Die Spannung steigt, die Tischtennis WM rückt immer näher. Zeit für uns, einen täglichen Blick auf einige Butterfly Stars und Hoffnungsträger zu werfen, die in Düsseldorf an den Start gehen..

Freitag, 26. Mai

Timo Boll: Der Architekt und der Killer

Timo Boll 2015

Sucht jemand einen Doppelpartner für die WM? Ma Long scheint eine ganz gute Wahl – Olympiasieger, Weltmeister und Sieger bei allem, was sonst mit Tischtennis zu tun hat. Mit Ma Long hat Timo Boll bei der WM 2017 also eine gute Entscheidung getroffen, mit dem besten Spieler der Welt steigen auch die Chancen Erfolg zu haben praktischerweise mit an.

Und wenn wir die Sache umdrehen: Ma Long hat doch sicher auch eine gute Entscheidung getroffen?

Und wie. Bei der WM 2015 spielte die Paarung Boll/Ma erstmals zusammen bei einer WM und alle Fans wähnten das Duo schon im Finale, doch es sollte anders kommen. Nach einem souveränen Sieg in der ersten Runde lauteten die Gegner: Zhang Jike/Xu Xin – ein würdiges Match für ein WM Finale, vorgezogen aufgrund fehlender Weltranglistenpunkte für Boll/Ma.

Als Penhold Spieler ist der Linkshänder Xu ein gefürchteter Doppelstratege: Gefährlich im Aufschlag/Rückschlag und ausgestattet mit einem Ballwechsel-beendenden Vorhandtopspin – kurzum ein idealer Partner für jeden Rechtshänder. Könnte man das nicht auch von Timo Boll sagen? Als ehemalige Nummer 1 der Weltrangliste gehört er freilich zu den besten der Besten – mit spielerischen Defiziten kommt man gar nicht erst dahin.

Timo Boll / Ma Long

Im Vergleich zum Vorhand-Schwinger von Xu Xin, ist Timos kurze Topspinbewegung erst einmal anders, wo Xu auf Härte setzt, liegt bei Boll der Fokus auf schierer Rotation. Welcher Spieler vermag mehr Topspin auf den Ball zu geben? Richtig, niemand. So die einhellige Meinung der Profis. Insofern ist die Vorhand bei Boll eine andere Art von Waffe, der Topspin so schwer zu kontrollieren, dass Timos Doppelpartner mit einem harten Schlag den Punkt erzielen kann. Hier kommt Alleskönner Ma Long ins Spiel, dessen unglaubliche Barrage an Topspins seit über 4 Jahren jeden Gegner, der nicht aus China kam, in die Knie gezwungen hat. Boll bereitet den Punkt vor, Ma macht ihn. In dieser internationalen Kombination ist Timo Boll der Architekt, Ma Long der Killer.

Außerdem: Hat Timo nicht schon bewiesen, dass er zu den allerbesten Doppelspielern gehört?

Bei der EM 2002 beispielsweise gewann er den Titel an der Seite von Zoltan Fejer-Konnerth, von 2007 bis 2010 mit Christian Süß – und davon nicht genug:

Bei der WM 2005 saß Coach Richard Prause an der Box und traute seinen Augen kaum: Boll/Süß hatten soeben eines der besten Doppel seiner Zeit, die Dauersieger Ma Lin und Chen Qi aus dem Turnier befördert und zogen ihrerseits ins Finale ein. Dort sicherten Sie eine Silbermedaille für Deutschland, nach einem packenden Match gegen Kong Linghui und Wang Hao, die in Shanghai Heimvorteil genießen konnten.

In Düsseldorf dann drehen sich wohlmöglich die Vorzeichen. Das Publikum wird die Paarung Boll/Ma frenetisch anfeuern, und mit dem Heimvorteil im Rücken.. es sind schon unwahrscheinlichere Siege errungen worden.

Timo Boll vertraut auf sein TIMO BOLL ALC Holz mit TENERGY 05 auf der Vorhand und Rückhand Seite.

Mittwoch, 24. Mai

Adina Diaconu: Aus Tradition stark

Als Angelica Rozeanu im Jahre 1955 den letzten ihrer 6 aufeinanderfolgenden Weltmeister Titel gewann, konnte niemand ahnen, dass es nicht nur ihr letzter, sondern sogar der letzte WM Titel überhaupt für eine Europäerin in den nächsten 60 Jahren sein sollte. Seit diesem Tag wanderte der Pokal durch die Hände verschiedener asiatischer Spitzenspieler. Lediglich die Britin Ann Haydon hielt den Pokal im Finale 1969 beinahe in Händen, unterlag letztendlich denkbar knapp ihrer japanischen Kontrahentin, ähnlich wie 6 Jahre zuvor ihre Landsmännin Maria Alexandru. Beides machte jedoch deutlich: Wenn es im Damentischtennis ernstzunehmende Konkurrenz für die asiatische Vormachtstellung geben sollte – dann würde sie aus Rumänien stammen. Auch die spätere Generation um Michaela Steff, Eliza Samara und Daniele Monteiro-Dodean folgten dieser Prämisse.

2017 gibt es eine vielversprechende Kandidatin, die ihre Vorgänger möglicherweise sogar übertrumpfen kann. Auftritt die 17-jährige Adina Diaconu, deren Erfolge bei der Jugend WM bereits ihresgleichen suchen. 2013 gewann sie den Titel bei den Schülerinnen in Ostrava, den sie im Folgejahr prompt verteidigte. Ungeachtet der Tatsache, dass sie danach zu den Jüngsten Spielerinnen bei den Mädchen gehörte, holte sie auch dort beide Titel in 2015 und 2016.

Ihr nächster Schritt führt Adina in die Liga der ganz Großen, bei den Damen hat sie die Chance ihre Leistungen zu krönen.

Adina DIACONU

Die Zeichen für eine erfolgreiche Zukunft stehen günstig. In der Jugendrangliste steht sie auf Position 8, wirklich beeindruckend ist aber ihre Weltranglistenplatzierung bei den Damen, wo sie innerhalb von 123 auf zwischenzeitlich Rang 72 kletterte. Wohlgemerkt – mit 17.

Im noch recht jungen Jahr 2017 konnte sie auf 2 Veranstaltungen den Titel holen – zuerst bei den Tunisia Junior Open. Die größere Aufmerksamkeit jedoch erregte der Sieg bei den ITTF Zagreb Open, wo Adina die U21 Klasse für sich entscheiden konnte, unter anderem mit Siegen über Ji Eunchae (KOR). In Düsseldorf startet Adina mit Setzplatz 48 – zusammen mit Bernadette Szocs auf der 31. im Doppel. Im Mixed tritt sie zusammen mit Christian Pletea auf.

Ihr erklärtes Ziel in Düsseldorf ist sicherlich in der Endrunde „so weit wie möglich“  zu kommen – was auch sonst. Schließlich gibt es auch Konkurrenz im gleichen Alter – bezeichnenderweise vor allem aus Japan: Miu Hirano, die bereits ganz oben angekommen ist – sowie Mima Ito und Hina Hayata.

Wir sing gespannt, ob Adina die Brücke zu ihrer Vorgängerin Angelica Rozeanu wird schlagen können. Wenn nicht in diesem – möglicherweise dann auf einer anderen Weltmeisterschaft..

Dienstag, 23. Mai

Kristian Karlsson: an vorderster Front

Als Nummer 23 der Weltrangliste wird Kristian Karlsson das schwedische Aufgebot bei der Weltmeisterschaft 2017 in Düsseldorf anführen. Für den 25-jährigen ist dies für sich betrachtet bereits eine Ehrung. Betrachtet man die beeindruckende Historie im schwedischen Tischtennis, darunter die Namen der Spitzenspieler bei Weltmeisterschaften, so liest sich das wie ein „who is who“ des Tischtennissports. Dort tauchen Namen auf wie Tony Larsson, Hans Alser und Kjell Johansson, man fragte sich damals wie jemals besserer Sport zelebriert werden könnte, bis 1971 ein gewisser Stellan Bengtsson Weltmeister wurde. Die folgende Generation stand ihren Vorbildern in nichts nach: Ulf Carlsson, Erik Lindh, Peter Karlsson, Thomas von Scheele, Jörgen Persson und ein gewisser Jan-Ove Waldner erlebten den schwedischen Tischtennissport in ihrer vollen Blüte.

In diesen wahrlich großen Fußstapfen tritt also jetzt Kristian Karlsson. Als Linkshänder (wie auch Stellan Bengtsson – der als erster Linkshänder überhaupt Weltmeister wurde – übrigens bis heute waren es nur 3) hat er seinen eigenen Stil gefunden, oder ist er spielerisch vergleichbar mit einem der großen Namen aus der schwedischen Tischtennisgeschichte? Wenn überhaupt, dann kommt hier der Name Erik Lindh ins Spiel.

Kollektion NAOKI, Kristian Karlsson

Bei den Olympischen Spielen 1988 in Seoul gewann Erik Lindh eine Bronzemedaille im Einzel, im Doppel war er gefürchteter Gegner als Rechts-Links Duo gemeinsam mit Jörgen Persson. Ähnlich steht es bei Kristian Karlsson, der mit seinem Namensverwandten (und nur im Namen verwandten) Mathias Karlsson ein starkes schwedisches Doppel bildet. Mathias‘ Spiel mit kurzen Noppen auf der Vorhand passt perfekt zu den spinreichen Topspins von Kristian, wie sie nicht zuletzt bei den 2015 Polish Open unter Beweis stellen konnten. Auch diese Jahr legten sie fantastische Ergebnisse vor: Finalteilnahme bei den Qatar Open, wo sie denkbar knapp von den Japanern Masataka Morizon und Yuya Oshima geschlagen wurden. Dieses Finale könnte sich in Düsseldorf wiederholen – die Japaner sind dort sogar an 1 gesetzt, während Karlsson/Karlsson als drittbeste Europäische Paarung hinter Franziska/Groth und Liventsov/Paikov an Position 8 rangieren.

Im Einzel steht Karlsson auf Setzplatz 9 für Europa, hinter den großen Namen Dimitrij Ovtcharov, Timo Boll und Vladimir Samsonov, die wiederum von der neueren Generation um Marcos Freitas, Simon Gauzy, Tiago Apolonia und Stefan Fegerl eng verfolgt werden. Während Samsonov bei den nächsten Olympischen Spielen 2020 44 Jahre alt sein wird, erwarten spätestens dort die Experten große Leistung von Karlsson und den letztgenannten 4 Spielern. Kann Kristian nicht nur die schwedische Tischtennisnation, sondern wohlmöglich den Europäischen Kontinent anführen? Die Zeit wird es zeigen, möglicherweise kann der sympatische Schwede schon in Düsseldorf ein Ausrufezeichen setzen..

Kristian spielt das Butterfly KORBEL SK7 Holz mit TENERGY 05 auf der Vorhand und Rückhand.

Über den Autor

Seb

Seb has succeeded in living his passion for table tennis. A long-time player, he connected to professional table tennis as commentator for the ITTF, travelling to top events such as World Championships and reporting live from the action. In 2014, Seb became part of the Butterfly Team, working in international Sales and Marketing at Butterfly Europe in Germany.

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