Mit Attributen wie „Wunderknabe“ und „absolutes Ausnahmetalent“ wird Tomokazu HARIMOTO, der Ende Juni dieses Jahres 13 Jahre alt wurde, in Japan bereits mit Superlativen überhäuft und hat höchste Erwartungen auf sich gezogen. Bereits seit seinem ersten Grundschuljahr erringt er diverse nationale Titel und erfreut sich in Japan eines ähnlichen Medieninteresses wie die erwachsenen Stars der japanischen Tischtenniswelt.

Tomokazu HARIMOTO – Herkunft & erste Erfolge

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Tomokazu und Mutter Ling

Tomokazu HARIMOTO wurde am 27.6.2003 geboren. Seine Heimatstadt ist Sendai in der Präfektur Miyagi. Der Offensiv-Spieler ist Rechtshänder und spielt mit der Shakehand-Schlägerhaltung. Trotz seiner jungen Jahre hat HARIMOTO ein Spiel, mit dem er selbst erwachsene Profis nicht nur verblüfft – sondern immer öfter auch zu Fall bringt. Darunter gestandene Profis wie Jens Lundquist oder TAN Ruiwu und andere Top-Youngster wie TTBL-Spieler Hugo CALDERANO oder Anton KÄLLBERG. In der Weltrangliste wird HARIMOTO bei den U15-Jährigen derzeit auf Platz 2 und bei den U18-Jährigen auf Platz 24 geführt. Bereits seit seinem ersten Grundschuljahr schaffte es Tomokazu auf die Japanischen Meisterschaften – und dominierte sie seitdem über mehrere Altersklassen hinweg. Ähnliches gelang vor ihm bisher nur Ai FUKUHARA bei den Mädchen.

Tomokazus Eltern sind beide Tischtennis-Spieler chinesischer Nationalität. Sein Vater, Yu, war chinesischer Jugendnationalspieler und kam 1998 zum ersten Mal nach Japan, um im Tischtennis-Center der Stadt Sendai als Trainer zu arbeiten.

Auch seine Mutter, Ling, war ein so großes Talent, dass sie bei den Weltmeisterschaften 1995 im chinesischen Nationalteam auflief.

Tomokazu HARIMOTO

Tomokazu HARIMOTO

Bei Eltern mit  derartigem Hintergrund verwundert es wenig, dass Tomokazu bereits als 2-Jähriger mit dem Tischtennis begann. Mit 3 Jahren und 4 Monaten nahm er zum ersten Mal an einem Turnier auf Präfekturebene teil und belegte in dem U8-Wettbewerb den vierten Rang. Mit sechs Jahren, kurz vor seiner Einschulung in die Grundschule, spielte er sich in der U8-Klasse bis in die Präfektur-Auswahl und erstmals auch zu den Japanischen Meisterschaften. Dort kämpfte er sich bis unter die letzten 16 vor.

Eigentlich ein schöner erster Erfolg. Doch heute weiss Tomokazu, dass er bereits seit der Kindergartenzeit aufs Siegen fixiert war und ihn diese Niederlage im Achtelfinale stärker berührt hatte als er dachte.

„Diese Erfahrung gab mir den entscheidenden Kick, mich vollständig dem Tischtennis zu verschreiben.“

Im darauffolgenden Jahr gab HARIMOTO auf den Japanischen Meisterschaften in der U8-Klasse denn auch kein Spiel mehr ab und holte sich den Titel. Ergebnisse wie diese ließen erahnen, dass hier ein großes Talent heranwächst.

Tatsächlich blieb er auch in den anschließenden 2 Jahren bis auf nationale Ebene erfolgreich – und zwar in der U10-Klasse gleich mit. Im dritten Grundschuljahr wurde er mit 9 Jahren zum jüngsten Teilnehmer bei den Japanischen Meisterschaften im Jungen-Wettbewerb. Ein Jahr später, mit 10, schaffte er es dort bis in die dritte Runde und holte sich sämtliche Titel in den darunter liegenden Klassen.

Bei den POLISH OPEN im Oktober 2015 wurde er zum jüngsten Spieler überhaupt, der es bis in die Finalrunde eines solchen Turniers geschafft hatte und setzte damit einen Rekord.

Im Juni 2016, 10 Tage vor seinem 13 Geburtstag, fügte er diesem Rekord auf den JAPAN OPEN 2016 einen weiteren hinzu: Als jüngster Spieler jemals besiegte er im U21-Finale dieses ITTF World Tour-Turnieres auch Landsmann Kohei SAMBE, der ab der kommenden Saison bei Grenzau in der TTBL aufschlägt. Glücklich kommentierte Tomokazu:

„Ich konnte vor heimischem Publikum optimal aufspielen und bin glücklich und stolz, auch den Altersrekord gebrochen zu haben“

„Mein ultimativer Traum ist es, 2020 Olympiasieger in Tokyo zu werden.“

Hier das U21-Finale in gekürzter Fassung:

Worin liegt die Quelle für dieses Talent?

Tomokazu selbst führt es auf seinen unbedingten Siegeswillen zurück, der ihn schon immer beherrscht habe.

„Der Wille zu siegen ergreift mich nicht nur, wenn ich gegen Gleichaltrige spiele, sondern sogar im Spiel gegen viel Ältere.“

Tomokazu HARIMOTO

Tomokazu HARIMOTO

Im April dieses Jahres verließ Tomokazu HARIMOTO seine Heimatstadt Sendai, um in die JOC „Elite Academy“ nach Tokyo zu wechseln. Eine Institution, die vom Japanischen Olypischen Komitee eingerichtet wurde, um jungen Toptalenten dabei zu helfen, sich schulisch wie sportlich ihren Potenzalen entsprechend entwickeln zu können und im internationalen Wettbewerb ihrer Sportart zu bestehen.

Anfangs kümmerte sich seine Mutter Ling darum, Tomokazu die ersten Schritte und das Einmaleins des Tischtennis beizubringen.

„Gerade ganz am Anfang, wenn man mit dem Tischtennis beginnt, ist es sehr wichtig, nicht einseitig das Erlernen der technischen Aspekte in den Vordergrund zu stellen, sondern vorrangig Neugier, Lust und Leidenschaft zu wecken. So auch bei Tomokazu. Die Lust auf das Tischtennis-Spiel ist gerade für Kinder der wichtigste Motor, um von sich aus weitermachen und besser werden zu wollen. Wichtig für die weitere Entwicklung ist es dennoch, frühzeitig ein Auge auf korrekten Spielstil und Technik zu haben.“

„Tomokazu liebt Turniere – und hasst es zu verlieren. Wenn es etwas gibt, dass Tomokazu weiterhin auszeichnet, dann ist es gewiss, dass er sich in jedem Spiel gegen jeden Gegner bis zum allerletzten Ball auf höchstem Konzentrationsniveau hält. Dies ist wohl einer der wesentlichen Gründe dafür, dass er über ein ganzes Turnier hin seine technischen Fähigkeiten vollständig abrufen kann. Für die Zukunft wünsche ich mir, dass er genauso ausdauernd und hartnäckig wie bisher einersetis die Grundlagen trainiert und andererseits seine Technik weiter ausbaut.“

Tomokazu HARIMOTO – Material

Auf drei Dinge legt Tomokazu HARIMOTO bei seinem Material heute besonderen Wert: Erstens „gute Speed- & Spin-Entwicklung“, zweitens „optimale Ballgefühl beim Gegenziehen“.

„Auf der Vorhand geht es mir vor allen Dingen darum, Rotation in den Ball zu bekommen und in Topspin-Duellen zu bestehen. Auf der Rückand brauche ich einen etwas weicheren Schwamm, um mit viel Kontrolle Kontern und Ziehen zu können.“

Harimoto_blade_16-3_600x390Holz

Sein Holz ist ein Butterfly Spezialholz mit Arylate-Carbon und Innerfiber-Technologie. Bisher spielte er ein ZLF-Holz der Innerfiber-Serie. Mit dem Eintritt in die Mittelschule blieb er zwar bei einem Holz mit Innerfiber-Technologie, aber mit Arylate-Carbon.

„Um in längeren Ballwechseln und besonders beim Gegenziehen gefährlich genug zu bleiben, brauchte ich ein Holz, das mehr Tempo und Spin ermöglicht als das bisherige.“

Beläge

Beim Belag habe er sich wegen dessen besten Balance von Speed und Rotation für einen TENERGY 80 entschieden. Wegen der besonderen Tempo-Entwicklung hatte er bis dahin mit einem TENERGY 64 gespielt.

„Mit dem TENERGY 80 fällt fällt es mir leichter, Topspins nicht nur weiterhin recht schnell, sondern auch mit mehr Rotation zu spielen. Ich habe auch das Gefühl, damit in Topspin-Duellen etwas mehr Kontrolle über den Ball zu haben.“, stellt Tomokazu fest.

Auf der Rückhand spielt er den TENERGY 05 FX.

„Der Schwamm ist sehr weich und gibt mir sehr gute Ballkontrolle“.

Dank ihrer besonders weichen Schwämme, wodurch sich der Ball beim Kontakt sehr tief in den Belag frisst, ermöglichen alle Belagmodelle der TENERGY FX-Serie eine sehr gute Ballführung. Innerhalb der TENERGY FX-Serie gelingt es dem TENERGY 05 FX am besten, dabei ein Höchstmaß an Rotation in den Ball zu bringen. Das ist besonders für HARIMOTO in seiner momentanen Phase sehr wichtig, in der er sich immer mehr mit erwachsenen Spielern misst.

„Sobald ich fühle, dass ich dank gewachsener Körperkraft und stetem Training mehr Härte in die Bälle bekomme, werde ich gewiss auch Beläge mit härteren Schwämmen ausprobieren“, hat sich Tomokazu vorgenommen.

Techniken

Harimoto_p34-35_o-7_600x400Interessant ist in diesem Zusammenhang auch Tomokazus Feststellung zum Thema Schlägerhaltung.

„Ausserhalb der Ballkontakte und der Milisekunden davor umgreife ich meinen Schläger ohne besonderen Kraftaufwand. Sonst verkrampfen Handgelenk und Unteram nur, was sich negativ aufs Spiel auswirkt.

Besonders fest halte ich den Schläger allerdings in und kurz vor einzelnen Schlägen, weil ich die Bälle dann kraftvoller spielen kann. Meine Schlägerhaltung selbst bleibt immer gleich. Ich ändere sie auch beim Wechsel zwischen Vorhand- und Rückhand-Spiel nicht. Lediglich agiere ich bei Topspins dann sehr stark mit dem Handgelenk“

Harimoto_13-1_400x600So gibt es auch beim Thema Spielweise und Techniken bereits sehr viele Details, die ihn selbst im Senior-Vergleich auszeichnen und einer Betrachtung wert sind. Doch sie an dieser Stelle aufzuzeigen, würde den Rahmen sprengen und folgt zu einem späteren Zeitpunkt.

10 Fragen an Tomokazu Harimoto

Q1 Wie würdest du deinen Charakter bechreiben?

Wohl eher als etwas menschenscheu und schüchtern (lacht).

Q2 Worin siehst du, aufs Tischtennis bezogen, deine besondere Stärke?

Darin, immer und unbedingt gewinnen zu wollen. Egal gegen wen.

Q3 Was war dein bestes Spiel bisher?

Das war bei den POLISH OPEN 2015 gegen TAN Rui Wu aus Kroatien. Weil ich mich dort im Entscheidungssatz mental nochmal zusammenreissen konnte, nachdem TAN einen Satzrückstand von 1:3 auf mich ausgleichen konnte.

Q4 Welchen Spieler bewunderst du besonders?

FAN Zhendong (China).

Q5 Wer deiner Freunde steht dir am nächsten?

Tonin RYUZAKI, würde ich sagen. Er studiert auch an der JOC Elite Academy (und an der Teikyo-Universität). Schon allein, weil wir uns oft einen Raum teilen (lacht).

Q6 In all den Ländern, in denen du bereits warst, etwas ganz besonders?

Ja, in Schweden, weil ich die Städte sehr schön fand und ich in toller Form war.

07 Hast du  Hobbies?

Ja, Connan-Comics zu lesen beispielsweise (lacht).

08 Was sind deine Ziele für die nächste Zeit?

Ein Sieg im U18-Wettbewerb bei den nächsten Japanischen Meisterschaften.

Q9 Welchen Eindruck hast du von Butterfly?

Butterfly ist für mich die Topmarke unter den Tischtennis-Herstellern und hat in Japan wie in der Welt beste Spieler unter Vertrag.

Q10 Was bedeutet Tischtennis für dich?

Mein Leben.

 

Übersetzung aus dem Japanischen und redaktionelle Bearbeitung durch Frank Völler

Über den Autor

Manabu

Manabu Nakagawa ist Redakteur und Herausgeber des „Table Tennis Report”. Das japanische Magazin wurde von Hikosuke Tamasu (dem Gründer von Tamasu Co.) gegründet. Manabu begleitet das beliebte Magazin mit 60 jähriger Tradition seit 25 Jahren und bereist viele Länder, um von hochkarätigen Turnieren wie den olympischen Spielen oder der Weltmeisterschaft zu berichten. Dabei übernimmt er vielseitige Aufgaben, kümmert sich um Reportagen, Fotos und Interviews mit den Topspielern, zu denen er ein freundschaftliches Verhältnis pflegt.

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3 Kommentare

  1. Timo

    Das ist echt erstaunlich wie ein 12-jähriger Junge solche Leistungen aufbringen kann. Er wird bestimmt mal ein ganz großer. Ich wünsche die auf jeden Fall viel Glück und Erfolg in den nächsten Jahren. lg

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  2. Torsten

    Ja, erstaunlich. Kein Wunder bei solchen Eltern möchte man zuerst meinen. Aber er ist bestimmt nicht der einzige Sohn vormals erfolgreicher Tischtennis-Spieler, dem schon mit 2, 3 Jahren der Sport nahegebracht wird – aber meines Wissen der einzige, der mit 11 oder 12 einen Jens Lundquist oder einen Tan Ruiwu schlägt.

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  3. René

    Wieder mal ein schönes Interview, vielen Dank! Hoffentlich bleiben größere Verletzungen für den Japaner aus und er schont auch seinen Körper. Ich freue mich auf den ersten Sieg gegen einen Top-Chinesen.

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