Die Deutschen Einzelmeisterschaften im hessischen Heuchelheim bei Gießen sollten Ende letzter Woche leider genauso tragisch und dramatisch verlaufen – wie sie sportlich und spannend waren. Denn Herbert Pietsch, Vorstandsmitglied der DBS-Tischtennis Abteilung, erlitt auf dem Weg ins Hotel am Steuer einen Herzinfarkt und verstarb in der Nacht im Krankenhaus. Dies erfuhren wir mit großer Bestürzung und wir gedenken seiner mit großer Anteilnahme! Damit rückte das Spielgeschehen am Freitagabend des Turnieres verständlicherweise in den Hintergrund. Aus Berichten von Sonja Scholten (Deutsches Tischtennis-Internat, Düsseldorf) und Jochen Wollmert.

Trauer um Herbert Pietsch

Herbert Pietsch, Quelle: DSB Website

Herbert Pietsch, Quelle: DSB Website

Herbert Pietsch lebte den Tischtennissport und spielte selbst, solange seine Gesundheit es zuließ, zudem kannte niemand die Satzungen und Regelwerke so wie er.

Der 71-Jährige war seit 2006 ständiges Mitglied im Vorstand der Abteilung Tischtennis im DBS und dort zuständig für die Bereiche Regeln und Ordnung sowie Finanzen. Bereits ein Jahr zuvor hatte er die Position des Landesfachwartes Tischtennis im Rehabilitations- und Behinderten-Sportverband Schleswig-Holstein übernommen.

Das Organisationskomitee der Deutschen Einzelmeisterschaften beschloss am Samstagmorgen letzter Woche die Wettkämpfe in seinem Sinne weiterzuspielen, doch einige Spieler aus dem Norden, der Heimat Herbert Pietsch’s, zogen ihre Einzelmeldung zurück.

Dennoch wurden in der Halle des TSF Heuchelheim weiterhin tolle sportliche Leistungen gezeigt.

Damen

Bei den Damen überragte Juliane Wolf (BSG Offenburg) mit dem Titel in der offenen Klasse und der kombinierten Wettkampfklasse 6-8, sowie einer Silbermedaille zusammen mit Lokalmatadorin Christine Lenke (TSF Heuchelheim) in der offenen Damen-Doppelkonkurrenz. Auch Marlene Reeg (TTG Büßfeld) stellte mit zweimal Gold bei den Damen der WK 9+10 und im Damendoppel mit Lena Kramm (BSV München) sowie Bronze in der offenen Klasse ihre Stärke eindrucksvoll unter Beweis. In der WK AB gewann Newcomerin Kathrin Schanz (TTG Büßfeld)das Finale gegen die junge Marina Piske (BSG Neumünster).

Herren

Die offene Klasse der Herren konnte der Solinger Jan Brinkmann für sich entscheiden, Finalgegner Michael Roll (BSA SV Hoffeld) revanchierte sich jedoch in der WK 10, wo er Brinkmann auf Platz 2 verwies. Bei den Allgemein-Behinderten (WK AB) setzte sich Tobias Schneider (BSV München) gegen den Gelsenkirchener Mika Winnen durch, der dafür aber den Doppel-Wettbewerb in der WK AB mit Wilhelm Haneke (VSG Wuppertal) gewann. Yannik Rüddenklau (TTG Büßfeld) verteidigte seinen Titel in der WK 9 ohne Satzverlust und gewann in der offenen Klasse eine Bronzemedaille. Zusammen mit Mateusz Krók (ebenfalls Büßfeld) holte Rüddenklau zudem Silber im Doppel der WK9, die Hessen verloren im Finale gegen Daniel Neumann und Gerrit Zucker (beide TSV Thiede). Für Johannes Urban (TSV Thiede)war das Wochenende ebenfalls erfolgreich: In der WK8 setzte er sich gegen seinen Doppelpartner Joshua Wagner (BSG St. Ingbert) durch, mit dem er im Doppel der WK 8 ebenfalls den Titel holte.

Jochen Wollmert Foto: Scholten

Jochen Wollmert Foto: Scholten

Jochen Wollmert gewann in der WK 7 seinen 22. Titel im Einzel bei seiner 30. Teilnahme an Deutschen Meisterschaften und holte auch in der offenen Klasse Bronze sowie Silber im Doppel der WK10 mit Jan Brinkmann.

Die Deutschen Meisterschaften begannen für Wollmert zunächst mit der Offenen Klasse. Als stark behinderter Tischtennisspieler musste sich der Wuppertaler hier überwiegend mit deutlich leichter behinderten Spielern messen. Dass er auch hier seinen Mann stehen kann bewies Wollmert mit einem hervorragen 3. Platz. Dabei schlug er u. a. David Korn, der im unteren Paarkreuz der Badenliga eine gut positive Bilanz aufweist. Im Viertelfinale konnte Wollmert dann auch noch Wilhelm Haneke in Schach halten und zog gegen Michael Roll ins Halbfinale ein. Gegen den kommenden Oberligaspieler aus der Wettkampfklasse 10, konnte Wollmert zwar mithalten, aber am Ende war der 22-Jährige den Tick besser. In der Doppelkonkurrenz hat sich Jochen Wollmert extra der Herausforderung gestellt in der Klasse 10 (Klasse mit dem geringsten Handicap) an den Start zu gehen. Mit Jan Brinkmann erreichte er auf Anhieb Platz 2 im erlesen Feld der 10er. Trotz bereits 10 Matches in den Knochen  wurde Jochen Wollmert am drauffolgenden Samstag dann seiner Favoritenrolle in der Einzelkonkurrenz (WK 7) gerecht. Ohne Satzverlust zog Wollmert nach zwei Siegen in der Vorrunde, sowie im Viertel- und Halbfinale ins Finale ein. Auch dort gab sich Wollmert keine Blöße und siegte mit 3:0 gegen den Solinger Christian Upmann.

Für Jochen Wollmert war es der erste gute Test auf dem Weg zu seinen 7. Paralympics im kommenden Sommer. Bereits am 3. Mai geht es dann zum ersten internationalen Test zum Weltranglistenturnier ins slowenische Lasko. Dort werden von den 15 Teilnehmern in Rio de Janeiro 12 am Start sein. „Ich möchte den ein oder anderen vor mir Platzierten schlagen und die hinter mir Platzierten auf Abstand halten“, sagt Wollmert.

„Wenn ich an das Niveau der Deutschen Einzelmeisterschaft ran komme, ist das ein durchaus machbares Ziel. Dann ist auch eine Medaille möglich.“

Hier ein Video zum sportlichen Geschehen vom Regionalsender Rheinmain TV:

Den Titel im Doppel der WK10 holten übrigens Ralf Meyer/Gerd Werner (BSG Offenburg / BSV Walldorf). In der WK 6 besiegte Thomas Rau (RBS Solingen)im Finale Klaus Mewes von Borussia Düsseldorf, der sich im Halbfinale gegen C-Kader Athlet Tim Laue (BSA SV Hoffeld) durchsetzte und so seine erste Medaille bei Deutschen Meisterschaften gleich versilbern konnte. Auch den Doppelwettbewerb der WK6+7 gewann Thomas Rau mit Timo Himstedt (BSG Neumünster).

Sieger mit Til Schweiger u Dragoslav Stepanovic

Sieger mit Til Schweiger u Dragoslav Stepanovic

VIP-Gäste

Ein Highlight bot der Samstag noch: Schauspieler Til Schweiger, der in Heuchelheim aufgewachsen ist, kam am Nachmittag in der Halle vorbei und nahm am Abend ebenso die Siegerehrungen der Herren vor – assistiert wurde ihm dabei vom ehemaligen Eintracht Frankfurt Spieler und Trainer Dragoslav „Stepi“ Stepanovic, der seit 2013 die hessische Landesauswahl im Behinderten-Fußball trainiert.

Beide Ehrengäste nahmen sich im Anschluss viel Zeit für Fotowünsche.

 

 

Über den Autor

Frank

Vom Kindergarten bis zur Uni stand er hochambitioniert am Tisch. Heute sitzt der Werbetexter und Japanisch-Übersetzer am Tisch – und setzt sich für das Online Marketing von Butterfly mit allen Themen auseinander, die die Tischtenniswelt bewegen.

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