Die Tischtennis Jugend-Europameisterschaft in Zagreb ist beendet – die Titel verteilt. Mit darunter natürlich die Butterfly-Stars von morgen. Wir haben exklusive Interviews mit unseren jungen Talenten aus drei Ländern geführt und sie über die ereignisreiche Zeit zwischen dem 8. und 17. Juli und ihre Erfolge in Kroatien befragen können..

Der Sonntag war ein aufregender Tag für Adina Diaconu (17Jahre, Rumänien) und Alexandre Cassin (18, Frankreich). Beide Butterflyspieler standen im Finale der Jungen, bzw. Mädchenklasse und beide sollten ihr Match jeweils 4:0 gewinnen.

Eine Analyse von ADINA DIACONU (ROU) – Gold im Mädcheneinzel, Mädchen Team

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Adina Diaconu

Es war ein richtig hartes Turnier! Als ich zu Hause abreiste, hatte ich noch starke Zweifel, ob meine Leistung ausreichen könnte. Etwa 10 Tage vor dem Turnier musste ich beim Training wegen einer Handverletzung aussetzen und ich wusste noch nicht genau, wie sehr ich schon wieder belastbar bin. In der Teamphase haben wir auch einen entsprechend schlechten Start erwischt und in der Gruppe gegen Weißrussland verloren. Danach wurde es nicht einfacher, unsere Auslosung war alles andere als ideal. Schon im Viertelfinale trafen wir auf Frankreich, die wir eigentlich erst im Finale erwartet hätten. Nach unserer Auftaktniederlage konnten wir uns aber deutlich steigern und gingen motiviert durchs Turnier. Der Gegner im Finale lautete schließlich Serbien, was uns ein wenig überraschte. Dennoch wussten wir: Die Serben sind ein Team aus Kämpfern. Im ersten Einzel spielte ich gegen Izabela Lupulesku und wusste von Anfang an, dass dieses Match entscheidend für die gesamte Begegnung sein könnte. Am Ende können wir als Team sehr stolz auf unseren Sieg sein und auf unsere zweite Goldmedaille ebenso. Mit diesem Titel konnten wir uns für das nächste Großereignis – die Jugend WM qualifizieren. Ich möchte die Gelegenheit nutzen und neben meinen Mitspielerinnen vor allem unserer Teampsychologin danken, die uns in engen Situationen immer gut beraten konnte. Ohne sie wären wir vermutlich nicht Europameister geworden.

Im Doppel der Mädchenkonkurrenz konnten wir unsere Konzentration und Leistung aufrechthalten. Und wir mussten es auch, weil wir von Anfang an wussten, dass wir nicht das beste Doppel zusammen spielen. Dennoch lief es in Zagreb unheimlich gut und erstaunlich leichtfertig. Im Finale hatten wir gegen die Mädels aus Belgien eine Riesenchance auf den Sieg, hatten aber im entscheidenden Moment etwas Pech und damit das Nachsehen.

In der wichtigen Einzelkonkurrenz konnte ich von Anfang an auf guten Leistungen aufbauen, mich im zagreb5Turnierverlauf steigern und zeigte mein insgesamt bestes Spiel dann im Halbfinale beim Sieg gegen Zhang Xuang aus Spanien. Ich führte früh mit 3-0 und wurde dann vielleicht ein bisschen zu locker, denn meine Gegnerin holte auf und spielte immer stabiler. Im Entscheidungssatz hatte ich dann einen zusätzlichen Motivationsschub als mir klar wurde, dass nur ein weiterer Satz zwischen mir und dem Finale steht, nur noch ein Satz!

Ich war überrascht, dass ich im Finale dann gegen eine Spielerin aus Azerbaijan antreten musste. Das hat mich dann doppelt motiviert, denn meine Teamkameradin Andreea Dragoman hatte gerade erst gegen sie verloren und außerdem wollte ich meinen Titel verteidigen. Nach dem Sieg war ich sehr stolz und erleichtert, in 5 Jahren Jugend EM konnte ich insgesamt 12 Titel gewinnen – nur noch einer fehlt mir um mit Spitzenreiter Vladimir Samsonov gleichzuziehen. Das heißt nächstes Mal wird meine letzte Gelegenheit dazu sein, aber das setzt mich nicht unter Druck. Ich versuche einfach weiter gesund und verletzungsfrei zu bleiben. Die Resultate kommen dann von selbst.

Hier kann man Adina’s Leistung im Finale noch einmal bewundern..

Adina spielt das Timo Boll ALC Holz mit Tenergy 05 FX auf Vor- und Rückhand.

Interview mit ALEXANDRE CASSIN (FRA) – Gold im Jungeneinzel

Championnats de France 2016. 1/16eme de finale. Brest Arena, 15-17 Avril 2016.

Alexandre Cassin

Bereits 2014 wurde er Jugendeuropameister, als er noch bei den Cadets vor 2 Jahren auch den Titel kassiert, wurde er zum ersten französischen Spieler, der in beiden Kategorien die Goldmedaille gewann. Jetzt ist er erfolgreichster Nachwuchsstar in Frankreich und gehört zu den größten Hoffnungen für Europas Zukunft im Tischtennis. Mit 8 Medaillen, drei im Einzel und 5 im Mannschaftswettbewerb ist ein wichtiger Schritt gemacht. Die Rede ist von Frankreichs Alexandre Cassin.

Wie fühlst du dich und wie ist der gefühlte Unterschied zu deinem Sieg 2014?

Es ist total anders. Ich habe in meinem ersten Jugendjahr gewonnen, hatte in der Cadetklasse 2012 und 2013 den Titel geholt. Damals war meine Motivation vor allem zu zeigen, dass ich es kann, jetzt ist es eher um zu beweisen, dass ich nicht aufgebe.

Nach dem Matchball hast du eine bestimmte Geste gemacht – was bedeutete das?

Das war in Richtung Joe Seyfried (Coach) und meiner Mannschaft – die Handgeste hat mit dem Rapper Jul zu tun.

2015 in Bratislava hattest du im Teamfinale gegen den Schweden Anton Källberg gewonnen, im Einzel dann aber klar verloren. Hat dich das hier noch beschäftigt?

Mit dieser Niederlage hatte ich mich noch monatelang beschäftigt. Damals wurde mir mangelnder Wille und negative Einstellung vorgeworfen und das habe ich mir zur Herzen genommen. Ich habe hart an mir gearbeitet und mich auf allen relevanten Ebenen (Physis, Taktik und Technik) verbessern können. 2015 habe ich im Finale nicht besonders gut gespielt – hier war alles ganz anders.

Deine Leistung im Finale mit dem 4-0 Sieg gegen Andres Levenko war sehr überzeugend

Ich habe von Anfang an 100% gegeben und mein bestes Spiel gezeigt. Ausser ein paar Fehlern glaube ich, dass ich richtig gut dabei war.

Letztes Jahr gab es Diskussionen um einen bestimmten Aufschlag, der möglicherweise regelwidrig sein soll..

Ja, davon habe ich einiges hören müssen. Der Aufschlag ist sicher hart an der Grenze aber ich versuche den Ball immer regelkonform zu werfen. Hier in Zagreb habe ich den Aufschlag allerdings komplett weggelassen und mich auf andere Varianten konzentriert – was auch besser funktioniert.

casin

Cassin

Jetzt hast du es in die Herrenmannschaft geschafft und darfst bei der EM in Budapest starten.

Ja, letztes Jahr wollte ich diese Nominierung vielleicht etwas zu sehr – aber dieses Jahr freue ich mich darüber, dass es geklappt hat.

In der Jugendkategorie hast du jetzt mehr Titel gesammelt als Spieler wie Timo Boll oder Jan-Ove Waldner. Aber vielleicht war das Niveau damals insgesamt höher – was meinst du ?

2014 fand ich das Niveau zumindest einheitlicher – in diesem Jahr hatte ich das Gefühl dass alle mich unbedingt schlagen wollten.  Jetzt in einer Reihe mit so legendären Spielern stehen zu dürfen ist einmalig.

Dabei hast du im Mannschaftswettbewerb zwei Einzel gegen Tschechien sogar verloren..

Ich wusste, dass ich mir keine Fehler erlauben konnte. Als Teamleader steht man immer besonders unter Druck. An dem Tag war ich ziemlich enttäuscht nach Niederlagen gegen Jiri Matrinko und Tomas Polansky. Aber ich habe die Flinte nicht ins Korn geworfen und mich gesteigert. Am Tag danach haben wir noch einmal alles gegeben um uns den fünften Platz zu sichern und damit die Teilnahme an der Jugend WM zu qualifizieren.

Nächstes Jahr, im Januar, spielst du dann in der Herren-Kategorie. Bist du bereit auf diesem Level mitzuspielen – was auch bedeutet, dass du nicht mehr der Favorit sein wirst?

Da habe ich bisher noch  nicht drüber nachgedacht, aber ich habe keine Angst – nein. Ich weiß dass das Niveau im Herrensport ein ganz Anderes ist. Ich bin plötzlich nicht mehr an der Spitze, sondern irgendwo im Hauptfeld und der Weg nach Vorne ist schwierig. Heute sind Spieler wie Simon Gauzy, Timo Boll oder Marcos Freitas sicher besser als ich – ich weiß dass ich anfangs wohl einige Spiele verlieren werde, aber ich bleibe dran!

Jetzt wo du aus Kroatien zurück bist – was machst du so?

Ich nehme als sparring partner an der Olympiavorbereitung der französischen Athleten teil – und dann geht es für drei Wochen in meine Heimat nach Guadaloupe (Karibik) zur Erholung.

Lässt du dann den Schläger zu Hause?

In meiner Heimatstadt Be Maho und auf anderen Standorten der Insel werde ich wohl ein paar Showmatches spielen. Ein paar Freunde haben sich schon für ein Duell angemeldet – denen werd‘ ichs zeigen! (lacht)

Der Zeitunterschied zu Guadaloupe hat auch Vorteile: Du wirst die Olympischen Spiele gut mitverfolgen können – stimmt’s?

Obwohl ich nicht in Rio mit dabei sein kann bin ich total aufgeregt. Ich bin voll dabei und verfolge alle matches – möglichst live. Ich glaube die Chinesen werden mal wieder die Titel holen, aber Japan und Frankreich sind sicher nah dran. Im Einzel denke ich dass Ovtcharov, Lebesson und Gauzy zumindest eine Chance haben. Bei unseren Jungs weiß aus der Vorbereitung welch gutes Level sie im Moment haben.

Alexandre spielt das Butterfly Viscaria Holz mit SpinArt auf Vorhand und Tenergy 05 auf der Rückhandseite.

Sein spannendes Finalmatch der Jugend EM gibt es hier zum zeitsouveränen Nachschauen:

MARIA TAILAKOVA (RUS) – Gold in der Cadet Klasse im Einzel

Maria Taylakova

Maria Taylakova

Unser Coach hat mich im Mädchen Team aufgestellt, an Position 3. Bei den Schülerinnen wussten wir schon, wie gut unsere Mannschaft ist, und mit welcher Leistung wir im Turnier rechnen durften. Wir waren an Position 1 gesetzt und unsere Spitzenspielerin Anastasia Kolish war ebenfalls Nummer 1 in der Setzliste im Einzel.

Daher hatte ich damit gerechnet, dass meine Gegner im Einzel wohl Kolish und Kristina Kazantseva sein würden. Anastasia hatte aber überraschenderweise gegen eine Spielerin aus Azerbaijan verloren – damit war meine Gegnerin im Finale als Kristina Kazantseva. Unsere Head-to-Head Statistik war bisher ausgeglichen und anfangs habe ich mich richtig schwer getan, dann aber zu meiner Form finden können. Vielleicht hat Kristina nicht so richtig daran geglaubt, auch im Finale gewinnen zu können.

Ich spiele das Butterfly Innerforce-Layer ZLF mit Tenergy 64 auf Vor- und Rückhandseite

Ihre Gegnerin aus Russland, KRISTINA KAZANTSEVA meint:

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Kristina Kazantseva im Gespräch mit Alex Lomaev von Butterfly

Zusammen mit meinen Teamkolleginnen Tailakova, Kolish und Zironova konnte ich mich vom Hauptfeld in dieser Konkurrenz absetzen und Spieler wie Povade aus Frankreich oder Playan aus Rumänien hinter mir lassen. Leider habe ich meine volle Leistung nicht durchs Turnier konservieren können. Von allen Teilnehmern habe ich hier die meisten Spiele bestritten (31) und das war ziemlich erschöpfend. Dazu kam, dass meine Verletzung am Bein zumindest noch mental präsent war, so dass ich hier nicht mit vollem Selbstvertrauen an den Start ging. An manchen Tagen haben wir die Halle erst um 22:00 oder 23:00 verlassen! Das waren einfach zu viele Spiele..

Gut gefallen hat mir, dass wir von vielen Spieler und Coaches Gratulationen bekamen, als wir das Team aus Azerbaijan besiegten.

 

Über den Autor

Seb

Sebastian begann mit dem Tischtennissport mit 11 Jahren und schaffte es bis in die 5. deutsche Liga. Aktiv im Profisport ist er dennoch: Seit 2011 arbeitet Sebastian als TV-Kommentator für die ITTF und berichtet Live von den großen internationalen Turnieren. Seit 2014 ist er Teil des Butterfly-Teams und arbeitet im Export und Marketing als Übersetzer und Lektor.

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