?maze_bax_kendte-620x348

A: An Vladi (Anm: Vladimir Samsonov)! Er war bereits in Düsseldorf, als ich als junger Spieler dorthin wechselte. Er ist ein fantastischer Spieler und eine großartige Persönlichkeit.

Q: Wer war immer dein Erzrivale?

A: Timo Boll! Wir sind aus dem gleichen Jahrgang und haben unzählige Male gegeneinander gespielt. Er ist ein wahnsinnig guter Spieler und wir haben uns oft große Kämpfe geboten.

Q: Gab es jemanden, gegen den du nie eine Chance hattest?

A: Ich glaube, ich konnte immer alle schlagen!

Q: Was hat dich dazu bewegt, jetzt den Schlussstrich zu setzen?

A: Ich habe mich entschlossen, jetzt meine Karriere zu beenden, weil mein Körper die Belastung nicht mehr durchstehen kann. Mit der Trainingsleistung, die ich noch ohne Schmerzen bringen kann, bin ich als Profi nicht mehr konkurrenzfähig. Ich habe mir immer vorgenommen aufzuhören, bevor es zu spät ist.

Butterfly wünscht Michael Maze alles Gute für seine Zukunft und wir sind stolz, einen so aussergewöhnlichen Spieler als Ausrüster unterstützt haben zu dürfen. Goodbye Michael Maze!

 

Über den Autor

Seb

Sebastian begann mit dem Tischtennissport mit 11 Jahren und schaffte es bis in die 5. deutsche Liga. Aktiv im Profisport ist er dennoch: Seit 2011 arbeitet Sebastian als TV-Kommentator für die ITTF und berichtet Live von den großen internationalen Turnieren. Seit 2014 ist er Teil des Butterfly-Teams und arbeitet im Export und Marketing als Übersetzer und Lektor.

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