In unserer Reihe „NACHWUCHS AHOI!“ sprechen wir mit Vereinen, denen es in Zeiten rückläufiger Mitgliederzahlen gelingt, Nachwuchs anzuziehen und langfristig für den Sport zu begeistern. Dem SV DJK Holzbüttgen gelingt dies augenscheinlich sehr gut. Woran liegt dies? Wir haben mit Jugendwart Jens Rustemeier gesprochen, der als Diplom-Trainer für das gesamte Jugendtraining zuständig ist.

Jens Rustemeier

Jens Rustemeier, SV DJK Holzbüttgen

Schon über Jahre erfreut sich euer Nachwuchstraining nicht nur regen Zulaufes, sondern viele bleiben dem Sport und eurem Verein sogar treu. Was macht ihr anders, was macht ihr richtig?

Ob wir vieles anders machen als andere Vereine weiß ich nicht. Wir setzen seit Jahren in unserem Jugendtraining auf Kontinuität und auf eine Betreuung vom Grundschulalter an.

Eine wichtige Stütze dabei ist die Zusammenarbeit mit der benachbarten Grundschule in Holzbüttgen. Die Kooperation läuft seit fast zwanzig Jahren. Wir haben Spieler/innen in unseren Regionalliga-Mannschaften, die in dieser Gruppe damals im zweiten Schuljahr mit dem Tischtennis angefangen haben und jetzt Leistungsträger unserer Top-Teams sind. Heute beginnen wir die Betreuung sogar schon mit den Erstklässlern. Viele dieser Kinder schnuppern schon frühzeitig in das Vereinstraining und so entsteht in vielen Fällen eine enge Bindung an den Verein, die viele Jahre und im Idealfall bis in den Erwachsenbereich halten kann.

Nils Dost, SV DJK Holzbüttgen

Nils Dost, SV DJK Holzbüttgen

Im Vereinstraining arbeiten wir dann in Anfänger- und Fortgeschrittenen-Gruppen an der gezielten Weiterentwicklung der tischtennis-spezifischen Fähigkeiten. Dafür haben wir ein ausgebildetes Team aus erfahrenen und jungen Trainern zusammen. Um an der Spitze bestehen zu können, bieten wir darüberhinaus ein Leistungstraining mit den richtig guten Talenten an.  Damit die Jugendlichen kommen und auch bleiben, muss das Gesamtpaket stimmen.

Gerade der weibliche Nachwuchs wird in Deutschland immer weniger. Wie schafft ihr es, auch in diesem Bereich erfolgreich gegen den Trend zu steuern?

Einfacher wird das nicht. Das merken wir auch. Im Moment sieht es aber noch ganz gut aus. Wir sind einer der wenigen Vereine in NRW, die noch eine Mannschaft in der höchsten Mädchen-Liga stellen können, sind aber auch dabei, im jüngsten Nachwuchsbereich für Verstärkung zu sorgen. Dafür haben wir eine Trainerin engagiert, die sich bei uns speziell um diese Talente kümmert. Darüber hinaus halten wir natürlich auch Kontakt zu Vereinen in der Umgebung, in denen es nur wenig Mädchen gibt. Die haben bei uns natürlich eine gute Perspektive, wenn sie nicht nur mit Jungs zusammenspielen wollen.

Wie bringt ihr Kinder auf den Weg zur TT-Abteilung deines Vereins?

Das gelingt in erster Linie tatsächlich über die Grundschule. Die Sieben- bis Neunjährigen sind am ehesten zu begeistern. Sie probieren gerne etwas Neues aus. Die meisten Kinder fangen mit Fußball an. Wenn sie dann beim Tischtennis sind, ihnen Aufmerksamkeit geschenkt wird, dann entdecken sie schnell den Spaß für die neue Sportart. Das ist eigentlich der spannendste Moment. Wenn man es als Verein schafft, in dieser Phase die Kinder weiter für die Sportart zu begeistern, dann bleiben sie oft auch lange dabei.

Wie gelingt es euch, dass so viele Kids dem Trainingsangebot treu bleiben, obwohl der Weg bis zum ersten flüssigen Spielerlebnis gerade im Tischtennis so weit ist? Welche Routinen habt ihr, welches sind die wesentlichen Trainingsinhalte bis dahin?

Das funktioniert langfristig nur, wenn die Motivation zum Tischtennis von den Kindern selbst kommt. Der Spaß spielt eine wichtige Rolle. Kinder müssen gerne zum Training kommen. Ist dies nicht der Fall, dann springen die Kinder ab. Diese Fälle kommen oft vor. Merkt man dies als Trainer, sollte man nicht krampfhaft dagegen steuern, sondern loslassen können. Es gibt viele andere schöne Sportarten, auch die brauchen Nachwuchs.

Aber die Kinder, die wirklich wollen, sollten auch optimal gefördert werden. Wenn ein Kind das Gefühl hat, dass es ernst genommen wird und weiterkommt, dann steigert dies die Motivation. Kinder vergleichen sich mit anderen, wollen besser werden und messen sich dann auch gerne im sportlichen Wettkampf.

Wie erfolgt der Anschluss der Jugendlichen an die Erwachsenen?

Das Problem war früher größer als heute. Heute gelingt dies durch die doppelte Spielberechtigung für den Jugend- und Erwachsenbereich sehr gut. Es ist fast schon eine Selbstverständlichkeit bei uns geworden, dass jugendliche A-Schüler mit 60- oder 70-jährigen in einem Erwachsenteam zusammenspielen. Dadurch lernen sich die unterschiedlichen Generationen besser kennen und die Hemmnisse, sich gegenseitig anzusprechen, auch wenn es um eine gemeinsame Trainingseinheit geht, lösen sich schnell auf.

Vielen Dank für das Interview!

Hier der Link zur Website von Holzbüttgen:

http://djk-holzbuettgen-tischtennis.de/

Über den Autor

Frank

Vom Kindergarten bis zur Uni stand er hochambitioniert am Tisch. Heute sitzt der Werbetexter und Japanisch-Übersetzer am Tisch – und setzt sich für das Online Marketing von Butterfly mit allen Themen auseinander, die die Tischtenniswelt bewegen.

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