Quizfrage: Wer ist der erfolgreichste Teilnehmer bei Olympischen Spielen im Tischtennis? Die richtige Antwort könnte überraschen..

.. es ist Natalia Partyka aus Polen. In Rio gewann sie Gold im Einzel und mit der Mannschaft – eine großartige Leistung, aber noch nicht die ganze Sensation. Mit ihren Siegen im Einzel bei den Spielen in Athen 2004, Peking 2008 und London 2012 gewann Natalia insgesamt vier Mal Gold im Einzel bei paralympischen Spielen, einzigartig im Tischtennis.

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Natalia and Kasia

Im September 2016, nur wenige Tage nach der Schlusszeremonie der Paralympischen Spiele in Rio hatten wir Glück Natalia persönlich gratulieren zu dürfen und ihr – zwischen zwei Interviews, denn Natalias Erfolge haben ein großes Medienecho in Polen erzeugt – ein paar Fragen stellen zu können. Wir trafen uns bei Gasport, dem offiziellen Butterfly Partner in Polen in jenen Räumlichkeiten, wo Natalias Karriere im Alter von 7 Jahren begann.

Erstmal Glückwunsch zum Erfolg! Hast du damit gerechnet gleich zwei Medallien zu gewinnen?

Danke sehr! Ich bin schon nach Rio geflogen um dort Gold zu holen – allerdings hatte ich mir nur Chancen im Einzel ausgerechnet. Im Mannschaftsfinale gegen China verloren wir auch promt unser Doppel (zusammen mit Karolina Pek – wir sind beide Linkshänder, was am Tisch schon mal für Verwirrung sorgt). In den Einzeln dann konnte ich mein Match gewinnen und auch Karolina war überlegen, sie gewann mit 3:1. Damit hatten wir die Chinesische Mauer überwunden – Gold!

Wie unterscheiden sich die Olympischen von den Paralympischen Spielen?

 

Bei den Paralympics stehe ich viel mehr unter Druck. Ich kenne meinen „Status“ und weiß, dass viele von mir den Sieg erwarten, jede Platzierung außer 1 wird als schlechte Leistung gedeutet. Seit 2008 habe ich auch kein Spiel verloren.

Bei beiden Turnieren geht es für die Athleten um alles: Medallien, Resultate.. aber die Stimmung ist anders. Olympische Spiele sind voll-professioneller Sport, es gibt große Sponsoren und entsprechende Budgets. Die Paralympics sind dagegen kleiner, aber auch familiärer. Es gibt weniger Athleten, die nach Grad der Behinderung in Gruppen eingeteilt werden. Die Regularien sind anders, aber der größte Unterschied ist: Alle Teilnehmer sind bereits Sieger. Bei den Paralympics spielen zu dürfen bedeutet seine Behinderung besiegt zu haben. Jeder Teilnehmer hat eine faszinierende Geschichte zu erzählen. Man spürt förmlich die Gemeinschaft und positive Stimmung.

Du warst mit 11 Jahren zum ersten Mal bei den Paralympics. Welche Spiele waren für dich die besten?

Als Tischtennisspieler waren das sicherlich die Spiele in Beijing 2008. Man konnte dort spüren, dass Tischtennis in China einfach beheimatet ist und der Sport dort einen hohen Stellenwert hat. In London 2012 dann hatten wir eine großartige Kulisse. Die Zuschauer waren fantastisch, ich habe noch nie eine solche Begeisterung bei Paralympics erlebt. Ich hatte dort das Gefühl, dass unsere harte Arbeit und der Aufwand, den wir betreiben, wirklich anerkannt wird.

Welchen Einfluss hat deine Behinderung auf dein tägliches Leben?

[Natalia hat eine sehr positive Einstellung zu ihrer angeborenen Behinderung. Sie hat sich einfach damit abgefunden.]

Ich wurde halt einfach so geboren. Bei allem was ich mache, muss ich natürlich Rücksicht auf diese Einschränkung nehmen, aber ich bin daran gewöhnt. Hätte ich meine Hand bei einem Unfall verloren, wäre es sicher anders gewesen aber: Ich kenne es nun mal nur so wie es ist und ich habe kein Problem damit. Seit ich 7 Jahre alt bin lebe ich in der Welt des Sports und habe Spielern mit und ohne Behinderung gleichsam nachgeeifert. Niemand wird hier im Profisport anders behandelt. Ebenso habe ich weder beim Sport noch privat eine Sonderbehandlung wegen meiner Behinderung bekommen. Das gibt mir Unabhängigkeit und einen starken Glauben an meine Stärke.

Warst du schon immer so positiv, oder gab es in der Vergangenheit auch mal schwierige Zeiten?

Natalia Partyka, tenisistka stolowa. 08.09.2009 fot. Krzysztof Mystkowski / KFP

Natalia Partyka

Klar gab es die. Vor 2 oder 3 Jahren hatte ich eine schwere Zeit. Ich war ständig verletzt, es waren immer nur Kleinigkeiten, nichts ernstes, aber ich konnte ich nicht vernünftig spielen oder trainieren. Langsam aber sicher ging auch der Spaß am Sport verloren und ich verlore einige Spiele, die ich nicht hätte verlieren dürfen. Es war schwer eine vernüftige Behandlung für diese vielen kleinen Problemchen zu finden. Nach 2 Monaten hatte ich einen Therapeuten in Poznan ausfindig gemacht, der einen anderen Ansatz verfolgte. Mit sehr ausdifferenzierter Therapie und körperlichen Übungen konnte ich mein Training erfolgreich umstellen. Am Tisch selbst vertraue ich nach wie vor meinem Coach Michal Dziubanski. Nach dieser Geschichte wurde mir klar, dass ich ohne Tischtennis nicht leben kann.

Ist dir der Sport so wichtig?

Absolut. Es ist mein Hobby, meine Leidenschaft – ich kann ohne den Adrenalinkick, die Emotionen nicht leben. Aber auf der anderen Seite weiß ich auch: „Tischtennis ist mein Job – es gibt Leute, die auf meine Leistung zählen und auf mich bauen. Seit ich angefangen habe, hat mich mein Ausrüster immer begleitet und mir vertraut. Ich bin sehr dankbar dafür den besten Sponsor mit dem besten Equipment zu haben – Butterfly.

Welches Material spielst du?

Jetzt habe ich das Innerforce Layer ALC Holz mit Tenergy 05  auf beiden Seitenausgewählt.  Die Beläge sind picturebesonders geeignet um hohe Rotation zu erzeugen und sind ausserdem angenehm hart und somit präzise.  Was die Rotation angeht ist der Tenergy 05 einfach unschlagbar – ich spiele ihn seit seiner Markteinführung. Beim Holz suche ich natürlich nach Geschwindigkeit aber auch nach einem gleichmäßigen Ballabsprung auf der Schlägerfläche, die passive Kontrolle erhöht. Ich habe einige Modelle mit ZL- oder AL-Faser ausprobiert und schließlich die Entscheidung zugunsten des ALC getroffen. Zusammen mit dem Tenergy 05 Belag passt dieses Material einfach am besten zu meinem Spielsystem.

Warum hast du anderes Material getestet?

Ich musste quasi testen. Mein altes Holz war bis zum Kern abgespielt, ich hatte so viele Kantentreffer, dass von der ursprünglichen Schlägerform nicht mehr viel zu erkennen war. 🙂 Das war eine willkommene Gelegenheit mal die neuen Technologien zu testen.

npowitanie1Wie sieht dein Plan für die Zukunft aus?

In der aktuellen Saison spiele ich in einem Club in Tschechien – auch in der Champions League. Aber das große Ziel sind natürlich immer die nächsten Olympischen Spiele in Tokyo. Wenn ich an die Zukunft denke, dann aber auch immer daran nach Danzig zurückzukommen, meiner Heimat, dort Freunde und Verwandte zu treffen und mich am Strand zu erholen. Ich kann hier am besten abschalten.

Während des Interviews konnten wir auch die berühmten „10 Fragen an..“ stellen:

Wie würdest du deinen Charakter beschreiben?

Ich bin eher ruhig, aber sehr fröhlich.

Welches Reiseland hat dir bisher am besten gefallen?

Ich mag die Europäischen Länder, aber in China fühle ich mich als Tischtennisspielerin sofort im Heimatland des Sports.

Was ist deine besondere Stärke?   

Ich verlasse mich auf meine Hartnäckigkeit, Fleiß und den Glauben daran alles schaffen zu können.

Welches war dein bestes Match bisher?

Das Spiel gegen Kasumi Ishikawa (JPN) auf der World Tour in Warschau letztes Jahr. Ich konnte gewinnen, obwohl Kasumi in der Weltrangliste weit über mir steht.

 Und was war dein schlechtestes Spiel?

Könnte ich gar nicht sagen.

kin1Wen der anderen Spieler magst du besonders?

Ich habe viele Freunde im Tischtennis, aber meine beste Freundin ist meine Doppelpartnerin Kasia Grzybowska.

 Du bist seit langer Zeit im Butterfly Team. Wie empfindest du die Zusammenarbeit?

Absolut großartig. Ich glaube jeder Profi hätte Butterfly gerne als Sponsor, die beste Unterstützung, die ich mir vorstellen kann.

Was sind deine Hobbys und was machst du in deiner Freizeit?

Wenn ich mal in Danzig bin, gehe ich an den Strand – das ist ein festes Ritual in jeder Saison.

Dein nächstes großes Ziel?

Tokio, bei den Olympischen und Paralympischen Spielen dabei zu sein. Ich möchte mich als Spieler weiterentwickeln. Die Medaille ist zwar das Ziel, aber um das zu erreichen, muss ich stärkere Spieler schlagen..

Was bedeutet dir Tischtennis?

Alles, das ist mein Leben!

Vielen Dank Natalia! Wir wünschen dir alles gute und weiter legendären Erfolg für die Zukunft!

Über den Autor

Seb

Sebastian begann mit dem Tischtennissport mit 11 Jahren und schaffte es bis in die 5. deutsche Liga. Aktiv im Profisport ist er dennoch: Seit 2011 arbeitet Sebastian als TV-Kommentator für die ITTF und berichtet Live von den großen internationalen Turnieren. Seit 2014 ist er Teil des Butterfly-Teams und arbeitet im Export und Marketing als Übersetzer und Lektor.

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