Am Wochenende stellte Butterfly Superstar Timo Boll einmal mehr unter Beweis, dass seine Top 5 Platzierung in der Weltrangliste kein Zufall sein kann. Beim World Cup im belgischen Lüttich schaltete der 36 jährige Deutsche gleich zwei Spieler aus der chinesischen Nationalmannschaft aus.

Beim Auftaktmatch in Lüttich hatte Timo Boll noch relativ leichtes Spiel, mit einem klaren 4-0 (12-10, 11-8, 11-5, 13-11) besiegte er den Brasillianer Gustavo Tsuboi. Bereits das zweite Match, das Viertelfinale, hatte es dann richtig in sich. Der Gegner: Chinas Hoffnungsträger einer neuen Generation, Lin Gaoyuan. Und der junge Chinese startete furios, gewann Satz 1 und 2, mit 11-5 und 13-11.

Dann folgte ein offener Schlagabtausch: Boll sicherte sich Satz 3 mit 11-9, Gaoyuan zog erneut mit 11-9 in Führung. Alles sah nach einer recht komfortablen Situation für den Chinesen aus, ein 3-1 bedeutete im Gegenzug das nahende Turnieraus für Timo Boll. Doch Boll musste in seiner Karriere schon schlimmere Momente überstehen – und tat dies auch. In einzigartiger Manier gewann er die nächsten beiden Sätze und zwang das Viertelfinal-Match in den entscheidenden 7. Satz, den die Tischtenniswelt so schnell nicht vergessen wird.

Lin Gaoyuan machte genau dort weiter, wo er im ersten Satz anfing und ging schnell mit 10-4 in Führung – 6 Matchbälle. Mittlerweile glaubten die meisten Fans in Lüttich an eine Vorentscheidung des Spielverlaufs und sahen Boll schon auf dem frühzeitigen Heimweg – doch der „zeitlose“ Timo hatte ganz andere Ambitionen, gewann 6 Punkte in Folge und wehrte bei 10-11 noch einen weiteren Matchball Lins ab, bevor er seinen ersten bei 12-11 verwandelte. Timo Boll hatte eine aussichtslose Situation zu seinen Gunsten gewendet und zog so spektakulär ins Halbfinale ein.

Wenn Lin Gaoyuan schon ein starker Gegner für Boll war, was könnte man dann erst von Ma Long behaupten? Der Weltranglisten 1. hatte bereits alles gewonnen, was es im Tischtennis zu gewinnen gibt: Weltmeisterschaften, Olympische Spiele und zahllose Nationalturniere in China, von der World Tour gar nicht erst zu sprechen. Ma Long, sagen die Experten, zählt spätestens seit dem WM Titel 2017 zum Kreis der absolut besten Tischtennisspieler – aller Zeiten. Das Halbfinalmatch nun nahm einen ähnlichen Verlauf wie Bolls Begegnung im Viertelfinale: Ma Long gewann Sätze 1 und 2, Boll den dritten, Ma Satz 4 und Boll gleichte schließlich aus und zwang die Partie in einen 7. Satz.

Inzwischen lehnte sich keiner der angereisten Zuschauer in Lüttich mehr entspannt zurück. Was sie dort zu sehen bekamen war nichts weniger als das beste Tischtennischmatch seit Langem, vielleicht eines der besten überhaupt. Timo Boll und Ma Long gaben ihr Äußerstes und im 7. Satz war es Boll, der die Führung behaupten konnte und bei 10-8 die ersten beiden Matchbälle verbuchte. Ma Long gleichte aus, doch Boll ließ sich das Match nicht nehmen, mit 13-11 entschied er das Viertelfinale für sich und brachte Ma Long die erste Niederlage gegen einen Nicht-Chinesen seit mehr als 5 Jahren (!) bei. Das amtliche Endergebnis: 4-3 (6-11, 9-11, 11-9, 9-11, 11-7, 11-5, 12-10).

Im Interview mit der ITTF verriet Boll:

“Ich weiß gar nicht was ich sagen soll, das war einfach ein irres Match. Mit 1-3 gegen einen Spieler wie Ma Long hinten zu liegen hat mich fast etwas beruhigt, ich war jedenfalls richtig entspannt und habe einfach versucht das Spiel zu genießen. Besonders danken muss ich vor allem den Fans hier in Lüttich für ihre lautstarke Unterstützung. Ich kann gar nicht glauben, dass ich mit meinen 36 Jahren so ein Match gegen so einen Spieler noch drehen und gewinnen konnte – ich hab’s einfach genossen.”

Mit diesem Sieg zog Boll zum 5. Mal in ein Finale beim World Cup ein. Historisch in 2017 war indes auch die Finalbesetzung. Mit seinem Landsmann Dimitrij Ovtcharov gab es erstmals seit 1980 ein rein deutsches Finale bei einem World Cup. Timo spielte auf hohem Niveau, allerdings war ihm anzusehen, dass die engen 4-3 Partien gegen Lin und Ma an seinen Kräften gezehrt hatten. Insgesamt trat Ovtcharov frischer auf und gewann das Finale mit 4-2 Sätzen (10-12, 11-8, 11-7, 9-11, 11-7, 11-2).

Obwohl Timo Boll den World Cup 2017 nicht gewann, wird sein Auftritt in Lüttich noch lange diskutiert werden – sein Sieg über Ma Long wird die Tischtenniswelt noch beschäftigen und zeigt eindrucksvoll, dass die erfolgreiche Karriere des Supertalents Boll noch lange nicht am Ende angelangt ist – in der Weltrangliste geht es momentan jedenfalls sogar weiter aufwärts für den sympathischen Hessen..

 

Über den Autor

Seb

Seb has succeeded in living his passion for table tennis. A long-time player, he connected to professional table tennis as commentator for the ITTF, travelling to top events such as World Championships and reporting live from the action. In 2014, Seb became part of the Butterfly Team, working in international Sales and Marketing at Butterfly Europe in Germany.

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Ein Kommentar

  1. René

    Echt klasse, was Timo da momentan leistet. Schade, daß er den Worldcup-Titel nicht gewinnen konnte obwohl er 2 Top10-Chinesen aus dem Wettbewerb geworfen hat. Jetzt bei den German Open in Magdeburg hat Dima Ovtcharov gezeigt, daß er dazu auch in der Lage ist indem er Yan An und Fan Zhendong besiegte.

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