Während Shakehand-Spieler den Tischtennissport auf allen Kontinenten dominieren, hat sich erneut ein Penholder-Talent bis in die Top 10 der Welt vorgekämpft: WONG Chun Ting.

Weltranglistenstürmer Wong Chun Ting

Wong Chun Ting

Wong Chun Ting

Kämpfte der Hongkonger 2012 noch um einen Platz überhaupt unter den Top 200,  schaffte er bereits 2014 den Sprung in die Top 50. Unter anderem durch Siege über Adrien MATTENENT (damals Platz 54), Seiya KISHIKAWA (damals Platz 30) oder Kenta MATSUDAIRA (damals Platz 17).

Nachdem er sich 2014 auf dem Niveau behaupten konnte, machte der 24-Jährige seit dem April 2015 auch vor den Top 20 nicht mehr Halt. Dort konnte sich Wong nicht nur behaupten, im April dieses Jahres katapultierte er sich sogar in die Top 10 (Platz 9 im April, Platz 8 im Juli 2016) und wird von vielen als ein Shootingstar am Tischtennishimmel eingestuft. Dafür sorgten eine Reihe von Erfolgen wie dem Gewinn der Czech Open 2015 oder auch der Bronzemedaile im Herren-Doppel 2015 bei den Weltmeisterschaften.

 

Wer ist Wong Chun Ting?

wong-chun-ting_butterfly-advisory-staff_smallDer am 7. September 1991 geborene Rechtshänder und beidseitig agierende Penholder-Spieler aus Hongkong glänzt mit einem bedingungslos offensiven Spiel aus der Halbdistanz. Bekannt machte ihn dabei nicht zuletzt sein Rückhand-Topspin, den er sehr hart und rotationsreich schlägt.

Wongs Spiel besticht nicht nur durch ein Trommelfeuer aus Rückhand- und Vorhand-Topspins, sondern auch durch eine sehr gute Beinarbeit bei höchster Laufleistung.

Wie schwer dem druckvollen und hochdynamischen Spiel Wongs zu begegnen ist, das ist nicht zuletzt Japans Nationalspieler Jun MIZUTANI in bester Erinnerung, nachdem er im Asian Cup 2016 im Viertelfinale auf Wong traf.

 

Was macht ihn so gefährlich?

Zum einen ist das natürlich der Rückhand-Topspin, wie man ihn unter den Besten der Welt sonst nur von einem WANG Hao oder einem XU Xin geliefert bekommt.

Zum anderen ist da seine besondere Stärke, in langen Halbdistanz-Rallys Druck aufzubauen und Punkte herauszuspielen. Dank sehr guter Beinarbeit und höchster Laufleistung gelingt es ihm nicht nur, das Gros der Bälle mit seiner Vorhand zu erreichen und mit enormer Dynamik zu retournieren – kraft seiner überragenden körperlichen Fitness hält WONG dieses Spiel auch bis zuletzt durch.

Erst mit 9 Jahren begonnen

Wong Chun Ting Vorhand

Wong Chun Ting – sagenhafte Laufleistung und Fitness

Während die Honkonger Spitze stark von Spielern dominiert wird, die zum Teil bereits im chinesischen Nationalkader Spielerfahrungen gemacht haben, ist der heute 24-Jährige in Hongkong geboren und aufgewachsen.

Gleichzeitig ist Wong ein seltener Beweis dafür, dass man nicht mit 2, 4 oder spätestens 6 Jahren  am Tisch gestanden haben muss, um es im Tischhtennis bis nach ganz oben zu schaffen. Erst mit 9 Jahren  hat der junge Honkonger ernsthaft mit dem Tischtennis begonnen. Gewiß war auch der späte Einstieg ein Grund dafür, dass er vor dem Jahr 2014 in Weltranglisten keine nennenswerte Rolle spielte – und uns sein jetziger Erfolg so plötzlich vorkommt.

„Als Kind gab es nahe unserer Wohnung einen Park mit einer Tischtennisplatte aus Stein. An der hab ich hin und wieder mit meinen Eltern und Geschwistern Zeit vertrieben. Das hatte aber noch nichts mit Sport zu tun und hat auf mich auch keinen derartigen Reiz ausgeübt, mit dem Tischtennis zu beginnen. Der Funke sprang erst auf mich über, als ich schon 9 Jahre alt war und wir in der Grundschule an 2 Tagen in der Woche Tischtennis im Unterricht hatten. Ohne bestimmten Grund hatte ich für mich von Anfang an die Penholder-Haltung gewählt.“

Warum Penholder? Warum doppelseitig beklebt?

Angesprochen auf sein Markenzeichen, dem Rückhand-Topspin, sagt Wong lächelnd:

„Als ich mit dem Tischtennis begann, haben Penholder-Spieler in der Regel ausschließlich ihre Vorhandseite mit einem Belag beklebt. Das habe ich wie selbstverständlich für mich übernommen. Erst  2 Jahre später beim Besuch eines Tischtennis-Shops hat mich ein Shop-Mitarbeiter auf die Idee gebracht, auch auf der Schlägerrückseite einen Belag kleben zu lassen. Mehr zum Spaß wollte ich das im Training einmal ausprobieren. Tatsächlich gefiel mir das immer besser, je sicherer ich wurde. Tja, hätte es den Mitarbeiter dort damals nicht gegeben, gäbe es den heutigen WONG Chun Ting nicht“.

Wongn Chun Tin | Arylate Carbon | TENERGY 05

Wong Chun Ting spielt ein Arylate Carbon-Holz und beidseitig TENERGY o5. Schlägerblatt und Griff sind eine Butterfly Spezialanfertigung

Zumindest nicht an derselben Weltranglistenposition. Und auch mit beklebter Schlägerrückseite hätte damals, nach 3 Jahren, niemand damit rechnen können, dass sich dieser Junge 14 Jahre später anschicken könnte, in der Weltspitze mitzuspielen.

Erst mit 13 Jahren wechselte er von einem 1 mal pro Woche 2 Stunden“- zu einem „3 mal die Woche“-Trainingsrhytmus.

Auf die Idee, die Schlägerrückseite zu nutzen, brachte ihn zwar jener Shop-Mitarbeiter, beigebracht aber hat er sich seine Rückhand autodidaktisch. Schliesslich gab es im damaligen Honkong niemand, der sie ihm hätte beibringen können.

Das gesteigerte Training und die verbesserte Technik macht sich in den folgenden 3 Jahren dann doch bemerkbar. Mit 16 wurde er ins Jugendnationalteam von Hongkong berufen. Bis dahin durfte er sich zwar schon zur Hongkong-Spitze zählen, aber sein Selbstverständnis war noch jugendlich verträumt und echte Ambitionen, auch internationale Spitze zu werden, fühlte er bis dahin nicht.

Doch sollte ein ähnliches AHA-Erlebnis wie bei der Entscheidung zu einem Rückhandbelag 2009, mit 18, einen Wendepunkt einleiten.

Katapultsprung in Hongkongs A-Kader

Auf einem nationalen Turnier verlor er zwar 0:4 gegen Ko Lai Chak, aber sein exzentrischer Spielstil und die kompromisslose Einstellung, mit denen er dem damaligen Topspieler den Sieg schwer machte, sei führenden Trainern des Nationalkaders aufgefallen – und auch Ko Lai Chak selbst. Dies bedeutete für den jungen WONG die Eintrittskarte in den Nationlkader. Für den Youngster, der damals gerade mal auf Platz 900 in der Weltrangliste rangierente, eine Entwicklung, die er zunächst gar nicht fassen konnte.

TANG Peng

TANG Peng

Im Nationalkader fand er besonders im 10 Jahre älteren TANG Peng einen Freund und Förderer, der mit viel Gefühl und Erfahrung erkannte, wo und wie „Rohdiamant WONG“ geschliffen werden musste. Unter dauernder Aufopferung seines eigenen Trainingspensums habe sich Tang viel Zeit für die taktische, technische und körperliche Schulung Wongs genommen, obwohl Tang selbst Shakehand-Spieler ist. lief früher selbst im chinesischen Nationalkader auf – was ihm unter anderem Gelegenheit gab, den Meister der Penholder-Rückhand ,WANG Hao, zu studieren. Um so deutlicher wird dies, wenn man bedenkt, dass TANG Peng selbst Shakehand-Spieler ist.

„Ohne die harte Schule TANGS und seine Leidenschaft, die er in meine Ausbildung investiert hat, hätte ich es bis hierhin niemals geschafft.“

Wie richtig die Entscheidung war, den jungen Wong ins Nationalteam war, hat sich vielfach bestätigt. Doch bei allldem hat sich Wong sowohl seinen Realismus als auch seine Bescheidenheit bewahrt:

„Auch wenn mein Ranking in der Weltrangliste dazu geführt hat, dass ich momentan in Hongkong an der Spitze stehe – vom Technischen, Taktischen als auch Psychologischen her ist ganz klar TANG Peng das Rückgrat des Nationalteams.“

Wong Chun Ting Interview

Wong Chun Ting im Interview in Japan, Sommer 2016

WONG Chun Ting im Interview in Butterfly Headquarter:

Q1 : Wie würdest du deinen Charakter oder dein Wesen beschreiben?

„Da gibt es keinen herausstechenden Charakterzug. Mit Fremden habe ich relativ wenig Kontakt. Freunden gegenüber bin ich meistens fröhlich und freundlich.“

Q2 : Worin liegt deine besondere Stärke?

„Ich kann auch mit unangenehmen Erfahrungen gut umgehen.“

Q3 : Was war für dich dein bestes Spiel bisher?

„Der Sieg bei den CZECH OPEN 2015. Dort habe ich das ganze Turnier über nicht nur einfach gewonnen, sondern habe auch mental noch nie mit so viel Selbstsicherheit aufgespielt. Das hat mir viel Anschub für die Leistungssteigerung danach gegeben.“

Q4 : Welches war dein schlimmstes Spiel bisher?

„Das war 2014 bei den ASIA KYOUGI TAIKAI im Viertelefinalspiel gegen Taiwan. Wir lagen als Team mit 2:0 Spielen vorne, hab mein Spiel trotz Matchpoint noch versiebt – und dann haben wir als Mannschaft auch noch verloren.“

Q5 : In welchem der Länder, die du bisher bereist hast, gefiel dir was am besten?

„Ich konnte eigentlich allen Ländern Positives abgewinnen.  Vom Kulinarischen her gefällt es mir ganz klar in Japan am besten. Leben würde ich jedoch am liebsten in Spanien.“

Q6 : Mit welchen Spielerkollegen verstehst du dich am besten?

„Am engsten befreundet bin ich mit Tang Peng.“

Q7 : Wie schafft man es in Hongkong so stark zu werden?

„Die Unterstützung durch das HONG KONG SPORTS INSTITUTE – einer Institution, in der sich viele Spitzensportler versammeln – spielte dabei eine bedeutende Rolle, würde ich sagen. Es bietet den Zugriff auf Trainer, Doktoren und auf viele mehr, die mit ihrem Wissen und ihrer Erfahrung zur Seite stehen.

In technischer und mentaler Hinsicht hätte es mich ohne Tang Peng, der mir sehr viel beigebracht hat, so nicht gegeben.

Weiterhin ist natürlich die Unterstützung durch den Honkonger Tischtennisverband zu nennen, der die Teilnahme an internationalen Turnieren erst möglich macht und damit die Basis dafür schafft, die notwendigen Erfahrungen überhaupt sammeln zu können.

Ich denke, dies sind mit die wichtigsten Gründe.“

Q8 : Nun verbindet dich und Butterfly schon eine längere Zeit. Wie ist dein Eindruck?

„Butterfly ist eine wahre Größe im Markt, viele der bekanntesten Spieler der Welt setzen auf Material von Butterfly. Was mich beeindruckt ist aber weniger der Marktanteil als die erstklassige Qualität des Materials.“

Q9 : Was ist dein nächstes großes Ziel?

„Eine Medaille in Rio de Janeiro zu holen. Im Team oder im Einzel. In London waren wir im Team-Wettbewerb mit einem 4. Platz nahe dran.

Q10 : Was bedeutet Tischtennis für dich?

„Einen Teil meines Lebens. Ich habe dem Tischtennissport viel zu verdanken, er hat mich sehr verändert“.

 (Übersetzung aus dem Japanischen und redaktionelle Bearbeitung durch Frank Völler)

 

 

 

 

Über den Autor

Frank

Vom Kindergarten bis zur Uni stand er hochambitioniert am Tisch. Heute sitzt der Werbetexter und Japanisch-Übersetzer am Tisch – und setzt sich für das Online Marketing von Butterfly mit allen Themen auseinander, die die Tischtenniswelt bewegen.

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